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Bund beschliesst Räumung des ehemaligen Munitionslagers Mitholz
Aus Schweiz aktuell vom 07.12.2020.
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Munitionslager Mitholz Ehemaliges Munitionslager Mitholz wird definitiv geräumt

  • Der Bundesrat hat beschlossen, die Munitionsrückstände aus dem ehemaligen Munitionslager Mitholz definitiv zu räumen.
  • Dafür hatten sich bereits das VBS, die betroffenen Gemeinden und Kantone sowie ein grosser Teil der Bevölkerung ausgesprochen.
  • Sollte dies doch nicht möglich sein, plant der Bundesrat als Notnagel eine Überdeckung der Munition.

Per Videobotschaft und Brief teilte Bundesrätin Viola Amherd der Dorfbevölkerung von Mitholz am Wochenende mit, dass die Räumung beschlossene Sache sei. Die Arbeiten starten nach dem Jahr 2030. Dann wird Mitholz für über zehn Jahre zum Geisterdorf.

Im ehemaligen Munitionslager in Mitholz, welches zur bernischen Gemeinde Kandergrund gehört, liegen seit den Explosionen von 1947 noch bis zu 3500 Tonnen Munitionsrückstände. Eine Risikobeurteilung im Jahr 2018 zeigte: Vom Lager geht eine Gefahr aus. Seither wurde eine Räumung geplant, die nun vom Bundesrat beschlossen ist.

Diesen Weg fordern die Behörden, aber auch ein grosser Teil der Bevölkerung.
Autor: Bruno LocherDepartement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport

Den Entscheid zur Räumung stützt die Landesregierung auf den Schlussbericht der Arbeitsgruppe Mitholz. Das Gesamtkonzept sei auf Zustimmung gestossen. «Dieser Weg entspricht dem, den insbesondere die Behörden, aber auch ein grosser Teil der Bevölkerung fordert», sagt Bruno Locher vom VBS.

Erste Mitholzer müssen 2025 weg

Die Räumung der explosiven Altlast ab 2030 wird nun konkret vorbereitet. Die Bewohnerinnen und Bewohner von Mitholz müssen für über zehn Jahre wegziehen. Betroffen sind rund 50 bis 60 Haushalte – manche Familien leben seit Generationen im Dorf.

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Mitholz wird zum Geisterdorf
Aus Tagesschau vom 25.02.2020.
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Die ersten von ihnen werden wahrscheinlich bereits ab 2025 wegziehen müssen, sagte Viola Amherd in der Videobotschaft. Denn bevor das Lager geräumt werden kann, müssen Schutzbauten erstellt werden, um die Bahnlinie und die Nationalstrasse zu schützen. Um diese zu erstellen, müssen erste Häuser weichen.

Wenn 2025 die Schutzbauten gebaut werden, wird die Lebensqualität nicht mehr die gleiche sein.
Autor: Hanspeter AelligLeiter der Evaluation all dieser Varianten

Weitere fünf Jahre später werden die restlichen Bewohner weg sein müssen, wobei die Behörden damit rechnen, dass viele sowieso vorher weg sein werden. «Wenn 2025 die Schutzbauten gebaut werden, wird die Lebensqualität mit Staub und Lärm nicht mehr die gleiche sein», sagt Hanspeter Aellig, Leiter der Evaluation all dieser Varianten.

Berner Kantonsparlament macht sich stark für Mitholzer

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Der bernische Grosse Rat hat die Kantonsregierung aufgefordert, Massnahmen zur Unterstützung der Bevölkerung von Mitholz zu ergreifen. Beispielsweise soll der Regierungsrat dafür sorgen, dass bei einer allfälligen Evakuation des Dorfes im Umland genügend Wohn- und Arbeitsraum zur Verfügung steht.

Die Sorge besteht, dass es in der Gemeinde Kandergrund und in Nachbargemeinden nicht genügend Bauland gibt.

