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Der Kanton Zürich lockert die Corona-Massnahmen an den Schulen
Aus Regionaljournal Zürich Schaffhausen vom 21.05.2021.
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Pandemie an Zürcher Schulen Jedes fünfte Zürcher Schulkind hatte bereits Corona

Gemäss einer Studie haben 20 Prozent aller Zürcher Schulkinder Corona-Antikörper gebildet. Viele blieben symptomlos.

Die dritte und neueste Studie der Universität Zürich zu Corona zeigt deutlich auf: Kinder und Jugendliche an den Zürcher Schulen waren häufig mit dem Coronavirus konfrontiert. Jedes fünfte Schulkind hat bereits eine Corona-Infektion durchgemacht und Antikörper gegen das Virus gebildet.

Studie «Ciao Corona» der Universität Zürich

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Die Universität Zürich hat für ihre Studie 2500 Schülerinnen und Schüler getestet – aus 275 Klassen und 55 Schulen. Dies bereits zum dritten Mal. Die grosse Mehrheit der Schulkinder haben bei allen Testrunden (Sommer 2020, Herbst 2020, Frühling 2021) mitgemacht. Gemäss der Universität Zürich erlaube dies nun einen aussagekräftigen Langzeitvergleich.

Zum Vergleich: Im letzten Juni wurden erst bei zwei Prozent der Schülerinnen und Schüler Corona-Antikörper festgestellt. Nun ist die Infektionsrate vergleichbar mit jener des Lehrpersonals und der Eltern. Es gab keine wesentlichen Unterschiede bei Alter und Geschlecht – mit Ausnahme, dass Schülerinnen und Schüler der Oberstufe etwas weniger betroffen waren.

Long Covid bei Kindern selten

Erfreulich sei, so die Studienmacher, dass eine Mehrzahl der Schulkinder, die eine Infektion durchgemacht haben, die gebildeten Antikörper über mindestens sechs Monate behalten haben. Der Anteil lag bei 80 Prozent, nur jede oder jeder Fünfte hatte keine Antikörper mehr. Die Experten betonen aber, dass noch unklar sei, wie lange die natürliche Immunität anhält.

Ein Drittel der infizierten Kinder litt unter Krankheitssymptomen, Long Covid trat aber nur selten auf. Die Experten der Universität Zürich gehen davon aus, dass etwa zwei Prozent der infizierten Kinder Langzeitsymptome zeigen, die mit Corona in Zusammenhang stehen können. Von den untersuchten Kindern musste keines wegen einer Corona-Erkrankung ein Spital aufsuchen.

Massnahmen sind nach wie vor nötig

Eine Häufung von Covid-19-Fällen trat in jeder fünften Klasse auf. In der ersten und zweiten Testphase trat das sogenannte Clustering weniger häufig auf. Der Anstieg ist im Vergleich zu den durchgemachten Infektionen ungefähr proportional. Es müsse jedoch noch untersucht werden, so die Studie, ob die Infektionen gleichzeitig oder nacheinander stattfanden.

Aufgrund der Resultate der Studie empfiehlt die Universität Zürich weiterhin ein Paket von Massnahmen an den Zürcher Schulen. Einzelne Massnahmen seien nur wenig erfolgversprechend. Auch für die Zürcher Bildungsdirektorin Silvia Steiner ist klar: «Es braucht ein Gleichgewicht zwischen sicheren, verhältnismässigen und praktikablen Massnahmen.»

Maskenpflicht an Schulen wird gelockert

Die Zürcher Schulen setzen aktuell neben individuellen Schutzkonzepten auf eine Maskentragpflicht und auf Massentests, sollte es zu einem Ausbruch kommen. Zudem haben sich bereits 180 Schulen für repetitive Testungen angemeldet.

Portrait der Zürcher Bildungsdirektorin Silvia Steiner
Legende: Die epidemiologische Entwicklung erlaube gewisse Lockerungen an den Zürcher Schulen, sagt Bildungsdirektorin Silvia Steiner. Keystone

Nun soll es aber teilweise zu Lockerungen kommen. So wird an der Zürcher Volksschule die Maskentragpflicht im Freien Ende Mai aufgehoben. Schwimmunterricht, so die Bildungsdirektion, sei ab der 4. Klasse wieder möglich. Und auch Schulveranstaltungen seien unter Einhaltung der Bundesvorgaben wieder erlaubt.

Weitere Messungen im Herbst 2021 geplant

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Fast 170 Millionen Kinder weltweit können oder konnten wegen der Pandemie mehr oder weniger lang nicht in die Schule gehen. Die Schweiz hat nach den Schulschliessungen der ersten Welle im Frühjahr 2020 entschieden, die Schulen offenzuhalten.

Die Epidemiologin Susi Kriemler von der Universität Zürich hat im Sommer 2020 mit einem Team die Studie «Ciao Corona» aufgesetzt. Es war klar, sagt sie: «Dass wir Daten brauchen, insbesondere ein Monitoring. Daten, die zeigen, wie der Verlauf der Infektion bei den Kindern im Schulsetting funktioniert.» Dreimal haben die Forscher seitdem gemessen, ob Kinder und Jugendliche an 55 Zürcher Schulen Antikörper im Blut haben. Im Herbst 2021 will Kriemler wieder Messungen machen. Ob die Schulen mitmachen und das Projekt finanziert wird, ist offen.

Ihre Bilanz, wie sich die offenen Schulen im Kanton Zürich auf Infektionen unter Schülern und Lehrpersonen ausgewirkt haben, fällt positiv aus. «Es war sinnvoll, dass man die Schulen offen gehalten hat.» Aber: «Die ganzen politischen Entscheidungen basieren nicht nur auf der Wissenschaft. Es gibt noch ganz viele Gründe, warum man etwas so oder anders entscheidet.» Sie als Wissenschaftlerin liefere nur die Fakten. Politische Entscheide könne man alleine damit nicht fällen oder begründen.

Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 21.05.2021, 12:03 Uhr;

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29 Kommentare

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  • Kommentar von Dorothee Meili  (DoX.98)
    Eben habe ich noch den RadioSRF1-Rendez-vous ("isch eifach e gueti Sändig!")-Beitrag zu dieser Studie gehört: Frau Zöfel hat das Ganze hier sehr gut und klar eingeordnet und alles, was aus der Meldung allein als Alarmsignal hat auftauchen können, im Zusammenhang dargestellt. ich hoffe sehr, dass es für eine Weiterführung der Studie Ressourcen und Unterstützung aller Art gibt.
  • Kommentar von Ursula Stöckli  (Lac Léman-Fan)
    Endlich bewegt sich etwas zu Gunsten der maskengeplagten Kinder, etwas Richtung normalatmendes-Kind-sein-dürfen, auch wenn dies vorerst nur auf dem Pausenplatz erlaubt geschieht. Ich wünsche mir, dass dieses bisschen Normalität, das hier den Schulkindern zurückgegeben wird, wellenartig überschwappt in alle anderen Kantone, und auch in die Schulzimmer hinein.
  • Kommentar von Tobias Haas  (ToHa)
    alles in allem zeigt das für mich folgendes:
    1. Eine Impfung für Kinder ist überflüssig wenn Risikogruppen geimpft sind, sie immunisieren sich gratis selber. Sie stecken sich war an (an den Erwachsenen?), werden aber kaum krank. Long Covid spielt keine Rolle.
    2. Kinder infizieren sich gleich häufig wie Erwachsene, daher ist Schule tatsächlich kein Treiber der Pandemie.
    3. Schule offen halten war absolut richtig.
    1. Antwort von Markus Wildermuth  (MWILD)
      Vielen Dank Herr Haas, Ihre Einschätzung bringt es auf den Punkt
    2. Antwort von Werner Vetterli  (KlingWe)
      @Haas: Das sehe ich differenzierter. Schulen waren von Beginn weg Hotspots. Denn in der Schule sind die Kinder sehr nahe beisammen. Woher die Erstinfektion kam ist sekundär. Aber die Weiterverbreitung in der Familie war entscheidend.
      Das Ganze hat nichts mit oder gegen Kinder am Hut, sondern sind logische Schlüsse.
    3. Antwort von Katrin Maier  (Katma)
      Ich stimme Ihnen in den Punkten zu, dass es unglaublich wichtig und richtig war/ist, die Schulen offen zu halten. Zudem scheinen Kinder keine Treiber der Pandemie zu sein.

      Jedoch glaube ich, dass auch Kinder sich impfen lassen sollen. Nicht für andere, sondern für sich. Long Covid ist selten, aber ist nicht auszuschliessen. An Covid zu erkranken birgt also dieses Risiko. Die Impfung nicht.
    4. Antwort von Dorothee Meili  (DoX.98)
      @Werner Vetterli: dass Schulen "hotspot" waren, ist eine Behauptung. Aber: sollen wir jetzt lachen oder heulen? es gibt natürlich keine Vergleichssstudie mit Kindern, für die die Schulen zu waren. Denn: wo haben/hätten sich vergleichbare, sich Kinder in losen Mischungen aufgehalten? v.a. zwischendurch. Und: dass in dieser ganzheitlichen Situation der Schaden für nicht oberprivilegierte Kinder nicht zu unterschätzen ist, zeigen diesbezügliche Nachstudien aus dem Frühling gerade im KtZH