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Was weiss man über Corona-Langzeitfolgen?
Aus Rendez-vous vom 23.10.2020.
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«Long Covid» Covid-Spätfolgen: die grosse Unbekannte

Laut Schätzungen leidet bis zu einem Drittel der an Covid-19 Erkrankten an Spätfolgen. Die Ursachen sind völlig unklar.

Mitte März erkrankte Sandra Corbellini an Covid-19. Die Lehrerin erwischte es heftig: starke Schmerzen im Bauch und am ganzen Körper, Atemnot, totale Erschöpfung. Diese Symptome gingen auch Wochen nach der Infektion nicht weg. «Ich kam kaum noch einen Berg hoch wegen Atemnot», sagt sie. Auch habe sie immer wieder Herzprobleme, ähnlich einer Angina Pectoris.

Heute, mehr als ein halbes Jahr nach der Infektion mit Covid-19, haben sich die Symptome der 52-Jährigen zwar abgeschwächt. Trotzdem sei ihr Befinden unberechenbar. «Tagelang geht es mir gut – und dann kommt es wieder.»

Die Müdigkeit geht nicht weg

Auch der Konzertsänger und Hochschullehrer Jörg Dürmüller aus Thun kämpft ein halbes Jahr nach seiner Covid-Infektion mit anhaltenden Beschwerden. Er sei andauernd müde, sagt er. «Ich möchte manchmal einfach nur noch schlafen.»

Weder Sandra Corbellini noch Jörg Dürmüller waren im Frühling wegen Covid-19 im Spital. Trotzdem hält die Krankheit sie im Griff. Ähnliches beobachtet Patrick Brun, Chefarzt der Rehaklinik Heiligenschwendi im Kanton Bern. Dort wurden während der ersten Welle Covid-Patienten mit schweren Verläufen nachbetreut.

Doch im Sommer bekam Patrick Brun auch Patienten zugewiesen, die gar nie im Spital waren und einen milden Verlauf der Krankheit hatten. «Doch sie mussten in die Reha, weil sie teilweise nicht mehr in der Lage waren, ihr bisheriges Leben weiterzuführen», sagt Brun.

Sehr unterschiedliche Symptome

«Long Covid», wie Fachpersonen das Phänomen der Langzeitfolgen einer Coronainfektion nennen, ist ein Rätsel mit einer Vielzahl von Symptomen: Organische Beschwerden, ausgeprägte Müdigkeit und Abgeschlagenheit, Konzentrationsschwierigkeiten, aber auch psychische Leiden wie Depression und posttraumatischen Störungen kommen vor.

Der britische Lungenspezialist Philip Pearson sagt über «Long Covid», es sei einfacher zu sagen, was «Long Covid» nicht ist, als was es ist. «Auf jeden Fall ist es mehr, als einfach von einer Lungenentzündung zu genesen.»

Pearson ist an einem gross angelegten Forschungsprojekt beteiligt, welches das nationale Forschungsinstitut NIHR des Vereinigten Königreichs zu «Long Covid» lanciert hat. Das Ziel der ehrgeizigen Studie: Daten sammeln von möglichst vielen Patientinnen und Patienten, die an Spätfolgen der Infektion leiden.

Von den Ärzten endlich ernst genommen

Auch in der Schweiz sind in kleinerem Rahmen diverse Forschungsarbeiten zu Langzeit-Covid angelaufen. So ist auch Jörg Dürmüller seit Juni in eine Covid-Langzeitstudie des Inselspitals Bern involviert – für den Sänger ein Segen.

Langzeituntersuchung in Basel

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Langzeituntersuchung in Basel
Legende:Keystone

Auch am Universitätsspital Basel wird «Long Covid» Untersucht. Dort werden 50 schwersterkrankte Covid-Patienten, die im Frühling auf der Intensivstation beatmet werden mussten, systematisch nachuntersucht. «90 Prozent der Patienten sind nach drei Monaten zu Hause», sagt Nina Khanna, Professorin für Infektiologie. Auch bräuchten diese Patienten kaum eine künstliche Zuführung von Sauerstoff. Demnach erholt sich die Lunge offenbar besser, als man noch im Frühling befürchtet hatte. Ob das auch im grösseren Kontext gilt, müsse aber noch untersucht werden, betont Khanna.

Zuvor hatte kein Arzt erwogen, seine Symptome Covid-19 zuzuschreiben. Dürmüller kam sich vor wie ein Simulant. So ergeht es weltweit vielen Betroffenen mit anhaltenden Beschwerden: Sie fühlen sich nicht ernst genommen. «Ich hatte das Gefühl, ich müsse bald in die Klapsmühle», sagt er.

Inzwischen nimmt zumindest die Forschung das Thema ernst. Um zu beurteilen, ob Covid-19 bleibende Folgen verursacht, oder ob die Symptome doch nur vorübergehend sind, braucht es nun vor allem eins: mehr Daten.

SRF 4 News, Rendez-vous vom 23.10.2020, 12.30 Uhr

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99 Kommentare

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  • Kommentar von Katharina Probst  (KateEilis)
    Wenn Impfgegner (wohlgemerkt bin keine, resp. meine ganze Familie ist durchgeimpft) über entsprechende Fälle berichten, dann wird ganz anders argumentiert. Wenn Maskenkritiker über Beschwerden berichten, ist man ein Weichei. Ich nehme es als Einzelfälle wahr und vermisse eine allgemeine Übersicht. In meinen Augen wäre es zB auch sinnvoll, wenn man Leute in Quarantäne zu Beginn jeweils auf Antikörper untersuchen würde, um die Gefahren von 2. Ansteckungen zu quantifizieren.
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  • Kommentar von Nico Stäger  (Nico Stäger)
    Ich sage nicht, dass das oben geschriebene nicht stimmt, aber wird von Forschung und SRF auch hingeschaut:
    a) welche Medikamente hat der Langzeitpatient eingenommen und in welcher Kombination mit anderen Medikamenten?
    b) wie sind die Langzeitfolgen bei schweren Verläufen der Grippe? Da kenne ich viele Menschen, die auch weit über ein halbes Jahr später noch nicht bei alten Kräften waren.
    Es würde mich freuen, wenn SRF auch darüber berichtet oder wenn jemand Studien hierzu nennen würde.
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  • Kommentar von Hans Bernoulli  (H.Bernoulli)
    Die Ceschichte wird doch nur genutzt, um Angst zu schüren. Wen interessiert die Langzeitschäden all der Gifte und des Elektrosmogs? Geht es bei dieser Pandemie wirklich um die Sorge der Gesundheit der Menschen? Warum wird dann nichts zur Forschung z.B. über Vitamin D berichtet?
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