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Das Problem der «Loverboys» - wird das Thema hochgekocht?
Aus Echo der Zeit vom 13.05.2020.
abspielen. Laufzeit 05:44 Minuten.
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Menschenhandel in der Schweiz «Wir haben keine Fälle von Loverboys gefunden»

Loverboys verführen angeblich Schweizer Mädchen und zwingen sie in die Sexarbeit, so die Annahme. Doch die Datenlage dazu ist sehr dünn. Über die Hintergründe weiss Simona Materni mehr.

Simona Materni

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Simona Materni ist stellvertretende Geschäftsleiterin der Schweizerischen Kriminalprävention, Link öffnet in einem neuen Fenster.

SRF News: Sagt Ihnen das Phänomen «Loverboy» etwas?

Simona Materni: Ja natürlich, die Loverboy-Masche zur Anwerbung von Frauen oder Mädchen für die Sexarbeit, das kennen wir. Wir haben dazu eine Umfrage bei den kantonalen Polizeikorps gemacht, aber keine Fälle für die Schweiz gefunden. Es sind uns also keine Fälle bekannt, bei denen gezielt Frauen oder Mädchen in der Schweiz angegangen worden wären. Die Wahrscheinlichkeit wäre hierzulande wohl sehr gross, dass ein Versuch, sich mit der Loverboy-Masche Opfer zu suchen, auffliegen würde.

Schweizerische Kriminalprävention

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Schweizerische Kriminalprävention

Die Schweizerische Kriminalprävention, Link öffnet in einem neuen Fenster (SKP) ist eine interkantonale Fachstelle zur Prävention von Kriminalität. Sie untersteht der Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektorinnen und -direktoren (KKJPD). Sie fördert den Austausch zwischen den verschiedenen Polizeikorps bei der Kriminalprävention und erarbeitet auch selbst Präventionsmaterial.

Macht angesichts dieser Ausgangslage die aktuelle Aufmerksamkeit aus einer Präventionsperspektive Sinn?

Nein, bei solchen Einzelfällen ist es sehr wichtig, dass das Ereignis aufgearbeitet wird. Mann muss fragen, wer was zu welchem Zeitpunkt hätte erkennen müssen. Aber anhand von Einzelfällen können wir keine fundierten Präventionsbotschaften oder -tipps ableiten. Und wenn, dann würden die Präventionshinweise sehr vage und sehr schwammig, was nichts bringen oder sogar Ängste auslösen würde.

Schulen und Eltern leisten viel gute Präventionsarbeit.

Aber auch Einzelfälle müssten geschützt werden?

Damit Jugendliche in der Schweiz gar nicht erst in solche emotionalen Abhängigkeiten geraten, die in einem Loverboy-Fall enden könnten, ist es wichtig, dass wir die Jugendlichen darin unterweisen, sich selbst und ihre körperliche Integrität zu schützen. In diesem Bereich leisten beispielsweise Schulen und Eltern schon sehr viel gute Präventionsarbeit.

Was ist sonst noch wichtig bei Präventionsarbeit zu Menschenhandel?

Aus Präventionsperspektive gibt es zwei Schwierigkeiten. Die eine ist, dass Menschenhandel vor allem im Verborgenen stattfindet: Die Opfer sind sehr isoliert, sie kennen sich in der Schweiz nicht aus. Die zweite Schwierigkeit ist, dass viele Menschen in der Schweiz falsche Vorstellungen von Menschenhandel haben. Sie glauben, dass die Opfer eingesperrt sind, angekettet, oder dass sie flüchten würden, sobald sich die Gelegenheit gibt. Doch das ist nicht der Fall.

Die Opfer geraten bereits in ihren Heimatländern in die Fänge von Menschenhändlern.

Was für Schlüsse ziehen Sie daraus für Ihre Präventionsarbeit?

Die Opfer von Menschenhandel stammen mehrheitlich aus dem Ausland und geraten bereits in ihren Heimatländern in die Fänge von Menschenhändlern. Deshalb ist es wichtig, dass man Prävention vor Ort macht. In der Schweiz sollten Präventionskampagnen deshalb eigentlich mehr darauf abzielen, Menschen anzusprechen, die in Kontakt mit Opfern geraten könnten.

Was ist die Gefahr, wenn dem Phänomen nicht die entsprechende Aufmerksamkeit gewidmet wird?

Kriminalprävention bekommt nur eine sehr begrenzte Aufmerksamkeit und diese sollte man bestmöglich nutzen. Das wäre auch im Sinne der wahren Opfer von Menschenhandel.

Das Gespräch führte Balz Oertli.

Echo der Zeit, 13.5.2020, 18.00 Uhr;

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Andreas Jörg  (Flumpi)
    „Sexarbeit“? Was für eine Verharmlosung! Früher nannte man das sexuelle Ausbeutung oder Prostitution.
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    1. Antwort von Andreas Jörg  (Flumpi)
      Und noch was: "Anwerbung von Frauen oder Mädchen für die Sexarbeit" ist nicht "Anwerbung" sondern Erpressung der hinterhältigsten Art!
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    2. Antwort von Florian Kleffel  (Hell Flodo)
      Die beste Strategie gegen sexuelle Ausbeutung ist legale Prostitution bei gleichzeitiger unter harten Strafen verbotener Zuhälterei. Das ist der Schluss auf der Basis von Erfahrungen und Vernunft, denn Prohibition drängt die Frauen in den Untergrund und dann sind die Frauen total schutzlos in kriminellem Milieu. Es ist noch nie und nirgends gelungen, Prostitution zu verhindern. Man mag es unmoralisch finden, aber leider löst Moral selten ein konkretes Problem.
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    3. Antwort von David Neuhaus  (Um Neutralität bemüht)
      Was halten sie vom Recht auf Selbstbestimmung d.h. selber zu entscheiden ob man sich als Fabrikarbeiterin zu einem underirdischen Lohn Ausbeuten lässt oder als "Sexarbeiterin" tätig ist und dabei viel Geld verdient? Oder trauen sie und die anderen Moralisten/innen Frauen nicht zu selbstständig entscheiden zu können was gut ist für sie? Im übrigen hat Florian Kleffel absolut Recht: Prostitution muss legalisiert und als normale Arbeit anerkannt werden, nur so sind die "SexarbeiterInnen" geschützt!
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  • Kommentar von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
    Offenbar bewirtschaftet da eine Organisation ein Problem, das gar nicht existiert, und verdient damit ihr Geld. Den Spendern wird vorgespielt, dass ein Problem besteht, das man selber kultiviert und hochhält, damit die Leute und auch der Staat bezahlt. Solchen Betrügereien ist sofort ein Riegel zu schieben! Auf gar keinen Fall darf weiterhin Steuergeld derartig verschleudert werden!
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    1. Antwort von Leela Rabbit  (hazeinpurple)
      Das stimmt nicht. Genau das ist mir mit 13 passiert. Ich habe mich jedoch bis heute nicht getraut Jemandem etwas davon zu erzählen... Aus Angst meinen Eltern das anzutun, aus Angst nachher als Opfer abgestempelt zu werden, aus Angst dass die Opfer-Täter Umkehr passiert. Also halten Sie sich dich bitte etwas zurück mit Ihren Äusserungen...
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