Zum Inhalt springen

Header

Audio
Recycling-Modell des Bundesrat erntet Kritik
Aus HeuteMorgen vom 17.08.2020.
abspielen. Laufzeit 02:18 Minuten.
Inhalt

Neues Recycling-Modell Elektroschrott-Entsorgung: Onlinehändler bleiben Trittbrettfahrer

  • Elektronikhändler sollen statt einer freiwilligen Abgabe neu eine obligatorische Gebühr für die Entsorgung von Elektroschrott bezahlen.
  • Doch die Bundesratspläne stossen auf Kritik: Denn so fehlt bei Geräten, die im Ausland gekauft werden, weiterhin die Entsorgungsgebühr.
  • Das Schweizer Erfolgsmodell beim Recycling gerate in Gefahr, warnen die Betreiber des bisherigen Systems.

Ums Elektroschrott-Recycling kümmern sich in der Schweiz private Organisationen, darunter der Verband Swico. Sie finanzieren sich durch freiwillige Beiträge von Händlerinnen oder Herstellern. Diese verlangen vom Kunden ein paar Franken extra fürs Recycling.

Dieses Modell funktioniere seit über 25 Jahren bestens, sagt Swico-Geschäftsführerin Judith Bellaiche: «Es gibt keinen Grund, dieses erfolgreiche System nun zu vernichten und zu verstaatlichen.»

Bundesrat will Recycling-Reform

Doch der Bundesrat möchte neu eine obligatorische Recyclinggebühr für Elektroschrott – auch, weil immer mehr Elektrogeräte online im Ausland eingekauft werden, wo keine Recyclinggebühren bezahlt werden.

Den Sammelstellen in den Gemeinden fehle daher Geld fürs Recycling, sagt Alex Bukowiecki vom Verband Kommunale Infrastruktur: «Wir müssen in den Städten und Gemeinden über die kommunalen Abfallgebühren querfinanzieren. Das ist störend und so nicht vorgesehen.»

Onlinehändler müssen nicht zahlen

Über mehr Geld für die Sammelstellen könne man immer reden, erwidert die Swico-Geschäftsleiterin. Die vorgesehene Systemänderung aber schiesse schlicht am Ziel vorbei, welches das Parlament ausdrücklich vorgab.

Nämlich, dass auch Onlinehändler fürs Recycling zahlen müssen: «Genau dieses Ziel wird verfehlt. Der Bundesrat gibt selber zu, dass die Revisionsvorlage dieses Problem nicht zu lösen vermag.»

Telefone, Computer, Drucker: Elektroschrott in der Halle der Immark AG wartet auf den Schredder.
Legende: In der Elektroschrott-Entsorgung galt die Schweiz bisher als Pionierin: Doch das Online-Shopping gefährdet diese Rolle. SRF

Tatsächlich würden Onlineeinkäufe von Privaten im Ausland auch mit dem neuen System nicht erfasst, schreibt der Bundesrat. Das Gesetz lasse dies nicht zu. Ja, das sei ein Wermutstropfen, gibt Bukowiecki von den Gemeinden zu. Dafür aber löse die Änderung das Hauptproblem des heutigen Systems: dass sich hauptsächlich gleich zwei Verbände ums Recycling kümmern, die je für unterschiedliche Geräte zuständig sind.

Paradoxe Situation

Das sei mühsam und ineffizient, sagt Bukowiecki: «Das Paradoxe daran ist, dass man die Geräte heute auf den Sammelstellen aus administrativen Gründen trennen muss. Am Schluss beim Recyclen landet sie aber wieder auf dem gleichen Förderband.»

Die Systemänderung lässt deshalb die Wogen hochgehen: Grosse Player wie Gewerbeverband oder Economiesuisse sprechen sich auf Anfrage dagegen aus; zumindest damit leben könnten etwa der Konsumentenschutz oder die Grünen. Ein Anlauf für eine Änderung scheiterte bereits vor einigen Jahren.

Heute Morgen vom 17.08.2020, 6 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

25 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von René Widmer  (Widmer)
    Wäre ja nun wirklich sehr einfach, zusammen mit der MwSt beim Import eine Recyclinggebühr zu verlangen. Und auch endlich die vollen Portokosten für China - wie lange schläft der Weltpostverein noch??? Oder unser Parlament?????
  • Kommentar von Andreas Morello  (Andreas Morello)
    Bis es eine Regelung gibt, die auch ausländische Online-Händler einschliesst, kann jeder für seine im Ausland gekauften Geräte eine freiwillige vRG-Abgabe bezahlen, das geht online oder per SMS. Das habe ich für meinen Staubsauger so gemacht, ging ganz einfach.
  • Kommentar von Jeanôt Cohen  (Jeanot)
    Könnte relativ einfach gelöst werden, jedes in der Schweiz gekauftes Gerät erhält entweder eine Markierung oder ein Dokument. Dadurch bezahlt man nicht nochmals die entsorgungs Gebühren. Jedes Gerät das dies nicht hat, bezahlt dies nachhinein. Dadurch wird vielleicht auch die China ramsch etwas weniger interessant.
    1. Antwort von Patrick Steiner  (vb22)
      Leider ist zu vermuten, dass dann der China-Ramsch einfach am Waldrand stehen wird.