Nach dem verheerenden Brand in Crans Montana nehmen erstmals die Anwälte des Bar-Betreiberpaars Moretti öffentlich Stellung. Im Interview mit dem Westschweizer Fernsehen RTS äussern sie sich zu den zentralen Punkten wie dem Brandschutz, den Notausgängen und Bauvorschriften.
RTS: Warum haben Sie sich entschieden, 18 Tage nach dem Drama in Crans-Montana bezüglich den Barbetreibern Stellung zu nehmen?
Yaël Meier: Wir haben uns zuvor nicht geäussert, weil es eine Zeit des Schweigens gibt. Aus Respekt vor den Toten, aus Respekt vor denen, die um ihr Leben kämpfen, aus Respekt vor den Angehörigen. Aber es gibt auch eine Zeit für Worte.
Nach bisherigen Erkenntnissen entzündete sich der Akustikschaumstoff an der Decke durch den Kontakt mit Sprühkerzen. Die Flasche mit den Sprühkerzen wurde von einer Mitarbeiterin gehalten, die auf den Schultern eines Kollegen sass. Wird diese Version von Ihren Kunden angefochten?
Yaël Meier: Nein, sie wird nicht angezweifelt. Jessica Moretti war eine der ersten, die die Flammen bemerkte und die Treppe hinaufstürmte, um die Feuerwehr zu alarmieren. Sie war also die erste, die die Gefahr erkannt hat.
Hat Frau Moretti innerhalb des Gebäudes Massnahmen ergriffen?
Yaël Meier: Als Jessica Moretti die Treppe hinaufging, rechnete sie natürlich nicht mit diesem völlig unerwarteten Brand. Sie ging davon aus, dass sie zurückkommen könnte. Nachdem der Rettungsdienst eingetroffen war, wurde ihr gesagt, sie solle die Sanitäter ihre Arbeit machen lassen. Sie blieb bis 3 Uhr morgens vor Ort, um die Verletzten zu versorgen.
Moretti hat nicht einen Moment daran gedacht, dass sich der Schaumstoff auf diese Weise entzünden könnte.
Anwälten zufolge wurden die sozialen Netzwerke der Bar nach dem Brand gelöscht. Warum?
Nicola Meier: Die sozialen Netzwerke wurden nie gelöscht. Der Zugang wurde gesperrt, damit die Ermittlungen in aller Ruhe unter der Aufsicht der Justiz durchgeführt werden konnten.
Wusste Moretti, dass der Akustikschaumstoff hochentzündlich war?
Patrick Michod: Nein, Moretti hat nicht einen Moment daran gedacht, dass sich der Schaumstoff auf diese Weise entzünden könnte. Der Schaumstoff war für öffentliche Einrichtungen bestimmt und er hat sich bei den Händlern dafür erkundigt.
Er hat den Test durchgeführt und dieser hat seiner Meinung nach gezeigt, dass keine Gefahr vom Schaumstoff ausgeht.
Aber wenn Moretti ihn an der Decke einer Bar anbringt, ist er haftbar.
Nicola Meier: Wenn sie Akustikschaum kaufen und dem Händler mitteilen, dass sie ihn für eine öffentliche Einrichtung verwenden, dann müssen sie dem Verkäufer vertrauen können.
Herr Moretti hat der Polizei gesagt, dass er Tests mit diesem Schaumstoff durchführte. Können Sie das bestätigen?
Patrick Michod: Ja, das hat er gesagt. Er hat den Test durchgeführt und dieser hat seiner Meinung nach gezeigt, dass keine Gefahr vom Schaumstoff ausgeht.
Wie viele Fluchtwege gab es Ihrer Meinung nach am Abend des Unglücks in der Bar?
Nicola Meier: Wir möchten auf eine Verwirrung hinweisen: Im Untergeschoss befand sich ein Notausgang. Und im Erdgeschoss befand sich neben der Eingangstür eine sogenannte Servicetüre. Es wurde behauptet, Jacques Moretti habe bestätigt, dass der Notausgang im Untergeschoss geschlossen war. Das ist absolut falsch. Herr Moretti konnte eine solche Hypothese nie bestätigen. Der Notausgang war mit einem Panikgriff ausgestattet, den man nicht schliessen kann.
Die Morettis entschieden nicht über die Grösse der Treppe oder über die Anzahl der Notausgänge.
Es gibt ein Foto, das zeigt, wie der Notausgang an dem Abend von einem Hocker blockiert wurde.
Nicola Meier: Nein, das glaube ich nicht. Zuerst muss man klären, wann dieses Foto aufgenommen wurde und ob wir über denselben Notausgang sprechen.
Sie sagen, die Morettis haben sich beim Umbau der Bar an die gesetzlichen Bestimmungen gehalten.
Nicola Meier: Die Morettis entschieden nicht über die Grösse der Treppe oder über die Anzahl der Notausgänge. Es waren Normen, die ihnen auferlegt wurden. Diese haben sie eingehalten, wie die verschiedenen Kontrollen der Gemeinde zeigten.
Jacques Moretti wurde 2016 wegen Schwarzarbeit in der Schweiz angezeigt. Wie hat er es geschafft, die anderen Lokale «Le Senso» und «Le Vieux Chalet» zu betreiben?
Patrick Michod: Das ist Teil der Ermittlungen, zu denen wir uns jetzt nicht äussern dürfen.
Das Gespräch führte RTS.