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Grosser Sanierungsbedarf bei Bushaltestellen
Aus Schweiz aktuell vom 21.06.2021.
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Noch lange nicht am Ziel Viele Bushaltestellen sind immer noch nicht behindertengerecht

Laut Gesetz müssten bis 2023 alle Haltestellen in der Schweiz entsprechend umgebaut sein. Das wird aber kaum erreicht.

Die ausklappbare Rampe aus dem Bus steht steil. Ein schwieriger Ausstieg für René Kälin. «Da haben wir die schlechteste Situation, die man haben kann.» An dieser Bushaltestelle in Elsau nahe Winterthur gibt es keine erhöhte Haltekante. «Für einen Rollstuhlfahrer ist es hier schwierig bis unmöglich, ein- oder auszusteigen», sagt Kälin. Ein Eisengitter zur Abschrankung der Haltestelle ist ein zusätzliches Hindernis.

René Kälin rollt mit seinem Rollstuhl über eine Rampe aus dem Bus.
Legende: Häufig fehlen erhöhte Buskanten, wie hier auch in Elsau bei Winterthur. Das erschwert das alltägliche Leben von Menschen im Rollstuhl. Doch René Kälin hat Übung und einen gut motorisierten Rollstuhl. SRF

«Man fühlt sich ausgestellt und hat das Gefühl alles zu verzögern», sagt der Medizininformatiker René Kälin, der sich im Zentralvorstand von Cerebral Schweiz für die Anliegen von Menschen mit einer Bewegungseinschränkung einsetzt. Hilfe beim Ein- und Aussteigen in Anspruch zu nehmen sei für viele Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer eine Herabsetzung.

Man fühlt sich ausgestellt und hat das Gefühl alles zu verzögern.
Autor: René KälinVorstand Cerebral Schweiz

Diese Bushaltestelle in Elsau bei Winterthur ist keinesfalls eine Ausnahme. Rollstuhlgerechte Haltestellen sind in der Schweiz immer noch rar. Dies, obwohl laut dem Behindertengleichstellungsgesetz bis in zweieinhalb Jahren alle 21'000 Bushaltestellen in der Schweiz entsprechend umgebaut sein müssten.

Noch weit vom Ziel entfernt

Das Gesetz schreibt vor, dass Menschen mit einer Behinderung bis Ende 2023 an allen Haltestellen in der Schweiz autonom ein- und aussteigen können müssen. Ist das realistisch? Nie und nimmer, sagt Caroline Hess-Klein von der Behinderten-Organisation Inclusion Handicap.

Das Behindertengleichstellungsgesetz

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Das Bundesgesetz über die Beseitigung von Benachteiligungen von Menschen mit Behinderungen trat 2004 in Kraft. Es setzt Rahmenbedingungen, die es Menschen mit Behinderungen erleichtern, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen und insbesondere selbstständig soziale Kon­takte zu pflegen, sich aus- und weiterzubilden und eine Erwerbstätigkeit auszuüben.

Das gilt für den öffentlichen Verkehr

Eine spezielle Verordnung im Gesetz regelt, wie der öffentliche Verkehr zu gestalten ist, damit er den Bedürfnissen der Menschen mit Behinderungen entspricht. «Behinderte sollen Dienstleistungen des öffentlichen Verkehrs autonom beanspruchen können», heisst es in der Verordnung.

Ideal wäre dafür eine Haltestellen-Kante in der Höhe von 22 Zentimetern. Die Höhe ist rechtlich aber nicht verbindlich vorgegeben. Es handelt sich nur um eine Empfehlung.

«Ich schätze, dass es circa zehn Prozent der Bushaltestellen sind, die für Menschen im Rollstuhl autonom benutzbar sind.» Ein Grund sei, dass Kantone und Gemeinden diese Verpflichtung bis vor kurzem verschlafen oder nicht genug ernst genommen haben.

Nicht überall lohnt sich ein Ausbau

Im Kanton Zürich seien 70 Prozent der 1700 Haltekanten an Kantonsstrassen auf 16 oder 22 Zentimeter erhöht worden, sagt Thomas Maag, Sprecher der Zürcher Baudirektion. Bei vielen Bushaltestellen auf dem Land sei ein Umbau aber nicht verhältnismässig. «Der Ausbau wäre viel zu teuer und würde in keinem Verhältnis zum Nutzen stehen.» Denn an diesen Haltestellen würden nur wenige Leute ein- und aussteigen, so Maag. Ausserdem müsste der Kanton für den Umbau an gewissen Stellen umliegendes Land dazu kaufen.

Ein- und Ausstiegen ganz ohne Hilfe des Buschauffeurs – das wird bis in zweieinhalb Jahren kaum an allen 21'000 Bushaltestellen in der Schweiz möglich sein. Um das barrierefreie Reisen überall zu ermöglichen, braucht es also noch grosse Anstrengungen der Kantone und Gemeinden.

Schweiz Aktuell, 21.06.2021, 19:00 Uhr;

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Katica Öri  (Katiöri)
    Minderheiten wie Behinderte, Armen und Kranken werden leider immer benachteiligt wenn unsere Regierung, Stadt Geld und Arbeitskräfte einsetzen muss um ihre Bedürfnisse gerecht zu werden. Diese Menschen bleiben solange benachteiligt solange das liebe Geld wichtiger ist dann werden mit Schnecken Tempo wichtige Massnahmen umgesetzt. Jetzt komme noch unsere Umwelt zur dieser benachteiligten Gruppe dazu. Sehr traurig was unsere Politik macht.
  • Kommentar von Roland Knecht  (rolandknecht)
    Es sind nicht nur die Bushaltestellen, auch viele Bahnhöfe sind noch nicht behindertengerecht ausgebaut (z. B. Glattfelden, Embrach etc ). Zudem fahren die Züge der S-Bahn-Zürich der 1. Generation immer noch mit Rollmaterial, das ebenfalls nicht behindertengerecht ist.
    Eine einzige Zumutung. Ist der ÖV eigentlich ein rechtsfreier Raum?
  • Kommentar von Vinzenz Böttcher  (AfroKaiser)
    Egal welche Maßnahmen umgesetzt werden, so wird dennoch weiterhin die Geschwindigkeit unterm dem Ein- und Ausstiegen Beeinträchtigter leiden. Genauso wie im übrigen die Transportkapazität.
    Klar kann und sollte man daran arbeiten, dass es generell möglich ist, aber die Illusion, dass Behinderte nicht mehr eingeschränkt sein weren, braucht sich niemand zu machen. Kosten vs. Nutzen muss hier auch im Auge behalten werden.
    1. Antwort von Heidi Müller Mermer  (Gelincik)
      Was heisst „Kosten vs. Nutzen“?
    2. Antwort von Daniel Müller  (muellerdaniel)
      Gesetz ist Gesetz und gilt auch für den Staat. Die Kosten / Nutzenfrage an dieser Stelle zu erwähnen ist ziemlich dämlich.
    3. Antwort von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
      Diskriminierender Kommentar Herr Böttcher. Es reicht schon mit 2 Gehilfen in den Bus einsteigen zu wollen. Dürfen Sie dazu ein Bein gar nicht belasten, ist es praktisch unmöglich. Natürlich werden Behinderte nach wie vor eingeschränkt sein, die Behinderung verschwindet ja nicht durch die Möglichkeit ohne Hilfe in ein ÖV Gefährt einsteigen zu können. Aber es ist ein Stück Freiheit mehr für Betroffene. Es kann nicht sein, dass machbare Mobilität für ein Teil der Bevölkerung nicht umgesetzt wird.