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SP wählt Meyer/Wermuth an die Parteispitze
Aus Echo der Zeit vom 17.10.2020.
abspielen. Laufzeit 03:29 Minuten.
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Neues Co-Präsidium Linkes SP-Tandem übernimmt im perfekten Sturm

Es ist ein Duo mit scharfem linkem Profil: Mit Mattea Meyer und Cédric Wermuth übernimmt ein klar links ausgerichtetes Tandem die SP-Spitze. Das braucht niemanden zu überraschen: Die SP ist eine linke Partei. Die Diskussion um die Ausrichtung der Spitze ist auch nicht neu, sie gehört zu jeder Präsidiumswahl.

Bevor etwa 2008 Christian Levrat übernahm, meldete sich eine gewisse SP-Ständerätin Simonetta Sommaruga im «Sonntags-Blick» zu Wort: «Mit Klassenkampf-Rhetorik holt Levrat in der Deutschschweiz keine Wähler ab», warnte die heutige Bundespräsidentin damals. Zwölf Jahre später äussert Sommaruga am Parteitag ihr ausdrückliches Bedauern, dass Levrat geht: «Auf Christian konnte ich mich in den letzten zehn Jahren immer verlassen.»

Sommarugas Warnung von damals kam zwar nicht von ungefähr: Tatsächlich ist der SP-Wähleranteil heute auf einem historischen Tief. Aber andere sozialdemokratische Parteien in Europa sind weitaus dramatischer eingebrochen. Und Levrat konnte zwar nicht verhindern, dass Flügelkämpfe ausbrachen, aber er hielt die Partei zusammen.

Eine Reihe von Herausforderungen

Meyer und Wermuth können nun beweisen, dass es ihnen ernst ist damit, andere Strömungen zuzulassen. Was umgekehrt bedingt, dass sich diese auch zu Wort melden.

Dabei ist der parteiinterne Zusammenhalt nicht einmal die grösste Aufgabe für das neue Präsidium. Meyer und Wermuth übernehmen das Steuer ohnehin praktisch im perfekten Sturm.

Da ist der Wähleranteil: Schafft es das Duo nicht, die Partei bei Wahlen auf die Siegerstrasse zurückzuführen, droht der Absturz: Dann könnte einer der beiden SP-Bundesratssitze wackeln.

Da ist die Pandemie: Corona hält die Welt weiter in Atem – auch die Schweiz. Das macht die Lage unübersichtlich, chaotisch, unberechenbar.

Und da ist die Europafrage: In ihrem aktuellen Parteiprogramm fordert die SP noch die «rasche Einleitung von Beitrittsverhandlungen mit der EU». Doch spätestens seit der Diskussion ums Rahmenabkommen sei selbst in der SP «die EU-Euphorie weitgehend verflogen», erklärte Levrat kürzlich der «NZZamSonntag».

«Zurück zur Strasse»

Allen diesen Herausforderungen begegnet das SP-Präsidium, indem es völlig neue Wege beschreiten möchte. Nicht unbedingt inhaltlich: Auch unter Levrat war die Partei klar links positioniert. Deutlich linker auch als früher, wie manche finden, aber in der Art des Politisierens. «Zurück zur Strasse», lautet das Motto: Das verjüngte Duo will stärker mobilisieren, mit neuen Formen der Kampagnenführung, gerade auch digital. Und das alles zu zweit, im Co-Präsidium – was es auch noch nie gab bei der SP.

Das sind neue Herangehensweisen. Mitten im Sturm. Abgerechnet wird 2023, bei den nächsten Wahlen.

Gaudenz Wacker

Gaudenz Wacker

Bundeshausredaktor, SRF

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Gaudenz Wacker ist SRF-Bundeshausredaktor. Er arbeitete von 2006 bis 2014 beim Regionaljournal Basel, dort zuletzt als Korrespondent für Radio SRF. Er hat in Basel studiert und arbeitete vor seiner Tätigkeit bei SRF an der Universität Basel und für lokale Medien.

Echo der Zeit, 17.10.2020, 18 Uhr

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86 Kommentare

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  • Kommentar von Dominique Becht  (DMB)
    @Dominik Meier
    Darum wurde Churchill trotz seiner Verdienste abgewählt. Sozialismus hat nichts mit Sowjetkommunismus zu tun und die Vorbilder sind nicht Kuba und Nordkorea...die SP steht für Gerechtigkeit (sozial, klima) und Fairness. Sie politisiert nicht für diejenigen, die ihr Glück mit Leistung verwechseln...
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  • Kommentar von Martin Meier  (M.Meier)
    Warum spricht Mattea Meyer in der Tagesschau von "dezidiertem Linkskurs"? Wermuth und sehr viele Exponenten der SP sind ideologisch klar im am linken Rand anzufinden, seine Aussagen beweisen dies Jahr für Jahr.
    Würde die SP dezidiert links politisieren, hätte sie viel mehr Wähler. Die SP sollte sich wieder mehr um die Arbeiter einsetzen, inkl. den Ü-50, den heimischen Markt schützen und ideologisch endlich im heute ankommen, und nicht Marx nacheifern. Das wäre progressiv.
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  • Kommentar von Beatrice Fiechter  (thea)
    Ist ein guter Versuch - deckt beide Geschlechter u. somit mehr Interessen ab! Gerade für eine neue Identitätsbildung/Schärfung des Profils in der Partei eine gute Voraussetzung. 4Augen/4Ohren/2 Individuen können anders reflektieren, sicher auch breiter differenzieren, evaluieren. Gute Idee, so lange die beiden bescheiden und gegenseitiig wertschätzend bleiben u. es nicht zu einem Konkurrenz-/Profilierungskampf kommt. Wünsche den beiden u. der Partei viel Weisheit, Durchhaltevermögen u.Erfolg!
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