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Viele Lärmgeplagte trotz Schutzmassnahmen
Aus Rendez-vous vom 18.03.2022.
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Lärmschutz Bundesrat unterstützt Tempo 30 – aber auch Baulärm

Leichter Tempo 30 einführen können und gleichzeitig gelockerte Bauvorschriften: Wie geht das zusammen?

An der Kreuzung der Buchserstrasse – der Hauptstrasse in Aarau – wohnt Philipp Küehni mit seiner Familie. Vor sechs Jahren hat er hier ein altes Haus gekauft und aufwändig renoviert. Küehnis sind zufrieden, wäre da nicht diese laute Strasse. Ihnen geht es wie 1.3 Millionen Menschen in der Schweiz, die täglich an übermässigem Lärm leiden.

Auch wenn das Haus etwas zurückversetzt, nicht direkt an der Strasse liegt, störe der Strassenlärm, sagt Philipp Küehni, der auch Präsident der Aargauer Grünliberalen ist. «Wenn die Ampel auf rot ist, halten die Autos an und wenn sie dann wieder anfahren, wissen manche Fahrer nicht, wie viel Gas sie geben sollen. Das knallt und dröhnt. Und das Rauschen hört man sowieso permanent», so Küheni.

Aarau will den Verkehr beruhigen

Die Stadt Aarau kennt das Problem mit der lauten Strasse. Deshalb soll sie saniert und beruhigt werden. Ein sogenannter Flüsterbelag soll eingebaut werden, eine Geschwindigkeitsreduktion von aktuell Tempo 50 auf 30 will die Stadt aber nicht.

Mit einer Reduktion von Tempo 50 auf Tempo 30 reduziert man den Lärm um 3 Dezibel. Das ist so, als würde man die Verkehrsmenge halbieren.
Autor: Gabriela Suter Präsidentin Lärm Liga Schweiz

Dabei wäre dies das wirksamste Mittel gegen Strassenlärm, ist Gabriela Suter überzeugt. Sie ist Präsidentin der Lärm Liga Schweiz und sagt: «Tempo 30 ist die absolut effizienteste und kostengünstigste Massnahme an der Quelle. Mit einer Reduktion von Tempo 50 auf Tempo 30 reduziert man den Lärm um 3 Dezibel. Das ist so, als würde man die Verkehrsmenge halbieren.»

Das Idealste wäre beides: also Tempo 30 und zusätzlich noch eingebaute Flüsterbeläge. Es würde den Lärm nochmals fast halbieren. Oberstes Ziel der Lärm Liga ist es, den Lärm an der Quelle zu bekämpfen – eben mit leiseren Autos und tieferen Tempi. Lärmschutzwände und Schallschutzfenster seien nur Ultima Ratio, meint Gabriela Suter, die auch SP Nationalrätin ist.

Vielbefahrene Strasse. Symbolbild
Legende: Mobilität und Ruhe – beides geht nicht. Symbolbild. Keystone

Und dort – in der Politik geht es denn auch in diese Richtung: So will der Bundesrat, dass Gemeinden künftig einfacher Tempo 30 Zonen einführen können, indem aufwändige Gutachten dafür nicht mehr nötig sind. Weiter in Diskussion ist, die Nachtruhe zu verlängern. Die strengeren Lärmgrenzwerte sollen künftig nicht mehr nur bis 6 Uhr, sondern bis 7 Uhr morgens gelten. Allerdings gibt es auch einen Gegentrend: «Die Teilrevision des Umweltschutzgesetzes ist eine eigentliche Kapitulation vor dem Lärmproblem», kritisiert Suter.

Parlament soll über Lärmschutz entscheiden

Suter meint konkret die Lockerungen der Bauvorschriften in Sachen Lärmschutz. In jüngster Zeit hat das Bundesgericht mehrere Grossüberbauungen gestoppt, weil sie gegen die Lärmvorschriften verstossen. Der Bundesrat befürchtet einen regelrechten Baustopp und will deshalb der Bauwirtschaft entgegenkommen. Wie das Parlament entscheidet, wird sich voraussichtlich Ende Jahr zeigen.

Die Familie Küehni betrifft dies nicht mehr. Ihr Haus ist schon gebaut. Allerdings wird sich ihr Lärmproblem nicht so schnell lösen. Deshalb hat Philipp Küehni zur Strasse hin mehrere Bäume gepflanzt. Doch: «Bäume wachsen nicht so schnell. Bis sie zwei Meter hoch sind, dauert es noch ein paar Jahre.» So hoffen die Küehnis, dass Aarau mit der Lärmsanierung der Strasse vorwärtsmacht. 

18.03.2022; Rendez-vous, 12:30 Uhr,

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20 Kommentare

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  • Kommentar von SRF News (SRF)
    Liebe Community, vielen Dank für die spannende Debatte unter diesem Artikel. Für heute schliessen wir die Kommentarspalte und freuen uns auf die morgigen Kommentare. Liebe Grüsse, SRF News
  • Kommentar von Daniel Gion  (dgion)
    Da kauft sich jemand ein Haus an einer vielbefahrenen Straße zu einem dementsprechend tieferen Preis. Danach jammert er über den Verkehr den er beim Kauf ja Inkauf genommen dh auch akzeptiert hat und dank dessen er das Gebäude günstiger erhielt. Jetzt sollen also zum Einen alle Verkehrsteilnehmer langsamer fahren und der Steuerzahler die Straßensanierung bezahlen damit der feine Herr seinen günstigen Kauf besser geniessen kann...
    1. Antwort von Cynthia Meister  (Cyn)
      Ähnlich ging es auch bei den Anflugs- und Abflugschneisen des Flughafens…
    2. Antwort von Martin Egger  (Martin Egger)
      Da gibt es dann auch noch die "feinen Herren", die sich auf dem Land ein noch günstigeres Haus kaufen, dort die Ruhe geniessen und dem Stadtbewohner täglich vor dem Haus vorbeifahren.
    3. Antwort von Daniel Gion  (dgion)
      @Egger Hat aber mit dem Verhalten dieses Herrn im Artikel nichts zu tun.
      Bei den von Ihnen beschriebenen feineren Herren handelt es sich meist um Stadtbewohner welche aufs Land ziehen und dort die Wohnpreise in die Höhe treiben - aber wie gesagt das ist eine andere Geschichte...
  • Kommentar von Thomas Hanhart  (Thomas63)
    Ein wesentlicher Teil des Autolärms wird mit der unaufhaltsamen Elektrifizierung in den nächsten Jahren sowieso verschwinden. Trotzdem sollte Tempo 30 in Wohnquartieren nun endgültig Standard werden, allein aus Gründen der Sicherheit.
    Aber nur Grenzwerte erhöhen angesichts der längst mehrfach mit fundierten Studien belegten Einsicht der Schädlichkeit des Lärms auf die Gesundheit? Wäre doch etwas zu primitiv oder nicht?