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Gendermedizin: «Womens Brain Project» will eigenes Institut
Aus Tagesschau vom 20.09.2020.
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Medikamentenforschung in Basel Bekommt die Schweiz ein Institut für Gender-Medizin?

Frauen und Männer ticken anders – auch medizinisch. Diese oft unerforschten Unterschiede will eine internationale Organisation in den Fokus rücken und plant deshalb ein neues Institut in der Pharmastadt Basel.

Mit der Gleichberechtigung hapert es bekanntlich an vielen Orten. Dass es auch in der medizinischen Forschung Probleme in dieser Hinsicht gibt, ist weniger bekannt. So reagieren Frauen oft anders auf Krankheiten als Männer. Doch das ist bislang kaum erforscht.

Das will die internationale Organisation Women's Brain Project (WBP) mit Sitz in der Schweiz ändern. Ihre Mitglieder versuchen die Ergebnisse zur Gender-Forschung im Bereich Nervenkrankheiten zu bündeln und neue Projekte auf diesem Gebiet voranzutreiben.

Das Problem fängt schon bei den ersten Versuchen an, wo oft nur männliche Mäuse benutzt werden
Autor: Antonella SantuccioneGeschäftsführerin Women's Brain Project

Bisher Männer bei Forschung im Zentrum

«Eine Studie hat gezeigt, dass von zehn Medikamenten, die vom Markt genommen werden mussten, ganze acht zu sehr grossen Nebenwirkungen bei Frauen geführt hatten», sagt Antonella Santuccione, WBP-Mitgründerin und – im Nebenamt – Geschäftsführerin der Organisation.

«Das Problem fängt schon bei den ersten Versuchen an, wo oft nur männliche Mäuse benutzt werden», so Santuccione, «und es geht weiter in der klinischen Forschung, wo sehr viel mehr Männer rekrutiert werden als Frauen.» Sprich: Viele Medikamente werden viel stärker an Männern erforscht.

Anteil Betroffener nach Geschlecht
Legende: Die beiden Geschlechter sind unterschiedlich stark von Krankheiten betroffen. SRF

Die Medizinerin Antonella Santuccione beschäftigt sich seit Jahren mit Alzheimer – früher bei Roche, nun bei der Firma Biogen. Gerade von Alzheimer seien doppelt so viele Frauen wie Männer betroffen, sagt Santuccione. Andererseits seien etwa bei Parkinson doppelt so viele Männer wie Frauen betroffen. Weshalb das so sei, wisse man aber praktisch nicht.

Mit einem jährlichen Forum bringt das WBP solche Themen aufs Tapet. Dieses Jahr hätte es in Basel stattfinden sollen, wegen Corona ging es virtuell über die Bühne. Experten aus aller Welt diskutierten Forschungsergebnisse und Lösungsansätze.

Screenshot
Legende: SRF

Um dem Thema noch mehr Aufmerksamkeit zu verleihen, will die Organisation nun ein Institut aufbauen, das sich der Gender-Medizin widmet. Starten soll es nächstes Jahr. Und zwar in der Pharmastadt Basel, wo das Umfeld günstig sei, sagt Antonella Santuccione. Gespräche mit Investoren und Spendern würden derzeit geführt. Der Basler Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger unterstützt das Unterfangen; er hat das diesjährige Forum eröffnet.

Unterstützung durch Universität Basel

Zwar gebe es weltweit einzelne Initiativen, sagt Santuccione. «Wir möchten aber ein richtiges Institut etablieren, wo wir die Unterschiede zwischen Männern und Frauen studieren. Damit man in Zukunft bessere Medikamente und Technologien entwickeln kann.» So soll das Institut einen festen Sitz in Basel mit mehreren Angestellten erhalten.

Wir möchten ein richtiges Institut etablieren, wo wir die Unterschiede zwischen Männern und Frauen studieren. Damit man in Zukunft bessere Medikamente und Technologien entwickeln kann.
Autor: Antonella SantuccioneGeschäftsführerin Women's Brain Project

Dabei soll auch mit der Universität Basel zusammengearbeitet werden, die ein grosses Interesse an einem solchen Institut hat, wie Torsten Schwede, Vizerektor Forschung, erklärt. Er blickt aber bereits in die Zukunft: «Die Unterschiede zwischen Mann und Frau sind nur ein erster Schritt hin zur Präzisionsmedizin oder Personalized Health». Denn es gebe noch andere Merkmale als das Geschlecht, die in der Medizin berücksichtigt werden müssten.

Lehrpläne werden angepasst

Der Durchschnittsmensch – früher oft ein weisser Mann mit 80 Kilogramm – habe jedenfalls ausgedient, sagt auch Santuccione. Und der Trend hat auch Medizin-Fakultäten der Schweizer Unis erfasst: Die Lehrpläne werden derzeit so angepasst, dass der Unterschied zwischen Mann und Frau kein Randthema mehr ist.

Tagesschau, 20.09.2020, 19.30 Uhr

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Volkart  (Lex18)
    Dieses Institut ist eine sehr gute Idee, denn nach wie vor weiss man noch zu wenig über die Unterschiede von Mann und Frau. So wurde es mir zumindest erklärt. Auch nimmt man bei der Produktion von Medikamenten nicht genügen Rücksicht auf die Unterschiede der Geschlechter.
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  • Kommentar von Paul Schoenenberger  (Beaumont)
    Sso weit wird es wohl noch kommen. Mein Hausarzt weiss dass Männlein und Weiblein nicht identisch sind. Das hat er nämlich im Studium gelernt.
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  • Kommentar von Franz NANNI  (Aetti)
    Also ganz klar, Mann und Frau..Frau und Mann, sind anders.. unterscheiden sich.. also was soll denn das dauernde Geschrei fuer Gleichbrechtigung.. Es ist wie beim Schreiner, fuer jeden Nagel den entsprechenden Hammer... ja, Vergleich hinkt... aber man versteht!
    Ach Gleichberechtigung: Klar ist, fuer gleiche Leistung gleiche Verguetung.. Da spielt mE das Geschlecht keine Rolle!!!!
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    1. Antwort von Alex Volkart  (Lex18)
      Das Geschrei für Gleichberechtigung ist so lange angebracht bis wirklich Gleichberechtigung herrscht. Dies ist nach wie vor, unbestritten, nicht der Fall. Frauen leisten beachtliche Leistungen, teilweise sogar bessere als Männer. Aber nach wie vor stimmt der Lohn dafür nicht, ein klares und krasses Versäumnis unserer Herren und Frauen Politiker.
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