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Essen ausliefern für die Moral
Aus HeuteMorgen vom 23.03.2020.
abspielen. Laufzeit 02:32 Minuten.
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Leben mit dem Coronavirus Wenn ein Restaurant zum Lieferdienst wird

Die Gastronomie trifft der Stillstand besonders hart. Doch die Not macht erfinderisch, wie ein Beispiel aus Basel zeigt.

Die Stühle sind hochgestellt, die Tische ansonsten leer. «La catastrophe», sagt Beizer Christoph Lehmann. Seit elf Jahren betreibt er das Restaurant Viertel-Kreis in Basel. Eine erfolgreiche Beiz, die fast immer ausgebucht ist. «Jetzt sind wir natürlich komplett raus aus dieser Komfortzone.»

Viele haben keine grossen Reserven

Christoph Lehmann und seine Frau beantragten Kurzarbeit und fingen an zu rechnen. Es gibt viele Fixkosten zu decken. Das gehe nur dank Erspartem. «Ich muss an meine privaten Reserven gehen, für die ich elf Jahre hart gekrampft habe», so Lehmann weiter. «Aber wir wissen, dass wir das überstehen werden.»

Diese Gewissheit hätten aber längst nicht alle Beizen. Es werde so manchen Konkurs geben. «Die Gastronomie ist eigentlich sowieso am Boden. Es gibt so viele Mutationen, so viele Konkurse. Ich finde, es ist kein Gewerbe, das gut aufgestellt ist. Da gibt es viele Betriebe, die keine grossen Reserven haben, die man jetzt anzapfen könnte.»

Menschenleere Gassen mit geschlossenen Geschäften und Restaurants in Basel.
Legende: Menschenleere Gassen mit geschlossenen Geschäften und Restaurants in Basel. Keystone

Für ihn gebe es in dieser schwierigen Situation nur eines: weiterarbeiten. Das Restaurant Viertel-Kreis liefert nun nach Hause. In der Mitte des Raums steht ein Meer aus leeren Papiertüten. «Wir haben hier unsere Säckchen», erklärt der Basler Gastronom. «Die werden jetzt bestückt mit dem Menü, das wir heute schicken.» Er selbst fährt die Menüs zu den Haustüren der Kunden.

«Gar nicht unser Metier»

Vom Restaurantbetrieb auf einen Lieferdienst umzustellen, sei nicht einfach. «Zuerst waren wir sehr euphorisch. Wir dachten, wir könnten jetzt die ganze Stadt beliefern – auch am Mittag. Wir hatten Anfragen von Firmen. Doch dann merkten wir, dass wir das gar nicht bewältigen können. Es ist aufgrund unserer Betriebsstruktur gar nicht unser Metier.» Das Restaurant beschränkt seinen Lieferservice deshalb auf Freitag- und Samstagabend. Jedes Wochenende gibt es ein neues Menü. Den Mittagsservice gibt es nur ab und zu, die aktuellen Informationen werden jeweils online gestellt.

Statt über Menüplänen brüten Christoph Lehmann und sein Team nun über Routen. Sie tüfteln an der effizientesten Variante oder suchen nach den richtigen Kartonschachteln. Lohnt sich das Ganze denn finanziell überhaupt? «Das ist ein Tropfen auf den heissen Stein», verneint der Wirt. «Ich finde es aber gut, weil es die Moral aufrechterhält. Wir rosten nicht ein, kreieren Ideen und sind im Austausch. Das ist für mich das Wertvollste.»

Heute Morgen, 23.03.2020

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Goran Petkovic  (Rock'n'Roll)
    Gratulation an den Beizer, der vorbildlich handelt! Er jammert nicht und ruft den Bund nicht sofort um Hilfe, sondern verwendet in erster Linie seine kreative Kraft, innovativ zu sein. Ich hoffe sehr, dass die CEO's, vorallem grosser Unternehmen, diesen Bericht lesen und sich ein Beispiel nehmen können, wie unter Umständen wie diesen, welche es immer und zu jeder Zeit geben kann, ein Unternehmen geführt wird resp. geführt werden soll und kann.
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  • Kommentar von Kurt Flury  (Simplizissimus)
    Die Mieten und Pachtzinsen sind ein grosser Anteil an den Fixkosten neben den Löhnen. Ich finde auch die Grundeigentümer sollten ein gewisses Mass an Solidarität zeigen und allfällige Ausstände grosszügig handhaben!
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    1. Antwort von Tabea Weber  (moinmoin)
      Ich stimme zu. Man darf aber nicht vergessen, dass sich das nicht jeder Eigentümer leisten kann, auch wenn er das wollte.
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