Zum Inhalt springen

Header

Audio
Verschwendet: Viele Tabletten landen im Müll
Aus Espresso vom 21.12.2020.
abspielen. Laufzeit 06:46 Minuten.
Inhalt

Medikamente im Abfall Medikamenten-Verschwendung: Wer ist schuld?

1400 Tonnen Medikamente enden jährlich im Abfall. Sind zu grosse Packungen schuld oder undisziplinierte Patienten?

Ein Hörer des SRF-Konsumentenmagazins «Espresso» ärgert sich: Für die Vorbereitung einer Darmspiegelung hat ihm der Arzt unter anderem zwei Dragées eines Abführmittels verschrieben. Schon auf dem Rezept bedauert der Arzt, dass es von diesen Dragées nur 30er-Packungen gebe. «Was für eine Verschwendung, habe ich mir gedacht. Das ist für mich Medi-Waste, analog zu Food-Waste.»

Und er fragt sich, weshalb die Pharmaindustrie generell nicht kleinere Packungen macht. Der «Blick» hatte 2018 anhand der Statistik über die Sondermüllabfälle des Bundes und mit einer Schätzung der Privatabfälle errechnet, dass etwa 1400 Tonnen Medikamente jedes Jahr im Abfall landen. Gesamtwert: Rund eine Milliarde Franken.

Was können wir gegen Medi-Waste tun?

Textbox aufklappenTextbox zuklappen
  • Ordnung im Spiegelschränkchen halten und eine Übersicht erstellen über die vorhandenen Medikamente.
  • Bei allen angebrauchten Packungen draufschreiben, gegen welche Krankheiten und Beschwerden sie wirken. Achtung: Es braucht bei Medikamenten generell eine Verordnung des Arztes.
  • Bei Beschwerden unterwegs kurz überlegen, ob ein Gang in die Apotheke nun wirklich nötig ist oder ob beispielsweise daheim im Schränkchen noch angefangene Nasentropfen sind.
  • Sich an die vorgeschriebene Therapie und Menge halten.

Zu grosse Verpackungen versus mangelnde Therapietreue

So wie der «Espresso»-Hörer haben auch schon Patientenorganisationen moniert, dass die Medikamenten-Packungen häufig zu gross seien. In einem Bericht des «Beobachters» hiess es, dass Medikamente deshalb zu oft in der Entsorgung landen, weil Patienten ein Medikament nicht vertragen oder nicht die ganze Packung benötigten.

Medikamenten-Hersteller und auch der Apothekerverband Pharmasuisse halten dagegen. Die Apotheker schreiben «Espresso»: «Die Hauptursache bei den verschreibungspflichtigen Medikamenten ist die mangelnde Therapietreue. Diese führt neben den Abfällen oft zu hohen Folgekosten.» Heisst, Patientinnen und Patienten führen Therapien nicht durch oder brechen sie selbständig und zu früh ab.

Offenbar zeigen Zahlen aus der Branche, dass ein sogenannt «therapietreuer» Patient vier Mal weniger Kosten verursache als ein «therapieuntreuer».

Feldversuch mit Antibiotika-Einzeldosen

Versuche in Frankreichs Apotheken mit Einzelportionen bei Antibiotika zeigten, dass Patienten eine Therapie viel eher zu Ende führen, wenn sie die korrekt abgezählte Anzahl Tabletten bekommen. Auch die Schweiz startete daraufhin einen entsprechenden Versuch, Link öffnet in einem neuen Fenster. Beim Bundesamt für Gesundheit heisst es auf Anfrage von «Espresso», dass man zurzeit daran sei, die Daten auszuwerten.

Medikamente sollte man übrigens nie in den Müll werfen und schon gar nicht die Toilette hinunterspülen. Es handelt sich um Sonderabfall, den man bei Apotheken, Drogerien, Ärzten oder Sonderabfallstellen abgeben kann.

Espresso, 21.12.2020, 8.13 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

42 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Katica Öri  (Katiöri)
    Schuld sind die an der Medikamente verdienen, oft werden Medikamente verschrieben die der Patient nicht haben möchte den schnelle Patienten Abfertigung mehr bringt. Ausserdem wird nicht genug erklärt was die Medikamente bewirken können. Die Patienten werden oft selbst überlassen. Unsere System baut nicht auf Prävention. Pharma Industrie möchte daran ganz sicher nichts ändern.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
    Wer ist schuld? Wie so oft alle. Pharmakonzerne, die die Grösse der Packungen herstellen. Ärzteschaft, die verschreibt. Apotheken, die mit Medikamentenchecks Geld verdienen. PatientenInnen, die nicht nach Vorschrift einnehmen/nicht vertragen. Medikamente sollten flexibel und angepasst abgegeben werden. Beim Zahnarzt wird es getan. In den Apotheken sollte das auch möglich sein. Medikamente bei chronisch Kranken zuerst in kleiner Anzahl auf Einnahmeverträglichkeit prüfen, auch bei Dosiserhöhung.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Felix Raschle  (Der Unglückliche)
    Kennt niemand mehr die alten farbigen Pillendöschen. Da haben die Ärzte den Patienten genau die Menge aus einer grossen Flasche in diese Döschen abgefüllt. Diese Arbeiten mit dem genauen Portionieren wurde hauptsächlich abgeschafft, da sie manpowermässig viel zu teurer waren und die Ärzte oder Praxisassistentin, erhielten diese Arbeit von den Krankenkassen nicht vergütet! So hat jedes Ding seine zwei Seiten!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen