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Corona-Infektionszahlen steigen wieder
Aus Echo der Zeit vom 06.07.2021.
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Neue Phase der Pandemie Warum das BAG trotz steigender Fallzahlen ruhig bleibt

Die Fallzahlen in der Schweiz scheinen die Talsohle erreicht zu haben, nachdem sie mehr als zwei Monate laufend gesunken sind. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) reagiert darauf nicht beunruhigt – obwohl die ansteckendere Delta-Variante bald auch in der Schweiz dominieren dürfte. SRF-Wissenschaftsredaktor Daniel Theis erklärt, warum die Pandemie nun in eine neue Phase tritt – und die Zahl der Neuansteckungen nur noch bedingt aussagekräftig ist.

Daniel Theis

Daniel Theis

SRF-Wissenschaftsredaktor

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Daniel Theis ist promovierter Atmosphärenchemiker und Mikrobiologe. Seine Spezialgebiete sind Energiethemen, Mobilität und technische Entwicklungen. Er arbeitet seit 2013 in der SRF-Wissenschaftsredaktion.

SRF News: Ist die Haltung des BAG nicht fast etwas fahrlässig, wenn man die stark steigenden Zahlen in anderen europäischen Ländern anschaut?

Daniel Theis: Schon länger hat man davon geredet und jetzt scheint sie da zu sein: Die neue Phase, wo die Fallzahlen nicht mehr wie bisher abbilden, wie viele Menschen schwer an Covid-19 erkranken. Bis jetzt war klar: Steigen die Fallzahlen stark an, ziehen mit etwas Verzögerung auch die Spitaleinweisungen an. Doch dieses Verhältnis ändert sich jetzt langsam und wird sich weiter ändern.

Studien zeigen, dass dies direkt mit dem Immunschutz zusammenhängt, den die eher gefährdete Bevölkerung immer mehr hat. Sei es durch Genesung oder – zum grösseren Teil – durch Impfung. Es kann also sein, dass die Fallzahlen jetzt deutlich steigen, ohne dass die Spitäler in Schwierigkeiten geraten.

Womit ist in den nächsten Monaten zu rechnen?

In Grossbritannien steigen die Zahlen seit etwa zwei Monaten an, und zwar mit dieser typisch exponentiellen Kurve, die jetzt steil nach oben zeigt. Grossbritannien hat im Moment etwa 20 Mal so viele Fälle wie die Schweiz, proportional auf die Bevölkerung gerechnet. Die Spitäler haben das aber nicht drastisch zu spüren bekommen.

Das liegt daran, dass aktuell 86 Prozent der Erwachsenen mindestens eine erste Impfdosis erhalten haben. Und vor allem, dass die über 70-Jährigen schon weitgehend geimpft sind, in England etwa rund 95 Prozent. England will darum auch in Kürze alle Massnahmen aufheben. Das bleibt natürlich nicht ohne Kritik, es gibt Stimmen, die vor neuen Virusvarianten und unnötigen Erkrankungen warnen.

In der Schweiz sieht es aber etwas anders aus: Bei uns sind viele Menschen noch ohne Immunschutz, auch bei den über 70-Jährigen sind es laut Schätzungen des BAG noch etwa 200'000 Menschen. Das könnte hierzulande im Herbst bedeuten, dass die Spitäler wieder deutlich mehr Corona-Patientinnen und -Patienten aufnehmen müssen.

Also impfen, impfen, impfen, wie dies der Bund gerade propagiert?

Das ist neben dem gesellschaftlichen Aspekt letztlich eine persönliche Risikoabwägung. Wie krank könnte ich werden? Wie stark werden mich Impfnebenwirkungen betreffen? Beides weiss man nicht im Voraus. Was man aber weiss, ist, dass dieses Risikoprofil für ältere Menschen einen sehr klaren Vorteil für die Impfung zeigt. Bei jüngeren Personen und besonders Jugendlichen oder Kindern ist es nicht mehr so eindeutig.  Das Risiko, schwer zu erkranken, ist für sie relativ klein – und die Impfnebenwirkungen können mehrere Tage im Bett bedeuten. 

