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Legende: Audio «Tina» blickt auf die P26 zurück. abspielen. Laufzeit 12:09 Minuten.
Aus SRF 4 News aktuell vom 05.07.2019.
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P26-Funkerin im Kalten Krieg «Für mich war der Kalte Krieg kein Hirngespinst»

Die P26 (Projekt 26) war eine geheime Kaderorganisation im Kalten Krieg. Sie hätte zur Aufrechterhaltung des Widerstandswillens in einer besetzten Schweiz gedient. Im Zuge der Aufarbeitung der Affäre um die erste Bundesrätin überhaupt, Elisabeth Kopp (1984 bis 1989 im Amt), stiessen parlamentarische Untersuchungskommissionen (PUK) auf 900’000 Fichen der Bundespolizei und damit auch auf die so genannte Geheimarmee. Damit wurde die P26 enttarnt. Susi Noger war eines der jüngeren Mitglieder. Im Ernstfall hätte sie als Funkerin gedient. Ihr Deckname war «Tina».

Susi Noger

Susi Noger

Ehemaliges Mitglied der P 26

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Noger war Mitglied der P 26. Sie führte drei Jahre lang ein Doppelleben und hielt dieses auch Jahre geheim. Ausser ihrem Ehemann war niemand über ihre Tätigkeit für die Geheimarmee im Bild. Noger ist Mittellschullehrerin.

SRF News: Wie sind Sie damals zu P26 gekommen?

Susi Noger: Das Prinzip war, dass jemand, der bereits Mitglied war, ein anderes Mitglied anwarb. Bei mir war es der Götti meines Mannes, der mich fragte, ob ich zu so etwas bereit wäre.

Im Ernstfall wären Sie Funkerin geworden. Wurden Sie für diese Funktion schon ausgebildet?

Die Grundausbildung, die meines Wissens alle Mitglieder durchlaufen haben, fand im grossen Bunker im Schweizerhof in Gstaad statt. Sie war eher allgemeiner Art. Ich erhielt am Ende dieser Grundausbildung schon die ersten Begriffe fürs Funken.

Wie war das mit den Decknamen? Haben Sie «Tina» selbst ausgewählt oder wurde Ihnen der Name zugeteilt?

Der wurde zugeteilt, ich konnte nicht auswählen.

Ausstellung zur P26

In der Gotthardfestung Sasso San Gottardo findet ab 07.07.2019 eine Sonderausstellung zur P26 statt. Damit erhält die Öffentlichkeit erstmals im Rahmen einer Ausstellung Einblick in die geheime Organisation. Der Einzeleintritt kostet für Erwachsene 18.- Franken. Genaue Infos zur Ausstellung finden Sie hier, Link öffnet in einem neuen Fenster.

Es entstand grosse öffentliche Aufregung, als eine PUK 1990 die Fichen der Bundespolizei durchforstet und auf dabei auf die P26 stiess. Wie haben Sie das damals erlebt?

Sie sprechen von der Zeit der Auflösung, als die Enttarnung schon vorgenommen worden war. Man war sich gewöhnt, nichts zu sagen. Das galt besonders auch für jene Zeit, als im Freundes- oder Kollegenkreis Diskussionen stattfanden.

Wo gearbeitet wird, geschehen Fehler, aber es ist wirklich seltsam, dass die Akten verschwunden sind.

Man ärgerte sich, weil man wusste, es war genau nicht so, wie behauptet wurde. Aber wir waren da noch an die Geheimhaltung gebunden.

Empfinden Sie die Einstellung, die Sie während des Kalten Krieges hatten, rückblickend als zu extrem oder sagen Sie: «Wir haben damals alles richtig gemacht»?

Es ist immer leicht, 30 Jahre später über richtig und falsch zu urteilen, weil man weiss, wie es herausgekommen ist. Ich würde nicht die Adjektive richtig oder falsch wählen.

Wir arbeiteten mit den Mitteln der damaligen Zeit gegen die Bedrohung der damaligen Zeit.

Ich stehe nach wie vor zu meiner damaligen Einschätzung und für mich war der Kalte Krieg nicht ein Konstrukt oder ein Hirngespinst. Es war eine reale Bedrohung. Mir imponierte, dass die Schweiz selbst eine Idee kreierte, um dem Fall einer Besetzung durch die russische Armee – das war das Szenario – etwas entgegenzusetzen.

Die Aufarbeitung wirkt etwas harzig. Zum einen sind ganze Aktenberge verschwunden, anderes ist immer noch geheim. Wie komplett ist denn dieses P-26-Puzzle tatsächlich?

Ich bin nicht Historikerin und kann das abschliessend nicht beurteilen. Die verschwundenen Akten sind aber hochnotpeinlich. Das zementiert das Bild, dass etwas im Geheimen genuschelt worden sei. Wo gearbeitet wird, geschehen Fehler, aber es ist wirklich seltsam, dass die Akten verschwunden sind. Ich bin froh, dass zum Beispiel durch eine Dissertation, die kürzlich erschienen ist, die Faktenlage unaufgeregt aufgearbeitet wurde.

