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Swisstransplant mit Appell wegen Transplantationen
Aus HeuteMorgen vom 02.05.2021.
abspielen. Laufzeit 01:59 Minuten.
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Mangel an Spendeorganen Swisstransplant warnt vor Einbruch der Transplantationen

  • Knapp 1500 Personen warten derzeit in der Schweiz auf eine Organspende.
  • Swisstransplant, die Stiftung für Organspende und Transplantation, warnt vor einer Trendwende: Nach einem langjährigen Anstieg könnte die Anzahl Transplantationen bis Ende Jahr regelrecht einbrechen.
  • Den Mangel will die Organspende-Initiative bekämpfen – sie wird diese Woche vom Nationalrat debattiert

Bereits im letzten Jahr wurden in der Schweiz pandemiebedingt weniger Organe transplantiert. So warteten Ende 2020 1457 Personen auf eine Organspende. Seit da sei diese Warteliste weitergewachsen. Die Spenderzahlen seien auch im ersten Quartal 2021 rückläufig, heisst es nun bei Swisstransplant.

Ihr Direktor Franz Immer erklärt: «Die Ablehnungsrate nimmt zu. Das heisst: Immer mehr Angehörige willigen nicht in die Organspende ein, beispielsweise weil sie den Wunsch des Verstorbenen nicht kennen.» Ohne Kehrtwende könnte die Anzahl Transplantationen damit bis Ende dieses Jahr um 20 Prozent gegenüber 2019 sinken, befürchtet Immer.

Der Trend habe bereits vor zwei Jahren – also vor der Pandemie – eingesetzt, sich im Lauf des Corona-Jahrs aber zugespitzt, sagt Immer und erklärt weiter: «Die Betten sind knapp, und das hat natürlich auch einen Einfluss darauf, wie lange man einen möglichen Spender betreuen kann und wie lange man Gespräche im Kontext der Organspende führen kann.

Die Ablehnungsrate nimmt zu. Das heisst: Immer mehr Angehörige willigen nicht in die Organspende ein, beispielsweise weil sie den Wunsch des Verstorbenen nicht kennen.
Autor: Franz ImmerDirektor Swisstransplant

Einen noch stärkeren Rückgang verhinderten letztes Jahr Importe. Vor allem in der ersten Welle der Pandemie im Frühling letztes Jahr habe Swisstransplant zahlreiche Importe aus Ländern realisiert, wo die Transplantationsaktivitäten vorübergehend praktisch vollständig eingebrochen seien – darunter etwa Frankreich.

«Dank guter Infrastruktur und Logistik in der Schweiz konnten wir zahlreiche Organe zwischen März und Mai importieren, was in der Schweiz eine mehr oder weniger stabile Situation trotz Corona ermöglicht hat.» Eingeführt wurden so Organe, für die im Ausland keine Empfängerinnen oder Empfänger gefunden werden konnten.

Die Problematik war, dass gar nicht genügend Personal für mehr Intensivbetten zur Verfügung gestanden ist während dieser Zeit. Ich hoffe, es kommen wieder andere Zeiten.
Autor: Verena HerzogSVP-Gesundheitspolitikerin

Die Warnung von Swisstransplant kommt just zum Zeitpunkt, wenn der Nationalrat in seiner Sondersession die Organspende-Initiative berät. Diese will den Mangel an Spendeorganen mit der Widerspruchslösung bekämpfen.

Das heisst: Wenn die verstorbene Person eine Organspende nicht abgelehnt hat, geht man grundsätzlich von ihrer Zustimmung aus. Swisstransplant unterstützt die Initiative und grundsätzlich auch einen Gegenvorschlag, den der Nationalrat diese Woche berät.

Nein zur Initiative sagt hingegen SVP-Gesundheitspolitikerin Verena Herzog. So sei fraglich, ob mit der Widerspruchslösung mehr Organe gespendet würden.

Der Rückgang sei durch die Pandemie verursacht, so Herzog. «Die Problematik war, dass gar nicht genügend Personal für mehr Intensivbetten zur Verfügung gestanden ist während dieser Zeit. Und ich hoffe, es kommen  wieder andere Zeiten.» Swisstransplant hingegen betont: Die Wartelisten für Spendeorgane würden schon seit zwei Jahren länger.

HeuteMorgen, 03.05.2021, 06:00 Uhr

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49 Kommentare

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  • Kommentar von Bernhard Haeuser  (Bernie H)
    Die Warteliste der Spender wuchs in den Jahren 2010 bis 2017. Seither schrumpft sie wieder etwas. Der Rückgang der Spenden hat erst 2017 begonnen. Das Problem ist also älter.

    Schlimm finde ich die grosse Anzahl wartende Patienten. Den Grund für die Initiative kann ich daher gut verstehen. Allen, denen die Initiative zu weit geht, würde ich als Alternative vorschlagen: Wer selber nicht spendet, sollte auch keine Spende erhalten. Da erscheint die Initiative doch gleich viel harmloser.
    1. Antwort von Christoph Speiser  (Risor)
      Ansichten und Bedürfnisse können mit der Zeit ändern ...
  • Kommentar von Martin Stäheli  (Marsus)
    Das persöhnlichste das ich habe sind meine Organe. Ich empfinde es als mein Privateigentum. Dass per Definition daran andere Personen ein Nutzungsrecht haben sollen empfinde ich als pervers.
  • Kommentar von Martin H. Meier  (Mahame)
    Doppelte Mogelpackung rund um die Initiative: "Organspende fördern-Leben retten"
    1. Die "vermutute Zustimmung" zur Organspende. Wer nicht NEIN sagt meint JA!
    Bei Volksabstimmung ist eher mit Ablehnung zu rechnen

    2. Umgehung der Volksabstimmung durch eine Änderung des Transplantationsgesetzes, Einführung der "Widerspruchslösung" ohne Volksabstimmung. Im Bundesparlament gute Chancen für eine Mehrheit (unheilige Allianz, rechts/links)

    Es geht hier unter anderem auch um richtig viel Geld!
    1. Antwort von Julian Harbarth  (Julian Harbarth)
      Als naiver Medizinstudent bin ich sehr interessiert an Ihrem Punkt bezüglich finanziellen Aspekten. Wer macht sich an gutmeinenden Spendern Ihrer Ansicht nach etwas zu viel Geld ? (Keine rhetorische Frage;) Geht es also um mehr als die Menschenleben der Empfänger ?
      Besten Dank für eine Aufklärung.
    2. Antwort von Christoph Speiser  (Risor)
      Es geht nur ums Geld. Wer meint es geht um etwas anderes ist naiv.
      Um die Frage zu beantworten:
      - Pharma
      - Zwischenhandel und Vertrieb
      - Spitäler
      - Chirurgen
      Das sind nur die wichtigsten. Klar müssen alle verdienen können, aber gerade in diesem Bereich sind die Margen und Verdienste in einem Bereich der schon unverschämt ist.
    3. Antwort von Martin H. Meier  (Mahame)
      @ Hr. Harbarth:
      Stichwort: Immunsuppressiva, lebenslang.