Der Regierungsrat meinte, er werde alles daran setzen, raumplanerisch mögliche Massnahmen zugunsten der Bevölkerung rasch und unbürokratisch umzusetzen. Dies mit dem Ziel, dass der durch die Räumung aufgegebene Wohn- und Arbeitsraum andernorts ausgeschieden werden könne.

Auch wenn sich der Bundesrat zur Räumung bekennt, hält er sich einen Notfallplan offen. Sollte aus technischen oder Sicherheitsgründen die vollständige Räumung des alten Munitionsdepots in Mitholz nicht gelingen, würden die Munitionsrückstände im Fels mit Gestein überdeckt.

Diese Variante hätte der Bevölkerung eine Langzeit-Evakuierung erspart, löst aber das Grundproblem nicht. Hanspeter Aellig sagt: «Auch diese Überdeckung ist nicht ohne Risiko, da die Munitionsrückstände im Berg bleiben würden.» Zudem sei diese Überdeckung extrem teuer, Schätzungen gehen von bis zu einer halben Milliarde Franken aus.

Kosten bis 900 Millionen Franken

Die Kosten für Schutzbauten und für die komplette Räumung werden heute auf bis zu 900 Millionen Franken geschätzt. Bis dieses Geld vom Parlament genehmigt ist, werden 40 Millionen Franken aus dem Budget des VBS für Vorausmassnahmen gebraucht.

Das Munitionslager Mitholz

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Im Zweiten Weltkrieg war in Mitholz ein unterirdisches militärisches Munitionslager gebaut worden. Der Standort: ein auffälliger Felskopf mit einer praktisch senkrechten Wand von etwa 200 Metern Länge und 50 bis 100 Meter Höhe. Gebaut wurden sechs Munitionskammern von je 150 Metern Länge und 8.5 Metern Breite.

Die Kammern mündeten auf einer Seite in einen Verladetunnel, in dem ein Gleisanschluss an die nahe gelegene Station Blausee-Mitholz der BLS bestand. Der Verladetunnel war ausserdem durch zwei Tore für Lastwagen befahrbar. Am hinteren Ende waren die Munitionskammern durch einen Stollen miteinander verbunden. In einem Maschinenraum befand sich eine Notstromanlage mit Dieselgeneratoren. Ausserhalb der unterirdischen Anlage befanden sich ein Wärterhaus und weitere Gebäude.

Bereits im kommenden Jahr erfolgt eine Bewertung der Liegenschaften in Mitholz, «damit gemeinsam mit den betroffenen Bewohnerinnen und Bewohnern konkrete Lösungen für die Zukunft gesucht werden können», heisst es in der Mitteilung.

Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 07.12.20, 12:03 Uhr;

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Bernhard Meyer  (Bernhard Meyer)
    Den Einwohnern von Mittholz sollte es freigestellt werden, ob Sie auf eigenes Risiko bleiben wollen. man rechnet doch kaum, das das Ganze in die Luft fliegt, sonst würde man ja bewusst die Arbeiter der Sanierungsfirma in die Opferrolle treiben.
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  • Kommentar von Christoph Stadler  (stachri)
    Unser Bundesrat legt ein geradezu irrwitziges Tempo vor: Die Räumung soll schon in zehn Jahren beginnen und nach wiederum zehn Jahren, also ca. 2040, soll die ganze Übung beendet sein – vielleicht.
    Kosten soll das Unternehmen CHF 900 Mio, was jedoch ein Pappenstiel ist im Vergleich zu den 18'000 Mio die unsere neuen Flieger (inkl. Bertrieb) kosten sollen.
    Vielleicht hätte man diese Bergung besser international ausschreiben sollen: Wäre wahrscheinlich billiger und schneller beendet...
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  • Kommentar von Werner Gürr  (FrMu)
    Nun hoffe ich nur, dass es ausser dem obigen nicht noch weitere vor sich hin gammelnde Munitionslager, allenfalls auch neueren Datums gibt. Ich gehe davon aus, dass die Armee inzwichen gelernt hat, mit Munitionslagerung umzugehen und deshalb nicht noch weitere Lager für 1 Milliarde (und mehr) saniert werden müssen.
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