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Thierry Burkart will das Präsidium der FDP Schweiz übernehmen
Aus Tagesschau vom 16.08.2021.
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Neue Spitze für die FDP Thierry Burkart – wie der Aargauer Ständerat die FDP prägen wird

Es war erstaunlich, was sich heute und in den letzten Tagen abgespielt hat: Thierry Burkart war der einzige der vielen Papabili fürs FDP-Präsidium, der sich nie öffentlich geäussert hatte und sich, zumindest offiziell, bis kurz vor Schluss der Meldungsfrist nicht beworben hatte. Und trotzdem tritt er, wenige Stunden nach Ablauf der Bewerbungsfrist, mit einem kompletten Team von einer Vizepräsidentin und drei Vizepräsidenten und mit klaren inhaltlichen Ansagen vor die Medien.

Es ist schwer zu glauben, dass diese Lösung nicht von langer Hand vorbereitet wurde. Was wiederum Fragen aufwirft über den Umgang mit den anderen Interessentinnen und Interessenten (zum Beispiel mit dem einzigen offiziellen Kandidaten Marcel Dobler, der nicht einmal fürs Vizepräsidium nominiert wurde). Die neue Parteispitze und die Findungskommission werden sich zu diesen Vorkommnissen voraussichtlich noch erklären müssen.

Mann mit Bilderbuchkarriere

Vielleicht ist das Vorgehen typisch für den macht- und strategiebewussten Burkart, der nächsten Samstag 46 Jahre alt wird. Er machte eine buchstäbliche Bilderbuchkarriere – Grossrat mit 26 Jahren, erfolgreicher Parteipräsident der FDP Aargau, mit 39 Jahren Grossratspräsident und damit höchster Aargauer. Nach einer Legislatur im Nationalrat wird er bereits Ständerat und jetzt Präsident der FDP. Dass da nicht nur politische Begabung und Glück, sondern auch eine gehörige Portion strategisches Kalkül und vielleicht auch eine gewisse Rücksichtslosigkeit dahintersteckt, versteht sich.

Schiebt man den schalen Nachgeschmack, der diesem Nominationsverfahren anhaftet, beiseite und betrachtet die heutige Präsentation von Burkart und seinem Team, dann kann man den Hut ziehen vor dem klugen und überzeugenden Angebot.

Der «freisinnige Aufbruch», den Burkart forderte und auch anbot, war zumindest emotional bereits zu spüren. Die Lust, sich trotz schwieriger Rahmenbedingungen nicht geschlagen zu geben und den Freisinn wieder auf die Siegesstrasse zu bringen, auch – was für ein Unterschied zu den letzten, eher gequälten Auftritten von Noch-Präsidentin Petra Gössi.

Burkart hat sofort gemerkt, dass er sich in der Partei breit abstützen muss, hat deshalb ein junges (Durchschnittsalter 37 Jahre), motiviertes Team zusammengestellt. Die bisherigen Vizepräsidenten Philippe Nantermod und Andrea Caroni sollen Kontinuität garantieren, die aufstrebende Freiburger Ständerätin Johanna Gapany und der Zürcher Nationalrat Andri Silberschmidt neuen Schwung bringen. Silberschmidt formulierte gleich selber die Erwartung, dass er die junge, städtische Klientel ins Boot holen will.

Auch Burkart wird sich wohl einmitten

Dass Thierry Burkart in der Partei weit rechts steht und in entscheidenden Fragen wie dem Rahmenabkommen und dem CO2-Gesetz abweichende Meinungen vertrat, wird nur ein paar Linksfreisinnige stören. Denn einerseits hat Burkart in beiden Fragen letztlich «gesiegt» (das Rahmenabkommen wurde beerdigt und das CO2-Gesetz vom Volk abgelehnt), und zweitens haben sich noch alle Parteipräsidenten mit der Zeit eingemittet, egal ob sie von links oder rechts kommen.

Wenn es Thierry Burkart schafft, auch den heute inflationär gebrauchten Begriff «liberal» noch genauer zu definieren (bekanntlich wollen ja alle liberal sein, nur verstehen eben auch alle etwas anderes darunter) und einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen, dann könnte ihm ein erfolgreicher Einstieg ins neue Amt gelingen. Ob das auch reicht, um ein langfristig erfolgreicher Präsident zu werden, ist dann allerdings wieder eine ganz andere Frage.  

Urs Leuthard

Urs Leuthard

Leiter TV-Bundeshausredaktion SRF

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Seit Sommer 2020 ist Urs Leuthard Leiter der Bundeshausredaktion von Fernsehen SRF. Bereits seit 2002 moderiert er das «Abstimmungsstudio» und analysiert Wahlen und Abstimmungen. Bis 2008 war er Moderator und Redaktionsleiter der «Arena», danach wechselte er zur «Rundschau», bevor er 2012 die Redaktionsleitung der «Tagesschau» übernahm. Ab 2016 leitete Urs Leuthard die Newsroom-Entwicklung beim Fernsehen SRF.

SRF4 News, 16.08.2021, 17:00 Uhr

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26 Kommentare

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  • Kommentar von Daniel Müller  (Filter11)
    Für mich als FDP-Nichtwähler würde es ja nichts angehen. Aber es ist einfach schade, dass bei einer Partei wie der FDP, jemand Präsident werden will, welcher vom Sozialen und Umweltschutz keine Idee für die Zukunft hat. Ein Auto-Liebhaber und dies im Jahr 2021?
    Aber eben, ist eigentlich egal.
  • Kommentar von Lothar Drack  (spprSso)
    Stellt sich nicht eher die Frage, wer wie libertär ist, denn wie liberal?
    Unter den Vizepräsidenten taucht ein Jungfreisinniger auf, der sich für die sog. «Billag-Initiative» ins Zeug gelegt hat. Da dürften über kurz oder lang grad in diesen Kommentarspalten wieder die Emotionen hochgehen (wo genau dürfen hier eigentlich alle schreiben?), und die rechtsnationale Fraktion wird Morgenluft wittern mit ihrer ausgelutschten Behauptung, die SRG sei linkslastig, deren Mittel seien daher zu halbieren.
  • Kommentar von Urs Haeny  (Urs Haeny)
    Herr Leuthard, Ihr Kommentar kommt bei mir als recht bösartig an. Sie zeichnen das Bild eines rücksichtslosen Polit-Karriereisten. Wer T. Burkart kennt, weiss, dass dies falsch ist. Wer das Präsidium der FDP Schweiz übernimmt, tut gut daran, dies mit seinem Umfeld - politisch, privat und beruflich - eingehend zu besprechen und den Schritt dann an die Öffentlichkeit zu tun, wenn alles klar ist. Ich rate Ihnen, mit Thierry Burkart "off-the-records" über Ihren schalen Nachgeschmack zu sprechen.