- Am Montag wurde der Gemeindepräsident von Crans-Montana, Nicolas Féraud, erstmals von der Walliser Staatsanwaltschaft in Sitten befragt.
- Dies im Zusammenhang mit der Brandkatastrophe vom 1. Januar.
- Laut einer italienischen Nachrichtenagentur hat die Staatsanwaltschaft die Beschlagnahmung des Mobiltelefons des Gemeindepräsidenten angeordnet.
- Féraud habe keine Kenntnis davon gehabt, dass die Brandschutzkontrollen seit 2019 nicht mehr durchgeführt wurden.
Féraud, der zu den neun Personen gehört, gegen die im Rahmen der nach der Tragödie eingeleiteten Ermittlungen strafrechtlich ermittelt wird, hatte am Tag nach dem Brand eingeräumt, dass in der Bar seit 2019 keine Sicherheits- und Brandschutzkontrollen mehr stattgefunden hatten, obwohl diese jährlich von der Gemeinde durchgeführt werden müssen.
Laut seinem Anwalt Christian Delaloye sei es Sache der Ermittlungsbehörde, die Verantwortung für das Fehlen der Kontrollen zu klären, da sein Mandant vor dem 2. Januar dieses Jahres nicht darüber informiert gewesen sei, schreibt die Nachrichtenagentur AFP nach der elfstündigen Anhörung vom Nicolas Féraud.
Er habe seinen Dienststellen die Mittel zur Durchführung dieser Kontrollen zur Verfügung gestellt. «Jedes Mal, wenn die Sicherheitsbeauftragten zusätzliches Personal angefordert haben, hat der Gemeinderat die Stellen bewilligt», betonte Rechtsanwalt Delaloye und erklärte, dass die Aktenunterlagen «dies belegen».
Unverständnis bei den Anwälten der Opfer
Wenn der Gemeindepräsident tatsächlich nichts von den unterlassenen Brandschutzkontrollen gewusst habe, dann habe der Chef keine Übersicht über die Arbeit seiner Gemeindeverwaltung gehabt, so die Kommentare der Opferanwälte in Sitten, berichtet SRF-Inlandredaktor Philipp Zahn. Mit seiner Aussage entlaste sich Nicolas Féraud in der Schuldfrage nicht.
Unverständnis hätte zudem die Behauptung des Gemeindepräsidenten erzeugt, dass seine Gemeinde das grösste Opfer der Tragödie bleibe, auch ungeachtet der vielen Toten und Verletzten. Hier fehle jegliche Selbstkritik und jeder Lernprozess – auch fast ein Vierteljahr nach der Tragödie vom 1. Januar, so die Reaktion der Opferanwälte in Sitten.
Der Gemeindepräsident von Crans-Montana ist der achte von insgesamt neun Beschuldigten, die in diesem Fall befragt werden. Ihnen werden fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung und fahrlässige Brandstiftung vorgeworfen.
Gemäss der italienischen Nachrichtenagentur ANSA hat die Walliser Staatsanwaltschaft während der Befragung am Montag die Beschlagnahmung des Mobiltelefons von Nicolas Féraud angeordnet.
Beim Brand in der Bar «Le Constellation» waren in der Silvesternacht 41 Menschen ums Leben gekommen, 115 wurden verletzt.
Fünf Tage später räumte die Gemeinde Crans-Montana ein, dass die Bar seit 2019 nicht mehr feuerpolizeilich kontrolliert worden war. Damals sagte Nicolas Féraud: «Wir können uns nicht erklären, warum diese Kontrollen nicht durchgeführt wurden.»