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Ein Dorf spaltet sich in der Frage über seine Zukunft
Aus HeuteMorgen vom 12.01.2021.
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Offener Brief Mitholz wehrt sich gegen Evakuierung

60 Anwohner wenden sich in einem Brief an VBS-Chefin Viola Amherd – gegen die zehnjährige Evakuierung ihres Dorfes.

Der Brief bringt Unruhe ins Dorf und droht die Einheit, um die man sich bisher bemüht hat zu zerstören. Seit gestern Montag liegt er auf dem Schreibtisch von VBS-Chefin, Bundesrätin Viola Amherd.

In diesem Brief stellen rund 60 Personen aus dem Dorf Mitholz und der Umgebung unter anderem die Forderung, dass das VBS die geplante Räumung der Munitions- und Sprengstoffreste noch einmal überdenkt.

Kritik an Länge der Evakuierung

Eine der Initiantinnen des Briefes an Bundesrätin Viola Amherd ist Annie-Louise Trachsel. Sie ist in Frutigen zu Hause, aber in Mitholz aufgewachsen und ihre Grosseltern leben noch dort. Sie sei deshalb stark mit dem Dorf verbunden. Die Räumung der Munition finde sie eine gute Sache, allerdings nicht, dass man dafür 10 Jahre weg müsse.

60 Menschen, die den Brief unterzeichnet haben, sehen das gleich. Trachsel sieht den Grund dafür in der Dorfevakuation. Die meisten fühlten sich zu wenig gehört oder vetreten. Wie könne das VBS jetzt von zehn Jahren sprechen, wo noch nicht einmal klar sei, wie geräumt werde? Die Antworten dazu würden fehlen. Die, die den Brief unterzeichnet hätten, fühlten sich alleine gelassen, so Trachsel.

Ein Dorf spaltet sich

Im Dorf sehen das aber nicht alle so. Der Gemeindepräsident von Kandergrund und somit auch von Mitholz, Roman Lanz, ist verärgert über den Brief. Dass die Initiative für den Brief von zwei Personen komme, die nicht in Mitholz leben würden und auch das Gespräch nie gesucht hätten, sei für ihn befremdend.

Die nun öffentliche Kritik an der Evakuierung könne er nicht verstehen. Man habe von Anfang transparent kommuniziert und immer ein offenes Ohr für Sorgen und Fragen gehabt. Doch weder die Initianten des Briefes noch die anderen seien aufgetaucht.

Stopp der aktuellen Pläne gefordert

Nun mitten im Prozess der Räumung der alten Munition liegen aber klare Forderungen auf dem Tisch: Es sollen keine weiteren Schritte getan werden, welche eine dauerhafte Evakuation zur Folge haben. Das VBS solle bitte seine Pläne überdenken. Man sei überzeugt, dass es eine andere Lösung, als das Geisterdorf gebe. Ein eigener Vorschlag ist im offenen Brief an Viola Amherd nicht aufgeführt.

Gemeindepräsident Lanz befürchtet, dass dieser Brief zu einem Befürworter- und Gegner-Lager im Dorf Mitholz führe. Es bestehe die Gefahr, dass das Dorf in dieser Sache nun nicht mehr geeint auftrete. Aber genau dies sei wichtig, um die Anliegen aller Mitholzerinnen und Mitholzer gegenüber dem VBS gut vertreten zu können, so Lanz.

Die Initiantinnen betonen derweil, dass sie das Dorf nicht spalten wollten. Sie hätten nur die Unsicherheit vieler Mitholzer und Mitholzerinnen transparent machen wollen. Schliesslich würden 170 Menschen ihre Heimat verlieren, so Annie-Louise Trachsel.

Video
Aus dem Archiv: Bund beschliesst die Räumung von Mitholz
Aus Schweiz aktuell vom 07.12.2020.
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SRF 4 News, 12.01.2021, 6:00 Uhr

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20 Kommentare

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  • Kommentar von Lothar Drack  (spprSso)
    Die Ungunst der Stunde trifft hier relativ wenige, aber bereits zum zweiten Mal. Vielleicht begann hier einst alles mit einem gewissen Stolz, Teil eines militärischen Gebildes zu sein? Unmerklich folgte ein langsamer Übergang zur schlichten Entsorgung, eine Art Verdrängung: aus den Augen aus dem Sinn. Andernorts hat man selbigen Grümpel schlicht in Seen versenkt, Zeitbomben auch da! Wen wirds dort treffen? Wohl mehr als 1 Dorf... Militär muss Verantwortung übernehmen (2. Anlauf, 1. um 10:30)
  • Kommentar von Hans Fürer  (Hans F.)
    10 lange Jahre soll diese Räumung beanspruchen? Dass 60 schwer betroffene Bewohner dies nochmals überprüfen lassen wollen, ist doch verständlich. Weniger zu verstehen ist, dass der Gemeindepräsident Einigkeit erwartet, was für ihn heisst, die Ansicht des VBS vorbehaltlos zu akzeptieren.
    1. Antwort von Bruno Hochuli  (Bruno Hochuli)
      Es könnte wohl schon schneller gehen, aber die Gefahr besteht, dass eine Explosion leider ganz Mitholz vernichtet. Was ist der Bevölkerung lieber? Sein oder nicht Sein. Ich bedaure die Menschen dort auch sehr, ich möchte nicht mit ihnen tauschen.
    2. Antwort von Franziska Beetschen  (Himbeeri)
      Vergessen Sie nicht die Zufahrt zum Lötschberg per Bahn und Auto...
  • Kommentar von Roger Ebischer  (RO.Ebi)
    in jedem anderen Land der Welt wäre das Dorf schon längst geräumt worden und die Menschen müssten sich eine neue Bleibe suchen. In der Schweiz beschliesst man sich einfach zu warten. Mal schauen ob noch was passiert ist die Devise. In der Schweiz gibt es noch etliche Munitionsrückstände, die unsere schöne Schweiz verdecken! wo sind hier die Bürgerlichen um sich für eine schöne Schweiz einzusetzen?