Zum Inhalt springen

Header

Video
Bilanz des Léman Express
Aus Schweiz aktuell vom 22.03.2021.
abspielen
Inhalt

«Léman Express» S-Bahn in Genf: Ein Projekt – zwei Kulturen

Das grösste grenzüberschreitende S-Bahn-Netz von Europa ist seit etwas mehr als einem Jahr in Betrieb. Eine Bilanz.

Das Ziel bei der Eröffnung des Léman Express im Dezember 2019 war klar: Ein Viertel-Stunden-Takt ohne Umsteigen zwischen der Schweiz und Frankreich. Eine S-Bahn-Verbindung vom Waadtland über Genf, bis ins französische Annemasse, und von da in die verschiedenen Regionen Frankreichs. Ein Prestigeprojekt. Jahrelang hat man gebaut, Bahnhöfe neu gestaltet oder umgebaut, 1.8 Milliarden investiert.

Es gab viele Verspätungen, Personalmangel und Planungsschwierigkeiten, vor allem im französischen Bahnhof Annemasse.
Autor: Matthieu JotterandPräsident Lokführerverband Genf

Die Erwartungen waren hoch. Erfüllt wurden sie in diesem ersten Betriebsjahr nur bedingt. «Es gab viele Verspätungen, Personalmangel und Planungsschwierigkeiten, vor allem im französischen Bahnhof Annemasse». Das sagt der Präsident des Lokführerverbandes in Genf, Matthieu Jotterand. Für den Gewerkschafter ist klar: «Man hat vieles auf den Weg gebracht, aber es bleibt noch Arbeit».

«Jeder Anfang ist schwer»

Auch bei den Pendlerinnen und Pendler war die Stimmung gerade in den ersten Monaten nur mässig optimistisch. Viele klagten über verspätete Züge oder verpasste Anschlüsse. Inzwischen klingt es optimistischer. «Ich hatte auch schon Probleme, aber die Vorteile überwiegen. Nicht mehr immer mit Bus und Tram zu pendeln ist ein Vorteil», sagt etwa Melanie, Studentin und regelmässige Pendlerin.

«Der Léman Express hat Genf revolutioniert», findet Laurent, ein Architekt, der die Verbindung häufig zum Arbeiten braucht. Den positiven Eindruck der Pendler unterstreicht Mario Werren. Der Generaldirektor von Lemanis SA – der Betreibergesellschaft des Léman Express – weiss zwar um die schwierige Startphase, relativiert jedoch: «Es ist ein Jahrhundertprojekt, klar ist hier der Anfang schwer.»

Video
Aus dem Archiv: Einweihung «Léman Express»
Aus Schweiz aktuell vom 12.12.2019.
abspielen

Unterschiedliche Bahnkulturen

Am Ende war das Projekt auch eine Verbindung zwischen der SBB und der französischen SNCF. Im Bahnhof Annemasse sehe man deutlich, dass hier unterschiedliche Kulturen aufeinandertreffen, so Lokführerverbandspräsident Jotterand. «Für ein Bahn-Manöver, welches in der Schweiz rund 15 Minuten dauert, braucht man in Annemasse 45 Minuten. Die Prozesse sind manchmal kafkaesk».

Es ist ein Jahrhundertprojekt, klar ist hier der Anfang schwer.
Autor: Mario WerrenGeneraldirektor Lemanis SA

Generaldirektor Werren verteidigt: «Man kann nicht dem einen oder anderen die Schuld geben. Das sind zwei Eisenbahnen, die lernen müssen, zusammenzuarbeiten.» Dass ein solches Projekt eine Herausforderung ist, zeigt auch die Tatsache, dass die Lokführer eine zusätzliche Ausbildung brauchen, wenn sie in beiden Ländern fahren wollen. Auch hier geriet man – auch wegen Corona – ins Stocken, wodurch einen Teil des Personalmangels zu erklären ist.

Pendlerziel fast erfüllt

Alles in Allem ist der Léman Express auf Kurs. Das Ziel der 50'000 Pendlerinnen und Pendler pro Tag wurde – trotz Corona und Homeoffice – nur knapp verfehlt. Bis im April sollen laut der Betreibergesellschaft auch der Personalmangel und kleinere Mängel am Rollmaterial vollständig behoben sein.

Der Léman Express würde nach etwas mehr als einem Jahr Betriebszeit somit erstmals exakt so verkehren – im Viertel-Stunden-Takt und ohne Umsteigen – wie dies zu Beginn geplant war.

Schweiz aktuell, 22.03.2021, 19 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

4 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Martin J. Pérez  (MJP)
    Ich muss bei dem Artikel direkt auch an TILO im Tessin denken wo das mit den Verbindungen nach Italien ja schon länger klappt oder an die Bodenseeregion mit THURBO wo ich mir sowas auch vorstellen könnte.
    Jedenfalls denke ich, es ist ein tolles und Ausbaufähiges Projekt in der Genfersee-Region.
    Ich finde eh, dass in den letzten Jahren in der Schweiz nebst der NEAT einige spannende Bahnprojekte umgesetzt oder in Angriff genommen worden sind.
    Es unterstreicht die Schweiz ist ein Bahnland :)
  • Kommentar von Alex Klee  (alekle)
    Gutes Beispiel, an dem sich die Region Basel orientieren sollte: Höchste Zeit für die Wiederaufnahme der durchgehenden S1 Frick-Basel-Mülhausen!
    1. Antwort von Mario Lo  (MarLo)
      Basel hat doch ein Tram nach Deutschland :)
    2. Antwort von Martin J. Pérez  (MJP)
      Marlo das eine schliesst das andere ja nicht aus und S-Bahnen fahren üblicherweise ja etwas weiter als ein Tram. ;)