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Schweiz als Zentrum für MRNA-Forschung
Aus Tagesschau vom 20.05.2021.
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mRNA-Forscher «Die Schweiz hat bei der mRNA-Technologie 14 Jahre verloren»

Die Schweiz soll ein Zentrum für die mRNA-Technologie werden. Ein Immunologe wollte dies bereits vor Jahren etablieren.

Der Bundesrat will für die Impfstoff- und Medikamentenförderung 50 Millionen einsetzen. Sein Ziel: die Schweiz soll ein Zentrum für die mRNA-Technologie werden. Der Immunologe Steve Pascolo wollte diese in Zürich bereits vor 15 Jahren etablieren. Doch niemand in der Schweiz glaubte an ihn.

Steve Pascolo

Steve Pascolo

Forscher

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Steve Pascolo ist ein französischer Forscher und einer der drei Mitbegründer von Curevac, dessen Chief Scientific Officer er von 2000 (Gründungsdatum) bis 2006 war. Er hat einen bedeutenden Teil seines Berufslebens der Entwicklung der mRNA (messenger RNA)-Impfstofftechnologie gewidmet, insbesondere gegen Krebs. Heute arbeitet er als Immunologe und Forscher am Universitätsspital Zürich und leitet die mRNA-Plattform des URPP für Krebsforschung. Er ist auch der CEO der Schweizer Firma Miescher Pharma GmbH in Zürich.

SRF News: Sie forschen seit über 20 Jahren an der mRNA-Technologie und waren Mitbegründer der Firma Curevac. Warum kamen Sie ausgerechnet in die Schweiz?

Steve Pascolo: Mein Plan und Traum war es, im Jahr 2006 eine mRNA-Plattform in Zürich zu etablieren. Die Schweiz hat grossartige Universitäten und Spitäler, ein hohes Forschungsniveau. Ich brachte 2006 eine klinische Studie über mRNA-Vakzine gegen Lungenkrebs mit, aber bekam schnell keine Unterstützung mehr und verlor schliesslich 2010 meinen Job und mein Labor am USZ.

In Zukunft könnte es zur Gründung eines mRNA-Start-ups in der Schweiz führen.

Warum sind Sie damals gescheitert?

Die wissenschaftliche und medizinische Gemeinschaft dachte bis 2020 weitgehend, dass mRNA zu zerbrechlich ist, um ein Medikament zu werden. Ich schrieb viele E-Mails an die Leitung des Universitätsspitals und an viele Abteilungen. Wir hatten ein paar Treffen in den letzten 12 Jahren. Aber niemand glaubte an das Potenzial von mRNA.

Kommt die Unterstützung nun zu spät?

In Bezug auf Covid kommt sie zu spät. Impfhersteller haben bereits gute Impfstoffe gegen Covid. Generell ist es aber nie zu spät, in die Erforschung der mRNA-Technologie zu investieren. Klar ist, dass wir 14 Jahre verloren haben. In dieser Zeit haben Unternehmen weltweit die Technologie weiterentwickelt. Davon profitieren wir jetzt.

Die mRNA-Technologien können in der Medizin fast alles machen.

Braucht es die Unterstützung des Staates?

Ja, insbesondere für die Nutzung von mRNA zur Behandlung seltener Krankheiten. Denn für grosse Unternehmen lohnt es sich nicht, in diese Forschung zu investieren. Mittlerweile ist das Potenzial von mRNA riesig und jeder Aspekt (mRNA-Design, Produktion, Formulierung, Verabreichung) kann durch Forschung verbessert werden. In Zukunft könnte es zur Gründung eines mRNA-Start-ups in der Schweiz führen.

Wofür, ausser für Covid-Impfstoffe, kann die mRNA-Technologie sonst noch genutzt werden?

Die mRNA-Technologien können in der Medizin fast alles machen. Also wenn wir eine mRNA-Herstellung haben hier in der Schweiz, können wir Therapien für Augen, Hirn, Haut, Krebs entwickeln. Es gibt sehr viel, was wir machen können.

Das Gespräch führte Silvia Staub.

Tagesschau, 20.05.2021, 19:30

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24 Kommentare

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  • Kommentar von Matt Frei  (sense against mainstream)
    Das ist Sache der Privatwirtschaft. Die soll gefördert werden (z.B. durch Steuerbefreiung) neben der Grundlagenwissenschaft an den Universitäten auf diesem Gebiet.
    Allenfalls als Hochrisikoschutz eine sehr spezifische Impfsparte oder Beteiligung des Staates, wie schon bei Berna Biotech (leider damals nach SARS aus Engstirnigkeit vom Bundesrat verkauft, was sich als verheerend herausgestellte).
    1. Antwort von Peter Meier  (peme)
      Herr Frei, woher wissen sie, dass der Impfstoff der Berna Biotech ein Erfolg werden würde.... das wäre überhaupt nicht sicher, die meisten Covid Impfstoff-Projekt liegen auf Eis, einige sind noch in den Test-Phasen und nur wenige sind erfolgreich am Markt. Nochmals, Woher wissen sie, dass der Impfstoff der Berna Biotech ein Erfolg werden würde?
  • Kommentar von Werner Gürr  (FrMu)
    "Braucht es die Unterstützung des Staates?" Natürlich braucht es die Unterstützung des Staates für ALLE riskanten Forschungsvorhaben, deren kommerzieller Erfolg (noch) in den Sternen steht. Novartis machte 8 Milliarden Gewinn im letzten Jahr. Auf solche Irrsinnsgewinne gehört eine Forschungssteuer. Damit liessen sich ganze neue Institute für cutting edge Forschung gründen. Aus den 1% der schlussendl. kommerziell erfolgreichen Projekten holte der Staat Geld für noch mehr Forschung.
    1. Antwort von Matt Frei  (sense against mainstream)
      Ich bin gegen neue Steuern. Eher Steuerbefreiung als Anreiz etwas zu tun.
  • Kommentar von Mario Amacker  (AmMa)
    Mit 10-20 Millionen lassen sich 14 Jahre Rückstand nicht mehr aufholen. Aber das grundsätzliche Problem liegt in der Verfügbarkeit von Risikokapital für Start-ups: unsere Millionäre und Milliardäre investieren lieber in Firmen mit kurzfristigen Laufzeiten. Fast niemand will in Biotech investieren, wo Projekte meist 10-15 Jahre dauern. Auch bei Curevac hat es nun fast 20 Jahre gedauert, bis ein Impfstoff auf den Markt kommt...
    1. Antwort von Patrick Janssens  (patrickjanssens)
      Ein erfolgreiches Start-up wird in kürzester Zeit von den Mega-Betrieben geschluckt in der unerbittlichen Suche nach schnellem Gewinn.