Während am vergangenen Samstag rund 10'000 Menschen an der «Bern Pride» durch die Berner Innenstadt zogen und für die Rechte und Akzeptanz von lesbischen, schwulen, transgeschlechtlichen und anderen queeren Menschen demonstrierten, erschütterte zeitgleich ein Terroranschlag den CSD, den Christopher Street Day, in Berlin.
Alessandra Widmer, Co-Geschäftsleiterin der LOS Lesbenorganisation Schweiz, war selbst in Bern an der Pride unterwegs, als sie vom Anschlag in Berlin erfuhr. «Dieses Ereignis geht der Community nahe. Viele von uns haben am Wochenende Nachrichten an ihr Umfeld in Deutschland geschickt und gefragt: ‹Geht es dir gut?› ‹Bist du okay?›.
Die queere Community hier in der Schweiz nimmt grossen Anteil an dem, was aktuell beim CSD in Berlin passiert ist.»
Sicherheitslage hat sich zugespitzt
Wie steht es um die Sicherheitslage bei Schweizer Prides? Die LGBT-Dachorganisationen würden eng mit den Veranstaltern, aber auch mit Behörden und dem Bundesamt für Polizei Fedpol zusammenarbeiten, sagt Widmer.
Grundsätzlich stelle man fest, dass sich die Lage generell zugespitzt habe. «LGBTIQ-Personen erleben in der Schweiz vermehrt Gewalt», sagt Widmer. «Das merken wir auch, wenn wir auf die Prides blicken und sehen, dass auch dort die Sicherheitskonzepte detaillierter werden und dass wir uns mehr Gedanken zu diesen Themen machen müssen.»
Enger Austausch mit Polizei und Behörden
Auch die Zurich Pride – die grösste Pride der Schweiz – war in der Vergangenheit schon mit konkreten Bedrohungen konfrontiert. Dank des engen Austauschs mit Polizei und Behörden konnte die Gefahr frühzeitig erkannt und entsprechende Massnahmen getroffen werden.
«Vor zwei Jahren konnte so ein Anschlag auf die Zurich Pride zum Glück verhindert werden», sagt Julia Müller, Leiterin der Geschäftstelle Zurich Pride. «Dies dank der guten Arbeit der Stadtpolizei Zürich. Vor einigen Jahren gab es auch einen Angriff auf unseren Gottesdienst. Es kam zum Glück niemand zu Schaden, aber es hat uns schon sehr aufgerüttelt.»
Street Parade: Lage wird laufend beurteilt
Auch bei der anstehenden Street Parade, in zwölf Tagen, am 8. August, in Zürich gibt es ein umfassendes Sicherheitskonzept. Rund 800'000 Besuchende werden erwartet. Die Lage werde laufend neu beurteilt, sagt Judith Hödl, Leiterin Kommunikation der Stadtpolizei Zürich. Es sei leider nicht das erste Mal, dass unmittelbar vor der Street Parade im benachbarten Ausland ein Anschlag verübt werde.
«Selbstverständlich werden wir auch dieses Mal die Ereignisse in Berlin im Hinblick auf die Street Parade in die laufende Lagebeurteilung einbeziehen und entsprechende Massnahmen treffen», so Hödl. Man müsse jede Veranstaltung für sich selbst anschauen und entsprechende Sicherheitsvorkehrungen treffen, auch zusammen mit dem Veranstalter. Es gehe darum, die grösstmögliche Sicherheit gewährleisten zu können, erklärt Hödl weiter.
Die Sicherheitskonzepte werden also für jeden Anlass laufend überprüft und angepasst: Damit Veranstaltungen wie die Pride oder die Street Parade auch künftig das bleiben, was sie sein sollen: Friedliche Feste für alle.