Dennoch gibt es hier auch die Möglichkeit zu bedenken, dass man auch als junger Mensch an Covid-19 leiden kann – auch länger, etwa mit Konzentrations- und Gedächtnisstörungen oder Müdigkeit. Immer mehr Studien zeigen, dass auch viele junge Menschen solche neurologischen Störungen über Monate mittragen, Stichwort Long Covid.

Das Gespräch führte Dominik Rolli.

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Corona trotz Impfung: Was steckt dahinter?
Aus SRF News vom 06.07.2021.
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Echo der Zeit, 06.07.2021, 18 Uhr;

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109 Kommentare

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  • Kommentar von Hanspeter Burri  (HPABRRBU)
    Conny Hasler: Leider hat SRF meinen ersten Kommentar
    unterschlagen. Ich wurde im Feb. 2020 an einer Sportveranstaltung
    infiziert. Als 83 Jähriger mit einer Biologischen Aortaklappe
    gehöre ich zu den Hochrisikopatienten. Die Krankheit nahm ich
    aber nur als leichte Grippe wahr, die etwa 8-10 Tage dauerte. Beim
    letzten Arzttermin liess ich mich auf Antikörper untersuchen. Der Test
    ergab ein positives Ergebnis. Also, mein Immunsystem reagierte
    folglich richtig.
  • Kommentar von Hermann Roth  (Dr. Wissenschaftler)
    @SRF falls/sobald die Zahlen von Hospitalisierten und Todesfällen in der Schweiz wieder ansteigen, wäre es interessant in den Statistiken zu sehen, wie viele dieser Fälle Ungeimpfte betreffen. Je nachdem würde dies den einen oder anderen, der noch zögert, zum Impfen animieren...
    1. Antwort von Conny Hasler  (conhas)
      ja ich könnte mir auch vorstellen, dass bei steigenden Zahlen die Leute zum Impfen gehen; ich hoffe, sämtlichen Personen ist aber bewusst, dass der Impfschutz erst nach 6 Wochen nach der 1. Dosis greift,also nicht subito
  • Kommentar von Gabriel Wappler  (Gabriel W)
    Krankenkasse Vergünstigungen für Geimpfte. Keine Diskriminierung sondern Logik. Ungeimpfte - egal welcher Impfung - sind ein grösseres Risiko für das Gesundheitswesen. Man darf niemand zur Impfung zwingen aber Trittbrett Fahrer in der Gesellschaft braucht es auch nicht.
    1. Antwort von Kari Raeschter  (K. Raeschter)
      @Gabriel Wappler (Gabriel W): Das Denunziantentum hat Hochkonjunktur in der Schweiz.

      Haben Sie vorher nachgedacht, bevor Sie solchen Unsinn schreiben?

      Eigentlich müsste man Skifahren, Velofahren, ungesundes Essen, usw. alles verbieten, denn man könnten sich verletzen, dick werden, usw. und damit unser Gesundheitssystem belasten.

      Darum haben wir im Gesundheitswesen das Solidaritätsprinzip; auch Asylbewerber ohne KK-Versicherung können in den Spital.
    2. Antwort von Conny Hasler  (conhas)
      @Kari Raeschter
      was Skifahren, Rauchen , zu dick mit der Pandemie und Verbreiten eines Virus zu tun haben, verstehe ich nicht. Wenn Sie sich anstecken und andere anstecken und dafür ein Spitalbett benötigen, belasten Sie die Krankenkasse weit mehr als der Raucher, der zu Dicke etc.Im Moment sind 200 000 Menschen über 70 in der CH noch nicht geimpft und wenn ein Teil davon mit Covid erkrankt, können Sie in etwa ausrechen,wie teuer das für die Krankenkassen wird.