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Pandemie in der Schweiz Corona-Situation: Es ist wieder gleich – und doch ganz anders

Mitte März verhängte der Bundesrat die ausserordentliche Lage und sagte, vereinfacht gesagt, zwei Dinge: Wir fahren das öffentliche Leben im Land herunter und wir federn das wirtschaftlich ab. «Wir lassen euch nicht im Stich», rief Bundespräsidentin Sommaruga der Wirtschaft zu.

Und schon knapp zwei Wochen später erläuterte Finanzminister Maurer in aufgeräumter Stimmung und nicht ohne Stolz, wie einfach Corona-gebeutelte KMU innert 30 Minuten von ihrer Hausbank bis zu einer halben Million Franken Kredit bekommen können.

Weniger Entschlossenheit in der Politik

Sieben Monate später ist die Reaktion der Politik ganz anders – weniger entschlossen, weniger koordiniert. Die Massnahmen sollen weiter verschärft werden, aber mit dem wirtschaftlichen Auffangnetz tut sich die Politik viel schwerer.

Das zeigten die Aussagen von zwei Bundesräten am Samstag exemplarisch: Bundespräsidentin Sommaruga betonte bei einem Besuch im Berner Inselspital, der Bundesrat werde weitere Massnahmen beschliessen müssen – sehr bald. Zur gleichen Zeit sprach der Finanzminister vor den SVP-Delegierten und sagte: Noch einmal ein 30 Milliarden Hilfspaket könne sich die Schweiz nicht leisten.

Betroffene fühlen sich im Stich gelassen

Da ist es nicht überraschend, dass sich die Betroffenen – vom Clubbetreiber über den Wirt bis zur Musikerin – jetzt so fühlen, wie es die Bundespräsidentin im Frühling vermeiden wollte: im Stich gelassen. Natürlich laufen einige Unterstützungsmassnahmen weiter. Und neue werden diskutiert, versprochen, in Aussicht gestellt.

Aber das Tempo ist langsamer geworden. Der Fonds für Härtefälle zum Beispiel soll erst im Februar bereitstehen, wenn es für manch' einen Betrieb vielleicht schon zu spät ist.

Winter sorgt kaum für Optimismus

Es scheint, nach acht Monaten Corona ist dem Bundesrat der Grundoptimismus, die Gestaltungskraft und etwas auch die Geschlossenheit abhanden gekommen.

Das liegt sicher auch am entscheidenden Unterschied zwischen damals und heute, zwischen März und Oktober: Damals versprach der Sommer, die warme Jahreszeit, baldiges Licht am Ende des Tunnels. Jetzt aber kommt der Winter, der den Viren naturgemäss wohlgesinnt ist. Das verstärkt die Unsicherheit.

«Wir leben in einer spannenden Zeit», sagte Ueli Maurer Ende März. Auch das würde er heute wohl etwas anders formulieren.

Curdin Vincenz

Curdin Vincenz

Bundeshausredaktor, SRF

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Vincenz berichtet seit 2016 für Radio SRF über das Geschehen im Bundeshaus. Zuvor war er unter anderem als Regionalkorrespondent in Zürich und als Moderator der Sendung «Rendez-vous» tätig. Er hat an der Universität Bern Geschichte und Politikwissenschaft studiert.

(Bild: Emma P. Weibel)

Echo derZeit, 24.10.2020, 18.00 Uhr

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186 Kommentare

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  • