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Mehr Verspätungen und Pannen Spart die SBB am falschen Ort?

«Railfit» macht offenbar nicht zwingend fitter: Die Bahngewerkschaft zieht die Linie zwischen Pannen und Personalmangel.

Legende: Audio Kritik am Sparprogramm der SBB abspielen. Laufzeit 06:38 Minuten.
06:38 min, aus SRF 4 News aktuell vom 15.10.2018.

Stellwerkstörungen, Entgleisungen, Umleitungen. Während der vergangenen Tage kämpfte die SBB vor allem auf der Paradestrecke Bern-Zürich mit grossen Problemen. Eine von der «NZZ am Sonntag» veröffentlichte Statistik weist auf eine Zunahme der Verspätungen im letzten Quartal hin.

Sparen und immer besser werden – geht das?

Für Manuel Avallone ist klar, dass die Gründe für die regelmässigen Verspätungen und Zugausfälle auch mit den Sparmassnahmen und Reorganisationen zusammenhängen. Der Vizepräsident der Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV) kritisiert dabei das grosse Sparprogramm Railfit, das ungeachtet des zunehmenden Verkehrs Personal abbaue. Aber auch die immer stärker vernetzten und damit anfälligeren digitalen Systeme führten dazu, dass Pannen immer grössere Auswirkungen hätten.

SEV-Vizepräsident Manuel Avallone.
Legende: SEV-Vize Manuel Avallone: «Es braucht genügend Personal vor Ort und an den digitalen Systemen.» Keystone/Archiv

SBB: Gebot der Wirtschaftlichkeit

In einer Stellungnahme schreibt die SBB-Medienstelle, dass entgegen der Ansicht des SEV seit Jahren mehr Geld für den Unterhalt ausgegeben werde, nicht weniger. Auch gehöre es zur sorgfältigen Geschäftsführung der SBB, wirtschaftlich zu arbeiten.

Personal im Kreuzfeuer

Der Spardruck und der Personalmangel wirke sich nicht zuletzt auf die Mitarbeitenden aus, sagt Avallone. Das Bahnpersonal bekomme den Unmut von Passagieren vermehrt zu spüren, obwohl sie alles Menschenmögliche täten, die Pünktlichkeit zu garantieren.

SEV appelliert an Bahnkonzern

Avallone betont, dass der SEV weiter für sozialverträgliche Lösungen bei Reorganisationen kämpfen werde. Zwar könne in der Regel einem Angestellten nicht gekündigt werden, der länger als vier Jahre bei der SBB sei. Ungeachtet dessen fehlten aber Leute vor Ort, was zu Überlastungen und auch zu Pannen führen könne: «Wenn der Fokus nur noch Sparen heisst und alles billiger werden soll, riskiert man, dass das System Schaden nimmt.»

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23 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Romano (roro)
    Im Gegensatz zur weitsichtigeren Unternehmensführung des ehem. CEO B.Weibel hat A.Meyer ab 2006 einen Sparkurs angeordnet, welcher durch die Ausreizung des Roll- und Schienenmaterials ("man ersetzt erst wenn es defekt ist") sowie des Personals kurzfristig "tolle" Geschäftsergebnisse generierte. Aber die Strategie des von der DB(!) kommende Herr Meyer führt dazu, dass die Bahnanlagen nicht rechtzeitig und geplant zu sanieren werden, was zu den häufigen ungeplanten Pannen führt.
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  • Kommentar von Fritz Niederhauser (Fritzio)
    Die SBB und viele andere Betriebe auch in der Privatwirtschaft haben das gleiche Problem: ganz einfach gesagt "Zu viele Häuptlinge und zu wenig Indianer"
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    1. Antwort von Edi Steinlin (Chäsli)
      Richtig, beim Kader wird nicht gespart, weder bei den Löhnen noch bei der Grösse.
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  • Kommentar von Simon Weber (Weberson)
    Als Kind hat man mir beigebracht, dass ich nicht den "Füfer und das Weggli" haben kann. Und so ist es doch. Immer zerstörerisches, blasenbildendes Wirtschaftswachstum mit unmenschlichen Bedingungen, nur damit riesige Dividenden und Bonis ausbezahlt werden können. Mitarbeiter abbauen, aber Qualität versuchen zu steigern. Leute unter Stress leiden an Burnouts und Schlimmerem - belastet Krankenkassen und Familien. Wir sollten wissen was wir wollen und Rücksicht auf Natur, Mensch und Mitwelt nehmen.
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