Rückblickend zusammengefasst: Es wurde viel erzählt, es gab unglückliche Zufälle, es gibt Akten, die verschwunden sind, aber eigentlich war es eine gute Sache?

Das könnte ich so unterschreiben. Wir arbeiteten mit den Mitteln der damaligen Zeit gegen die Bedrohung der damaligen Zeit. Diese wären heute anders. Aber ich würde es wieder tun.

Das Gespräch führte Salvador Atasoy.

Legende: Video Aus dem Archiv: Susi Noger im Gespräch mit Aeschbacher abspielen. Laufzeit 13:29 Minuten.
Aus Aeschbacher vom 15.01.2015.
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23 Kommentare

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  • Kommentar von Urs Stotz  (Urs Stotz)
    Die Mitglieder haben loyal ihren Dienst geleistet. Danke Susi Noger für das interessante Interview! Ob das Bedrohungsszenario real oder gezielt übertrieben wurde, muss die Geschichtsschreibung aufarbeiten. Wie die P26 der neutralen Schweiz in die NATO eingebunden waren, wussten wenige Führungskräfte, Akten sind "verschwunden", Führungskräfte verweigerten die Aussage. Analoge Strukturen gab es in ganz Europa: Nato-Geheimarmeen in Europa: Inszenierter Terror und verdeckte Kriegsführung.
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  • Kommentar von Hans Haller  (panasawan)
    Dass es eine P26 gab wusste ich nicht. Dass es aber eine vorbereitete Résistance geben musste, davon bin ich immer ausgegangen. Die wurde übrigens sogar in einem "roten Weisbuch, Gnägi" zwischen den Zeilen auch fast erwähnt. Auch heute müsste man Vorkehrungen für eine Back-Up-Organisation treffen, würde man die Sicherheitspolitik noch seriös betreiben. Leider ist gerade dem heute nicht mehr der Fall. - Also ADA's "auf ab und davon" ins Exil wenn's dick kommt !!! Sich nur nich verheizen lassen.
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    1. Antwort von M. Fretz  (MFretz)
      Wofür denn? Wer ist heute der imaginäre Feind?
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  • Kommentar von Marc Bühler  (Capten Demokratie)
    Das ist Schönfärberei! Zumal es auf das Extremste unwahrscheinlich ist das die Schweiz diese Organisation selbst aufbaute, wenn mann weiss wie dies in anderen Staaten von statten ging. Überall war der CIA und MI6 involviert, aber in der Schweiz soll es anders gewesen sein. Mann findet die Lektüren von Major Von Dach nicht umsonst in den Bibliotheken von West Point und der GB Militärunis. Darüber hinaus war es ein widerwhandeln gegen die Verfassung und daher eine Illegale Organisation.
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    1. Antwort von Hans König  (Hans König)
      Herr Bühler: Mit ihrer Auffassung sind sie völlig daneben! Die CH hat diese Organisation selber und selbständig aufgebaut. Bestimmt gab es Verbindungen zu westlichen Widerstandsorganisationen; die brauchte man!
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    2. Antwort von Marc Bühler  (Capten Demokratie)
      Hand König das ist vielleicht ihre Meinung, meine ist eine andere. Und ich habe mich intensiv mit dem Thema befasst. Die P-26 war eine Illegale Organisation die es nach Verfassung nie gegeben haben dürfte. Wie die Tännler Akten sind diese zu P-26 kurios verschwunden.Auf Mitglieder Aussage kann mann nicht bauen,da diese wie Schläfer aufgebaut waren und keiner alles wusste bis par wenige beim Nachrichtendienst. Der aus gutem Grund nicht Geheimdienst heisst.Die Ähnlichkeit zu Gladio ist frappant.
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    3. Antwort von Peter Beutler  (Plinius)
      Genau, Herr Bühler. Die P-26 war ein Teil der NATO-Geheimarmeen. Das hat übrigens auch einer bestätigt, der es wissen muss. Alt-Nationalrat Werner Carrobbio, Vizepräsident der seinerzeitigen PUK-EMD. Es sind die Akten, die über dieses Verhältnis hätten Auskunft geben können. Jetzt sind sie verschwunden, wären bis 2041 der Öffentlichkeit nicht zugänglich gewesen, sicher verwahrt im Bundesarchiv. Sie wurden kaum zufällig entsorgt. Man wollte die Belege der P-26-Auslandsbeziehungen tilgen.
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    4. Antwort von Hans Haller  (panasawan)
      Genau das war es wirklich nicht, es war keine Widerhandlung gegen die Verfassung. Das hat der damalige Zeitgeist einfach in selbstgefälliger Art und Weise daraus gemacht. NB: Ich würde, wenn's so kommen wird selbstverständlich mitmachen. Nur bin ich inzwischen sicherlich zu alt und nicht mehr scharf darauf mich für diese "sog. fortschrittliche, neue Schweiz" einzusetzen. Dafür bin ich mir nun wirklich viel zu schade.
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