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Lady Gaga, Systemkritiker und die Frage: Was verändert die Maske?
Aus News Plus vom 01.09.2020.
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Maskenpflicht wegen Corona Soziologin: «Die Maske erfährt eine emotionale Aufladung»

Die Maske ist wegen der vielerorts geltenden Maskenpflicht innert kurzer Zeit zu einem Alltagsaccessoire geworden. Soziologin Katja Rost von der Universität Zürich sagt, die Maske sei inzwischen mehr als ein schlichtes medizinisches Produkt: Sie habe eine emotionale Aufladung erfahren.

Katja Rost

Katja Rost

Soziologin

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Katja Rost ist Professorin für Soziologie und Privatdozentin für Wirtschaftswissenschaften an der Universität Zürich. Ihre Schwerpunkte liegen im Bereich der Wirtschafts- und Organisationssoziologie, der digitalen Soziologie, sozialer Netzwerke und Diversität.

SRF News: Wie hat uns das Tragen von Masken verändert?

Katja Rost: Die Maske ist nicht mehr nur ein medizinisches Produkt, sondern sie hat eine Aufladung erfahren, indem sie als notwendiges Übel getragen werden soll, getragen werden muss. Sie ist alltagstauglich geworden. Und damit erfolgt eine emotionale und gesellschaftliche Aufladung der Maske.

Ist die Maske auch zum politisch aufgeladenen Requisit geworden?

Das wird gerne so hingestellt, weil die Maske natürlich etwas Sichtbares ist. Die politische Einstellung einer Person kann ich ja nicht sehen. Und so eine Maske ist etwas extrem Auffälliges. Wir sehen sie sofort. Hat der Mensch eine Maske an oder nicht? Genauso wie wir erkennen, ob die Person männlich ist oder weiblich. Solche Symbole erfahren immer eine Aufwertung, weil sie zu Kategorisierungsprozessen, zu Stereotypisierungsprozessen einladen.

Sind die Phasen, die die Gesellschaft mit der Maske durchlebt, mit einem Trauerprozess vergleichbar? Erst das Nicht-Wahrhaben-Wollen und die Ablehnung, dann die Wut, dann die Auseinandersetzung und Akzeptanz?

Das kann man durchaus damit vergleichen. Ich würde als Soziologin aber nicht den Trauerprozess nehmen, sondern Innovationen oder Neuerungen. Bis diese sich durchsetzen in Gesellschaften oder in Systemen, durchlaufen sie einen ähnlichen Prozess. Am Anfang ist das Ganze verunsichernd. Etwas Neues wird als unangenehm erlebt, wird abgelehnt. Und dann setzt langsam, schleichend ein Prozess ein, am Ende dessen etwas Akzeptanz erlebt.

Ist die Maske eher ein Mittel, das uns auseinandertreibt, Distanz schafft, oder ein soziales Symbol, weil man Masken trägt, um andere zu schützen?

Ich denke, dass es unter dem Strich hoffentlich nicht so viel ändert an Gesellschaften, weil das jetzt schätzungsweise noch ein Jahr andauern wird. Und so schnell verändert sich eine Gesellschaft nicht. Zumindest nicht, in den Routinen, über die wir hier sprechen. Das Maskentragen dürfte gar nicht so einen Impact haben, wie man im Moment zu glauben scheint. Ich spreche nicht über Wirtschaft. Da spüren wir ganz klar Konsequenzen. Aber die Menschheit hat sich über Jahrhunderte zu dem entwickelt, was sie ist.

Die Maske ist etwas Sichtbares. Die politische Einstellung einer Person kann ich ja nicht sehen.

Das sind ganz langwierige Prozesse. Begrüssungsrituale zum Beispiel sind historisch unterschiedlich entstanden. Wie viel Nähe und Distanz eine Kultur oder Gesellschaft braucht, ist verschieden. Und innerhalb von zwei Jahren verschwindet so etwas nicht. Kurzfristig beobachtet man schon eher, dass es uns auseinanderentwickelt und nicht, dass es uns zusammenbringt. Denn diese Solidarität mit anderen ist etwas hoch Abstraktes. So eine Solidarität hat man erlebt, als dem Gesundheitspersonal applaudiert wurde.

Das Masketragen dürfte gar nicht so einen Impact haben, wie man im Moment zu glauben scheint.

Aber danach ist doch wieder jeder für sich selbst verantwortlich und schaut auf sich. Und damit zerfällt auch so eine Zwangssolidarität über kurz oder lang. Was überwiegt, ist der Aspekt, dass sie Leute auf der Strasse nicht erkennen wegen der Maske, dass sie ihr Verhalten ändern, weil man sich keine Küsschen gibt, weil man mehr Abstand hält, weil man sich anonymer fühlt. Und das ist natürlich etwas, das für eine Gesellschaft nicht positiv ist.

Das Gespräch führte Susanne Stöckl.

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Dieses Gespräch ist Bestandteil des Podcasts News Plus – zu finden auf allen gängigen Podcastplattformen und auf srf.ch/audio.

HeuteMorgen, 02.09.2020, 06:15 Uhr;

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38 Kommentare

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  • Kommentar von wolf gir  (lefti)
    die Maske wird bald ein politisches Zeichen werden
    mündige Bürger haben den Unsinn erkannt und finden ein Maskenentwurf mit Symbolik
  • Kommentar von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
    SRF übersieht einen entscheidenden Umstand: Ich werde die Maske erst allenfalls akzeptieren können, wenn belegt ist, dass sie dieses Virus eindämmen helfen kann und nicht durch einfache, weniger lästige Vorsichtsmassnahmen ersetzbar ist. Die Metastudie in Lancet, worauf sich alle Welt, auch SRF bezieht, lässt diesen Schluss nicht zu. Die Maske, so das Hauptergebnis, reduziere Ansteckungen hauptsächlich mit Sars und Mers um ausdrücklich ungewisse 14%, in Spitälern und Haushalten. Trauerarbeit ja.
    1. Antwort von Hans Meuri  (hmeuri)
      Die einfacheren, weniger lästigen aber dennoch sehr wirkungsvollen Massnahmen hatten wir (Abstand und Hygiene). Bedanken Sie sich bei all jenen für das Maskentheater, die sich nicht mehr an diese Massnahmen gehalten haben.
    2. Antwort von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
      Wir haben doch wohl das Gefühl, wir müssten unser Privatleben ohne grosse Vorsicht weiterführen und überhaupt auf den Sicherheitsabstand verzichten können - und die Neuinfektionen runterkriegen, wenn sich der Bund nur streng genug um die öffentlichen Bereiche kümmert. Zu diesem Missverständnis passt die Maske wunderbar.
  • Kommentar von Manuel Pestalozzi  (M. Pestalozzi)
    Die Maske ist in erster Linie eine per Dekret einverlangte, extrem exponierte Geste des Gehorsams. Das Tragen einer Maske mag in bestimmten Situationen Sinn machen, den verordneten Tragzwang halte ich für einen Fehler. Er fördert die Solidarität wohl kaum. Und das Ende der Maskenpflicht ist nicht absehbar und dann, wenn es dann eintrifft, nur schwer zu begründen.