Es ist für sie ein Heimspiel: Stefanie Bacher hat für die National Summer Games eine kurze Anreise. Die 29-Jährige aus Rotkreuz ist als Schwimmerin bei den Wettkämpfen in Zug dabei.
Die National Games von Special Olympics sind der grösste Sportanlass für Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung in der Schweiz. Sie finden alle zwei Jahre statt – abwechselnd im Sommer und im Winter.
Stefanie Bacher ist eines der diesjährigen Aushängeschilder: Bei der Eröffnungsfeier vom Donnerstag hat sie mit der Fackel das Feuer in die Arena getragen. Und die Flame of Hope entzündet.
«Das ist für mich als Zugerin eine grosse Ehre», sagt Bacher.
Seit einer Operation rechtsseitig gelähmt
Bis am Sonntag messen sich in Zug rund 1600 Athletinnen und Athleten in 16 Sportarten. Um den Teilnehmenden aufgrund ihrer kognitiven Beeinträchtigung Wettkämpfe auf Augenhöhe zu ermöglichen, werden sie in Gruppen unterteilt. In denen treten sie dann gegen Athletinnen und Athleten mit einem vergleichbaren Leistungsniveau an.
Bei Stefanie Bacher zeigt sich die kognitive Beeinträchtigung in Form einer Lernschwäche. Andere Athletinnen und Athleten wiederum haben die Diagnose Downsyndrom oder Autismus.
Seit Stefanie Bacher 13 Jahre alt ist, hat sie nebst ihrer kognitiven Beeinträchtigung auch eine körperliche: Aufgrund ihrer Epilepsie hatte sie 2009 eine Operation. «Danach wurde festgestellt, dass ich währenddessen einen leichten Hirnschlag erlitten hatte.» Drei Monate lang sass sie im Rollstuhl. Schritt für Schritt musste sie wieder laufen lernen.
Schwimmen ist für mich ein guter Sport, da alle Muskeln gebraucht werden.
Trotz Reha und viel Disziplin ist Stefanie Bacher seit der OP rechtsseitig gelähmt. Aus der Rechtshänderin wurde gezwungenermassen eine Linkshänderin. Noch heute hat sie regelmässig Physiotherapie – damit der Bewegungsapparat intakt bleibt.
Ihre Lähmung hält sie allerdings nicht davon ab, an Schwimmwettkämpfen teilzunehmen. «Schwimmen ist für mich ein guter Sport, da alle Muskeln gebraucht werden.»
Einzigartiges Gemeinschaftsgefühl
Wöchentlich trainiert Stefanie Bacher im Schwimmverein Procap Sport Zug. Einer der Coaches ist ihr Vater. «Er ist genauso streng mit mir, wie mit allen anderen», berichtet sie im Wettkampf-Magazin. An den Summer Games ist sie in verschiedenen Kategorien am Start. Ihre Paradedisziplin ist Crawl. «Der rechte Arm macht gut mit, das Bein hingegen weniger», sagt Bacher.
An den Summer Games kann man sein, wie man ist.
Die Ambitionen der Schwimmerin sind klar: Sie möchte mit einer Medaille nach Hause reisen. Mit einer goldigen, am liebsten. Der Wettkampfgeist ist aber nur ein Teil, der sie an die Games zieht. Genauso wichtig sei das Gemeinschaftsgefühl, das den Anlass umgebe. «Hier kann man sein, wie man ist; man muss sich nicht verstellen», sagt Bacher.
Sie spricht aus Erfahrung: Als Athletin war sie schon bei den Summer Games 2022 in St. Gallen am Start. «Hier funktioniert die Inklusion», sagt Bacher. Jeder freue sich für den anderen. «Wenn ich beim Schwimmen den siebten Platz erreiche, erhalte ich trotzdem Gratulationen und Umarmungen.»
Diese Offenheit, diese Toleranz würde sie sich auch im Alltag wünschen. Im Arbeitsleben, im Sportverein. «Versucht es doch wenigstens», hält sie im Magazin fest. «Und wenn es nicht auf Anhieb klappt, hat man es wenigstens probiert.»