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Massentests: Wie Fischen in einem Teich
Aus SRF 4 News aktuell vom 23.02.2021.
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Massentests in Österreich Deshalb steigen die Fallzahlen in Österreich

Österreich hat Massentests eingeführt. Doch das ist nicht die alleinige Erklärung für den Anstieg der gemeldeten Ansteckungen.

Worum geht es? Vor zwei Wochen hat Österreich seine scharfen Corona-Massnahmen etwas gelockert. Die Läden sind wieder offen. Nun werden aber wieder mehr Corona-Neuansteckungen gemeldet. Expertinnen und Experten sind besorgt. Der österreichische Gesundheitsminister sieht den Grund für den Anstieg jedoch nicht in der Öffnung, sondern in der Test-Strategie: Mit Massentests wird derzeit versucht, möglichst viele Infizierte zu entdecken.

Was sind die Gründe? Die Massentests könnten schon einen Teil des Anstiegs der Fallzahlen ausmachen, sagt SRF-Wissenschaftsredaktorin Katrin Zöfel. «Aber es ist unwahrscheinlich, dass das die einzige Erklärung ist.» Denn die Zahlen seien nicht zu Beginn der Tests sprunghaft auf ein höheres Niveau angestiegen, sondern stiegen langsam und stetig. «Ausserdem ist die Positivitätsrate in Österreich schon länger sehr niedrig. Das spricht dafür, dass es nicht viele übersehene Fälle gab, die jetzt plötzlich durch Massentests aufgedeckt würden.» Zöfel sieht drei andere mögliche Gründe für den Anstieg:

  • dass sich die ansteckendere britische Variante des Coronavirus jetzt schon bemerkbar macht,
  • dass die jüngsten Öffnungsschritte in Österreich zu mehr Ansteckungen geführt haben,
  • oder dass viele Menschen einfach so coronamüde sind, dass sie sich nicht mehr richtig an die Massnahmen halten.

Was bringen Massentests? Massentests wie in Österreich sind als Begleitmassnahme bei einer vorsichtigen Öffnung grundsätzlich sinnvoll – wenn sie gut gemacht werden – «wie zum Beispiel in Graubünden», sagt die Wissenschaftsredaktorin. «Es ist ein bisschen wie in einem Fischteich. Man fischt immer wieder infizierte Personen aus der Bevölkerung heraus und verhindert so frühzeitig, dass diese andere anstecken.» Das könnten Fälle sein, die man zwei Tage später vielleicht auch entdeckt hätte, aber dann könnte eine Person schon andere infiziert haben, so Zöfel. «Oder man entdeckt Infizierte ohne Symptome, die von sich aus nicht zum Test gegangen wären, die aber andere hätten infizieren können.»

Wie viel Einfluss haben Mutationen? Inwiefern auch die Virus-Varianten für die höheren Fallzahlen verantwortlich sein könnten, zeigt ein Beispiel aus Dänemark. «Dort wird nämlich sehr genau verfolgt, ob und wie viel stärker sich die britische Variante ausbreitet und wie viel ansteckender sie ist», erklärt Zöfel. «Der aktuellste R-Wert dort ist 1.2 für die britische Variante.»

Was ist die Reproduktionszahl?

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Die Reproduktionszahl (R-Wert) ist eine wichtige Kennzahl bei der Erkennung der Ausbreitung der Pandemie. Diese zeigt, ob die Neuinfektionen zurückgehen (Wert unter 1.0) oder steigen (Wert über 1.0). Der Bundesrat zieht sie heran, um Massnahmen zu verschärfen oder zu lockern.

Der R-Wert gibt an, wie viele Personen eine infizierte Person im Durchschnitt ansteckt. Wenn er bei 1 liegt, steckt jeder Infizierte im Schnitt einen anderen Menschen an. Somit bleibt die Zahl der Infizierten konstant. Bei einem Wert unter 1 wird die Ausbreitung eingedämmt.

