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Die koloniale Vergangenheit Zürichs hat Folgen
Aus Regionaljournal Zürich Schaffhausen vom 29.09.2020.
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Neue Studie Wie Zürich von der Sklaverei profitierte

Eine Studie der Universität Zürich zeigt auf, wie die Limmatstadt und ihre Bürger in die Sklaverei verstrickt waren.

Es geht um ein düsteres Kapitel: die Sklaverei, die erst im 19. Jahrhundert schrittweise abgeschafft wurde. Historiker der Universität Zürich legen in einer Studie detailliert dar, wie die Stadt Zürich indirekt durch den Sklavenhandel Gewinne erzielte. Oder wie Bürger – etwa die prominente Familie Escher – darin eingebunden waren. Die wichtigsten Erkenntnisse aus der Studie im Überblick:

Die Verwicklungen der Familie Escher: Als Politiker, Unternehmer und Pionier ist Alfred Escher schweizweit bekannt. Doch seine Familiengeschichte wirft einen Schatten auf den Gründer der Kreditanstalt: Die Familie Escher besass im 19. Jahrhundert eine Kaffee-Plantage auf Kuba. Fast 90 Sklaven – genauer 82 Feldsklaven und fünf Haussklaven – arbeiteten dort.

Wie die Studie deutlich macht, hatte sich Alfred Escher selbst nicht am Sklavenhandel beteiligt. Er besass auch keine Sklavinnen oder Sklaven. Vielmehr betrieb sein Onkel Friedrich Ludwig Escher die Plantage. Später ging sie an Alfred Eschers Vater Heinrich Escher über.

Wieso eine Studie?

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Der Bericht geht auf einen Vorstoss von linken Politikerinnen und Politikern zurück. Sie wollten genauer wissen, wie die Familie Escher in die Sklaverei verstrickt war. Deshalb forderten sie die Stadtzürcher Regierung unter anderem auf, Forschungen diesbezüglich zu fördern. Die Stadt Zürich hat den Bericht in Auftrag gegeben und mitfinanziert.

Heinrich Escher hinterliess seinem Sohn Alfred nach seinem Tod ein Vermögen von rund einer Million. Die Studie geht davon aus, dass die Plantage mit den Sklavinnen und Sklaven zu diesem Vermögen beigetragen hat. Offen ist jedoch, in welchem Ausmass der Reichtum von Alfred Escher auf Gewinnen der Sklaverei basiert. Wie die Familie Escher waren auch andere Zürcher Bürger mit der Sklaverei verbunden.

Die Verwicklungen der Stadt Zürich: Weiter zeigt die Studie auf, wie die Stadt Zürich jahrzehntelang in die Sklaverei und den Sklavenhandel investierte. Wie auch die Stadt Bern besass sie im 18. Jahrhundert Aktien der Handelsgesellschaft «South Sea Company». Die britische Firma handelte mit Sklaven.

Während die Stadt Zürich finanziell beteiligt war, verschleppte das Unternehmen über 36'000 Afrikanerinnen und Afrikaner. Die Stadt Zürich konnte dank der Aktien laut Studie Gewinne erzielen. Zudem investierte die Stadt Zürich auch über eine halbstaatliche Zinskommission in die Sklaverei.

Die Verwicklungen der Zürcher Textilindustrie: Auch die Zürcher Textilwirtschaft war mit der Sklaverei verbunden. Einerseits produzierten im 18. Jahrhundert in Zürich verschiedene Betriebe bedruckte Baumwollstoffe, sogenannte Indiennes. Diese Stoffe wurden vor allem über französische Häfen verschifft und in Westafrika gegen Sklavinnen und Sklaven umgetauscht.

Zu Beginn stammte die Baumwolle, die für die Indiennes verwendet wurde, mehrheitlich aus dem Osmanischen Reich. Im 19. Jahrhundert jedoch änderte sich dies: Die Zürcher Textilindustrie bezog die Baumwolle hauptsächlich aus Amerika. Dort wurde der Rohstoff bis 1860 hauptsächlich auf Sklavenplantagen im Süden der USA angebaut.

Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 29.09.2020, 12.03 Uhr

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42 Kommentare

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  • Kommentar von Franz NANNI  (Aetti)
    Zuerich??????? Ganz Europa hat von der Sklaverei provitiert und tut es noch!!!!!.... Und weite Teile der Welt ebenfalls... Und die Sklaverei ist so alt wie der Mensch... Und die Industrienationen sind eigentlich in grosser Schuld gegenueber den 3twelt-Laendern.. die sie ueber Jahrhundrte ausgebeutet haben und es noch tun! Sind Ursache der Zerstoeung der Natur und der Verwuestung Afrikas... und letztendlich des Weltklimas... Einfach eine neue Form der Sklaverei..
    1. Antwort von ely berger  (bernina)
      Ja Aetti, ds Müeti denkt genau gleich. Wäre besser, unserer Gesellschaft klar zu machen, was wir mit dem Kauf von Billigprodukten und unserer Konsumwut für Schäden und Leid verursachen, statt auf Vergangenem herumzureiten, für das sich eh fast niemand interessiert und betroffen fühlt.
  • Kommentar von Bruno Meier  (Brumei)
    Was sollen immer wieder solche Suchen in der Geschichte? UND JETZT? WAS BRINGTS? Zürich bestrafen? Jahrzehnte zurück würgen? Ahnen an den Pranger stellen? Das ist unnötiges, nichtsnutziges "Umädräcklä".
    1. Antwort von Philipp Christen  (pchr)
      Genau! Immer vorwärts schauen! Verbrechen, die mehr als 100 Jahre zurückliegen sind doch Wurst! Oder 50 Jahre! Oder 20. Vorgestern wurde gegenüber ein Velo geklaut, was bringt denn das, hier umezdräckle?!

      Ernsthaft: Es ist wichtig, solche Beteiligungen an Verbrechen aufzudecken und aufzuarbeiten. Und ja, wenn jemand von der Versklavung meiner Vorfahren direkt profitierte, wär ich als Ahne der Meinung, dass die Verantwortlichen Schritte zur Wiedergutmachung unternehmen sollten.
  • Kommentar von Florian Kleffel  (Hell Flodo)
    Die Geldgeber und Profiteure ausklammern und nur die sehen, die das Verbrechen konkret begehen... Oder darauf verweisen, wer alles schlimmer war... So macht man es sich einfach und schmeichelt der patriotischen Seele. Im Rückblick wie im Blick auf die heutige Wirtschaft.

    Nachdem man den historischen Kontext gesehen hat, kann man trotzdem ein moralisches Urteil fällen. Auch über das eigene Land.

    Aber unterlasst das Stürzen von Statuen, bringt eine Plakette an.