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Berset: «Wir tragen als Bundesrat eine grosse Verantwortung»
Aus News-Clip vom 11.12.2020.
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Neue Corona-Massnahmen Unliebsame Überraschungen sind nicht ausgeschlossen

«Wir haben immer gewusst, dass der Winter 20/21 schwierig wird», sagte Bundesrat Alain Berset vor den Medien. Trotzdem wurde die Landesregierung nicht zum ersten Mal in dieser Pandemie von der aktuellen Entwicklung überrascht. Auch nach fast einem Jahr Pandemie-Erfahrung arbeitet das Bundesamt für Gesundheit noch immer nicht mit Szenarien und Modellen, mit denen sich die Regierung auf mögliche Entwicklungen vorbereiten könnte.

Nicht mit zweiter Welle gerechnet

Nach der heftigen ersten Welle im Frühjahr folgte ein sorgenfreier Sommer, mit bald wieder steigenden Zahlen. Flach zwar, aber jede Woche ein bisschen steiler. Die zweite Welle war längst im Anrollen, als man sich in Bern noch vormachte, das Wachstum sei entgegen aller Gesetze der Mathematik nicht exponentiell, sondern linear. Szenarien für den Herbst? Fehlanzeige.

Doch die Zahlen stiegen immer schneller. Am 18. Oktober traf sich der Bundesrat zur sonntäglichen Krisensitzung. Die Schweiz beschloss, was in den Nachbarländern längst selbstverständlich war: Versammlungsverbot, Maskenpflicht, Homeoffice-Empfehlung. Ein erstes Mal hatte man in Bundesbern die Lage falsch eingeschätzt und handelte im letzten Moment.

Zu früh aufgeatmet

Die Massnahmen vom Oktober wirkten. Anfang November ging das steile Wachstum in ein ebenso steiles Absinken über. Erleichterung. Doch wieder wähnte man sich in falscher Sicherheit. Es sehe jetzt sehr gut aus für die Schweiz. Selbst die Experten waren optimistisch. Ziel sei, dass die Zahlen weiter in diesem Tempo sänken. Eine Halbierung alle zwei Wochen. Noch 1000 Ansteckungen bis Weihnachten. Ein Szenario zwar. Aber nicht das einzig mögliche, wie wir heute wissen.

Mitte November wurde die sinkende Kurve flacher, dann drehte sie. Seit Anfang Dezember nehmen die täglichen Neuansteckungen wieder zu. Die Massnahmen vor allem der Deutschschweizer Kantone waren offensichtlich ungenügend. Ein Szenario für diese Entwicklung gab es nicht.

Mit Szenarien arbeiten

Hektik und Chaos brachen aus, als der Bundesrat zur Überzeugung gelangte, dass er das Heft wieder in die Hand nehmen müsse. Der Bund stellte den Kantonen ein Ultimatum, dessen Verstreichen er nicht mehr abwarten konnte. Stattdessen kündigte er weitergehende Massnahmen an. Womit er einzelne Kantone vor den Kopf stiess. Die Vernehmlassung wurde so zur Farce.

Aktuell verdoppeln sich die Zahlen in der Schweiz alle paar Wochen. Man kann sich den weiteren Verlauf der Kurve leicht vorstellen, bis die heute ergriffenen Massnahmen greifen werden. Mittels Szenarien könnte, müsste sich der Bund auf den weiteren Pandemie-Verlauf vorbereiten. Stattdessen verlässt man sich auf das Prinzip Hoffnung. Weitere, unliebsame Überraschungen sind leider nicht ausgeschlossen.

Erwin Schmid

Erwin Schmid

Bundeshausredaktor, SRF

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Erwin Schmid ist Bundeshausredaktor von SRF. Er berichtet seit 2001 für das Unternehmen. Er war Korrespondent in Wien und in Barcelona. Zudem berichtete er als Sonderkorrespondent aus Krisen- und Konfliktregionen. Schmid studierte in Zürich und Wien Umweltnaturwissenschaften und Internationale Beziehungen.

Tagesschau, 11.12.20, 18 Uhr

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90 Kommentare

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  • Kommentar von Joseph Kaister  (Joseph Kaister)
    Ich staune immer wieder wie Kommentatoren verlangen, man soll doch von Ländern wie Taiwan, Norwegen etc. lernen. Länder von Meer umgeben können sich besser abschotten als die Schweiz mit Hunderttausenden Grenzgängern.
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    1. Antwort von Thomas Schmid  (Hand und Fuss)
      Informieren Sie sich doch mal genauer.
      Wie Sie selbst sagen: Mit Insellage geht es BESSER, aber nur weil es ein bisschen schwieriger ist, ist es hier nicht unmöglich und kein Grund, nicht minimal dafür zu sorgen, dass das Tracing funktioniert!
      Auch Quarantäne bei Einreise wäre doch zumindest vorschreibbar...
      Und wenn selbst Isolation und Quarantäne nciht kontrolliert werden, WENN das Tracing gelingt und Anrufe Wochen später kommen...
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  • Kommentar von Jean-Luc Hadey  (JLHA)
    Nun sind unzählige Existenzen bedrohen.
    BR, wenn sie en "berufverbot" einordnen müssen wir zahlen, und nicht nur kurzarbeit, auch alle Fixkosten. Für das zahle ich Steuer, für Solidarität. Ein berufverbot wegen Pandemie ist Kein Unternehmerischen Risiko.

    Und das ÖV Problem wird nebenbei total ignoriert...... Schade.
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  • Kommentar von Thomas Schmid  (Hand und Fuss)
    Szenarien und Modelle werden nicht beachtet, aber v.a. auch erfolgreiche Strategien von Ländern wie Taiwan oder Finnland und Norwegen nicht.
    Quarantäne (z.B. bei Einreise) und Isolation werden dort konsequent gehandhabt - nicht halbherzig und nach Gutdünken, wie hier und in Deutschland. Bisschen Husten? Ok, kein Fieber? Dann komm doch zur Schule / Arbeit. 1 Tag neben Infiziertem verbracht, aber mit Maske? Dann braucht's keine Quarantäne. So ist nichts unter Kontrolle.
    Zahlen runter PLUS Tracen
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