Der R-Wert ist eine Schätzung, die auf Fallzahlen beruht. Er wird jeweils von der ETH, Link öffnet in einem neuen Fenster berechnet. Die Kennzahl bildet das schweizweite Infektionsgeschehen mit einer Verspätung von 10 bis 13 Tagen und das kantonale mit 14 Tagen Verspätung ab. Diese Verzögerung entsteht durch die Zeitspanne zwischen Ansteckung und positivem Testergebnis.

Das heisst, zehn Personen, die mit der britischen Variante infiziert sind, stecken momentan in Dänemark zwölf weitere an. «Das geht schon in Richtung exponentielles Wachstum – und dies trotz Schutzmassnahmen, die dort in etwa so streng sind wie aktuell in der Schweiz», erklärt sie. Ob und wie schnell sich das in den Fallzahlen niederschlägt, ist noch unklar. «Die Zahlen steigen zwar in Dänemark leicht an, aber erst seit wenigen Tagen. Es ist noch nicht möglich, zu sagen, ob es an der britischen Variante liegt.»

Massentests können ähnlich wirken wie passive Massnahmen: Läden, die geschlossen bleiben, Kontakte, die reduziert werden.
Autor: Katrin ZöfelSRF-Wissenschaftsredaktorin

Soll die Schweiz nachziehen? In der Schweiz werden die Geschäfte in einer Woche wieder öffnen. Trotz der momentan steigenden Fallzahlen könnte Österreich mit seinen Massentests als Vorbild für die Schweiz dienen, glaubt Zöfel. «Massentests können ähnlich wirken wie passive Massnahmen: Läden, die geschlossen bleiben, Kontakte, die reduziert werden.» Damit das funktioniere, sei es wichtig, dass man leicht an Tests komme – am Arbeitsplatz, in der Schule, oder in dem man Anreize schaffe: «In Österreich kann man nur zum Coiffeur, wenn man ein negatives Testresultat vorweist. Das motiviert, sich testen zu lassen.»

SRF 4 News, 23.02.2021, 10:15 Uhr;

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84 Kommentare

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  • Kommentar von Dominic Müller  (Domi3)
    Mit Massentests sinkt die Dunkelziffer - für mich völlig logisch, dass hiermit eine Pandemie wesentlich besser kontrolliert werden kann.
  • Kommentar von Monika Mitulla  (momi)
    Wenn bei Massentests nur die positiven Testergebnisse in die Ergebnisse einfliessen, dann steigt die Positivitätsrate selbstverständlich an. Wenn beispielsweise in einer Schulklasse 25 negative Ergebnisse vorliegen - werden diese dann auch mit eingerechnet - oder verschwinden die einfach? Ich finde, die Zahlen sollten klar und transparent überprüfbar sein - nicht nur in Österreich, sondern auch bei uns.
  • Kommentar von Anja Kunz  (Anjak)
    Corona findet für mich persönlich hauptsächlich in den Medien statt. Ich kenne niemanden, oder weiss es allenfalls nicht, der einen heftigen Verlauf hatte. Auch meine älteren Familienmitglieder kennen nur leichte Fälle in ihrem Umfeld.
    Und auf 10 Todesfälle im Altersheim kommen 40 Personen die positiv getestet wurden und nicht verstorben sind. Nur davon erzählt keiner.
    Und nun warten wir irgendwie ob die Mutationen die Situation in den Spitälern wieder verschlechtern. Surreal, schwer fassbar!
    1. Antwort von Dorothea Lincke  (Lincke)
      Ich kenne auch niemanden, die an Brustkrebs gestorben ist. Vielleicht gibt's Brustkrebs ja gar nicht. Ich kenne tatsächlich nichtmal jemand, der oder die beim Autounfall ums Leben gekommen wäre.

      Es ist zwar absolut menschlich so zu denken, aber auch absolut irreführend.