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Wie weiter mit dem Nadelöhr Grauholz?
Aus Schweiz aktuell vom 10.05.2022.
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Nadelöhr Grauholz Alle 30 Jahre zwei Autobahnspuren mehr?

Die Grauholz-Autobahn ging als erstes Teilstück der A1 in Betrieb. 60 Jahre später fordern Gegner einen Autobahnstopp.

1798 besiegten die Franzosen am Grauholz die Bernischen Truppen und besiegelten die Grossmachtträume des Alten Bern. Heute donnern bis zu 120'000 Lastwagen und Autos übers vormalige Schlachtfeld. Trotz des Sechs-Spur-Ausbaus in den 1990er-Jahren staut sich beim Nadelöhr im Norden von Bern heute fast täglich der Verkehr. Scheitert am Grauholz nun auch die Autobahnpolitik der Schweiz?

Der Bund will die täglichen Staustunden zwischen Bern-Wankdorf und Schönbühl aus der Welt schaffen. Er plant dafür eine zusätzliche Autobahnspur pro Richtung für 250 Millionen Franken. Der Verein Spurwechsel sieht im geplanten Acht-Spur-Ausbau einen nie endenden Teufelskreis. Denn beim Autobahnteilstück Grauholz zeige die Geschichte exemplarisch: Jede Autobahnverbreiterung führe zu zusätzlichem Verkehr.

Wer Strasse sät, erntet Verkehr

Bauer Christian Salzmann soll einen zwölf Meter breiten Feldstreifen entlang der A1 fürs Ausbauprojekt Grauholz opfern. Auch er sieht in der Autobahnverbreiterung eine «Symptom- statt Ursachenbekämpfung». Salzmann fragt rhetorisch: «Und dann geht es weitere 30 Jahre und wir sind bei zehn Spuren?»

Gegnerinnen und Gegner des Autobahnausbaus plädieren für alternative Konzepte. Sie fordern, dass der Individualverkehr auf den öffentlichen Verkehr verlagert oder Fahrgemeinschaften gefördert werden.

Auch Jürg Röthlisberger, Direktor vom Bundesamt für Strassen Astra, sieht Potenzial für eine effizientere Nutzung der bestehenden Verkehrsinfrastrukturen. Doch ohne punktuelle Ausbauten wie beim Grauholz lasse sich das Verkehrswachstum der Zukunft schlicht nicht bewältigen.

Kommts zum Zehn-Spur-Ausbau 2050?

Aber lässt sich mit einem verbesserten Verkehrsmanagement der Teufelskreis – Kapazitätserweiterung gleich Verkehrswachstum – durchbrechen? Astra-Direktor Röthlisberger lässt die Frage nach einem allfälligen Zehn-Spur-Ausbau in den 2050er-Jahren offen: «Jede Generation behandelt die Probleme, die sich ihr aktuell stellen.» Vielleicht würden künftige Generationen ja einmal Autobahnspuren zurückbauen.

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So hat sich das Autobahn-Netz entwickelt
Aus SRF News Videos vom 09.05.2022.
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Markus Heinzer vom Verein Spurwechsel will diese Wette nicht eingehen. Gegenwärtig versucht Heinzer, möglichst viele Umweltschutzorganisationen zu motivieren, das Projekt juristisch zu bekämpfen. Das Ausführungsprojekt wird das Astra diesen August auflegen.

Die Etappen des Autobahnausbaus um Bern

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1960er: Die «Grauholzstrasse» ist bei ihrer Einweihung am 10. Mai 1962 das erste Teil­stück der heutigen A1.

1970er: Anfang der 70er-Jahre fahren gerade einmal 16'200 Fahrzeuge pro Tag über die Grauholzautobahn. 1975 wird die Raststätte eröffnet. Erste Ausbaupläne werden geschmiedet.

1980er: Der Verkehr wächst. Die Ausbaupläne werden konkret.

1990er: Die Grauholzautobahn wird auf sechs Spuren ausgebaut. Mit dem Ausbau werden auch zahlreiche Lärmschutzbauten und eine Wildquerung errichtet.

2000er: Die Bevölkerung und die Wirtschaft wachsen und mit ihnen der Verkehr. Um die Engpässe beim Grauholz-Abschnitt zu beseitigen, werden zahlreiche Varianten geprüft, zum Beispiel ein Tunnel unter der Aare hindurch.

2010er: Der Verkehr soll im Abschnitt Grauholz besser fliessen. Dazu werden Verkehrsmanagement­massnahmen und eine Fahrstreifen­ergänzung geplant.

Radio SRF Musikwelle, 9.5.2022, 9:40 Uhr

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186 Kommentare

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  • Kommentar von SRF News (SRF)
    Liebe Community, vielen Dank für die spannenden Diskussionen. Wir wünschen eine gute Nacht und verbleiben mit lieben Grüssen, SRF News
  • Kommentar von Ueli von Känel  (uvk)
    Nach der ganzen Diskussion hoffe ich, dass das Bewusstsein gerade auch bei uns wächst, dass es langfristig nicht so weiter gehen kann. Es gibt verschiedene, die es auch so sehen wie ich, dass mehr Spuren nur noch mehr Verkehr anziehen. Ich hoffe, dass wir an Hand der direkten Demokratie und vor allem aus der Sorge für die Natur und die Nachkommenden (noch) klimafreundlicher und oekologischer denken und leben. Die Demokratie ist eben kein "Selbstbedienungladen", sondern gelebte Solidarität.
  • Kommentar von Reto Weber  (SPQR)
    Eines der Hauptprobleme am Grauholz stellt die starke Steigung auf kurzer Strecke dar. Vor allem der Schwerverkehr wird hier vor Probleme gestellt, was das Beschleunigen bzw Abbremsen betrifft, da sich Ein - und Ausfahrten in der Steigung befinden und dazu noch eine Kurve beschreiben. Auch der häufige und hastige Spurwechsel führt hier oft zu Spontanstaus, die auch eine weitere Spur nicht verhindern würde. Eine vollständige Neukonzeption z. B. mit Tunnel für Lastwagen könnte Abhilfe schaffen.