Zum Inhalt springen

Header

Navigation

Legende: Audio Tessiner Pflegende sollen mit Kursen sensibilisiert werden abspielen. Laufzeit 03:05 Minuten.
03:05 min, aus SRF 4 News aktuell vom 02.05.2019.
Inhalt

Kurse für Pflegende Wenn Pflegerinnen sexuell belästigt werden

Laut dem Seco wird rund jede zehnte Pflegerin sexuell belästigt. Besonders betroffen sind Spitex-Mitarbeiterinnen.

Sexuelle Belästigung von Angestellten in Gesundheitsberufen kommt häufig vor. Ungefähr jede zehnte sei betroffen, sagt eine Studie des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco). Eine hohe Dunkelziffer gibt es beispielsweise im Tessin. Denn bisher ist dort keine einzige Anzeige eingegangen. Der Berufsverband der Pflegefachfrauen versucht daher, Betroffene mit Kursen zu sensibilisieren.

Kursleiter und Psychologe Vincenzo Santoro sagt, die übergriffigen Täter kämen aus allen sozialen Schichten und aus allen Altersgruppen. Deren Übergriffen besonders ausgesetzt seien Spitex-Mitarbeiterinnen, die alleine zu den Patienten nach Hause gingen. «Die Täter profitieren von der Nähe, die automatisch entsteht, weil sie alleine sind mit den Frauen», erklärt er.

Angst vor Mobbing und Schuldzuweisungen

«Zuerst trinken sie nur einen Kaffee zusammen. Daraus kann dann aber ein Übergriff werden.» Die Schwierigkeit ist, dass die betroffenen Frauen keine Anzeige erstatten, aus Angst, dass sie sich selber schaden. Denn häufig heisst es, sie seien selber schuld. Es kommt auch vor, dass sie gemobbt werden oder die Arbeit verlieren. Schweizweit habe es darum in den letzten Jahren nur sehr wenige Anzeigen von Pflegefachfrauen gegeben, sagt André Wagner, der Leiter des Rechtsdienstes beim Verband der Pflegefachfrauen.

Dass im Tessin bis heute keine einzige Anzeige gemacht wurde, sei kaum ein Zufall, sagt Santoro. «Das Tessin ist ein wenig von der italienischen Kultur geprägt. Vorherrschend ist dort die patriarchale Kultur. Die Frau wird als schutzbedürftiges Wesen gesehen. In diesem System ist sie dem Beschützer mit seinen machistischen Machtgelüsten einfach ausgeliefert.» Santoro weiss, dass er sich mit solchen Aussagen auch Kritik einfangen kann.

Sexualität für die katholische Kirche ein Tabu

Er betont darum, dass es natürlich nur ein sehr kleiner Teil der Patienten ist, der zu Tätern wird. Diesen kleinen Teil aber dürfe die Gesellschaft nicht tabuisieren. Er ist überzeugt: Erst, wenn die Gesellschaft anfängt, über die vorherrschenden Machtstrukturen zu sprechen und diese zu hinterfragen, kann diese sie auch durchbrechen. Das sei umso schwieriger in einer Kultur, die stark geprägt ist vom Katholizismus, sagt Santoro weiter.

«Für die Kirche ist die Sexualität ein Tabu. Sie ist Privatsache. Gibt es in der Sexualität Probleme, wird darüber nicht gesprochen.» In diesem Klima des Schweigens gebe es kaum Raum für Anzeigen, so Santoro. Darum brauche es Kurse, die es den Pflegenden ermöglichen, das Schweigen zu durchbrechen.

Schliessen

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

4 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Verena Eberhard (Verena Eberhard)
    Himmeltraurig dieses Thema, Es gibt ältere Menschen, welche sicher manchmal die Grenzen überschreiten. Aber die möchten nur Berührungen Zärtlichkeit und
    Zuwendung. Wieso alles so negativ und als Übergriff behandelt wird ist mir ein Rätsel. Sicher in Zukunft ältere Menschen wegsperren. Wir gehen einer sehr unliberalen und geldabzockenden Zukunft entgegen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Hans Fürer (Hans F.)
    Himmeltraurig, dass man sich nun auch noch mit diesem grässlichen Problem befassen muss. Im Interesse aller Kollegen und Kolleginnen sollten die Pfleger und Pflegerinnen aufgefordert werden, jeden Vorfall unverzüglich den Vorgesetzten zu melden, wenn eine Mahnung nichts genützt hat. Sollten auch die Vorgesetzten nichts erreichen, gnadenlos Anzeige erstatten! Wer Leute, die Meldung erstatten, entweder mobbt oder gar entlässt, sollte auf der Stelle strafrechtlich belangt werden.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Jeanôt Cohen (Jeanot)
    Wieso wird "nur" über Pflegerinnen geredet? Auch für uns als Pfleger ist es sehr verletzend, wenn Patientinnen unangenehm und aufdringlich werden. Dazu kommt das wir Männer nicht unbedingt ernst genommen werden bei diesem Thema.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen