Knapp zwei Monate nach der Brandkatastrophe in der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana VS melden sich die Anwälte des Ehepaars Moretti zum zweiten Mal zu Wort – dies in der Walliser Zeitung «Le Nouvelliste». Es sei nötig, «grundlegende Wahrheiten in Erinnerung zu rufen, die offenbar völlig vergessen gingen».
Problematisch ist, dass Teile der Untersuchung in fragmentarischer und parteiischer Weise an die Öffentlichkeit gelangt sind.
Die Anwälte betonen, dass die Brandkatastrophe ein Unfall gewesen sei: «Niemand hat diese Tragödie gewollt, so schrecklich sie auch ist.» Die Frage nach der Verantwortung müsse auf jeden Fall geklärt werden. «Problematisch ist jedoch, dass Teile der Untersuchung in fragmentarischer und parteiischer Weise an die Öffentlichkeit gelangt sind.» Die Leaks hätten nur ein Ziel: Das Besitzerpaar der Bar «Le Constellation», Jacques und Jessica Moretti, als Schuldige darzustellen.
Die Anwälte geben an, selbst keine Elemente aus der Untersuchung kommuniziert zu haben. «Obwohl wir zahlreiche entlastende Beweise für die Morettis besässen.»
Konfrontation mit Angehörigen war bewusster Entscheid
Weiter kritisierten sie, dass eine Reihe von Falschinformationen kursierten – «etwa, dass Jessica Moretti mit der Kasse geflohen sei, obwohl man auf Videos sieht, wie sie versucht, Verletzten zu helfen». Diese «Lüge» sei von einigen der höchsten ausländischen Instanzen aufgegriffen worden und habe massgeblich zur «Lynchjustiz» beigetragen, die man bei der Einvernahme am 12. Februar in Sitten VS erlebt habe. An diesem Tag kam es zu einer emotionalen Begegnung der Morettis mit Angehörigen der Opfer.
Jacques und Jessica Moretti hätten sich damals bewusst entschieden, den Familien entgegenzutreten: «Wären sie durch eine Hintertür gegangen, hätte man ihnen vorgeworfen, sich ihren Verpflichtungen entziehen zu wollen. Was dann geschah, hatte niemand vorhergesehen.» Alle drei Anwälte betonen, dass sie so etwas noch nie erlebt hätten. «Emotionen dürfen nicht in Verleumdung oder Lynchjustiz umschlagen.»
Ehepaar Moretti leidet unter Ausgrenzung
Die Opferfamilien würden – und das sei legitim – klare Antworten darauf erwarten, was passiert sei. «Die Justiz wird ihren Schmerz niemals lindern können, aber sie kann ihnen zumindest die Wahrheit sagen», sagen die Anwälte.
Zur zentralen Frage des Schaumstoffes, den Jacques Moretti installiert hatte, geben die Anwälte zu bedenken: «Der Feuerwehrkommandant kommt zur Kontrolle, geht unter diesem Schaumstoff an der Decke durch und sagt nicht, dass es gefährlich ist. Mindestens zwei Sicherheitsbeauftragte tun dasselbe.» Sie verweisen auf weitere potenzielle Verantwortliche: «Die Morettis unterstehen der Kontrolle der Gemeinde. Die Gemeinde steht unter der Aufsicht des Kantons. Das ist Fakt.» Es sei bekannt geworden, dass periodische Kontrollen über viele Jahre hinweg unterblieben seien.
Am Schluss des Gesprächs mit «Le Nouvelliste» kommen die Anwälte auf den Zustand des Ehepaars Moretti zu sprechen. Besonders die Isolation sei schmerzhaft für sie: «Sie konnten diese Tragödie nicht gemeinsam erleben, weder zur Gedenkstätte gehen noch ihre Mitarbeitenden treffen oder die Familien unterstützen.» Ihr grösster Wunsch sei es, schrittweise aus dieser Ausgrenzung herauszutreten und wieder Teil der Gemeinschaft zu werden.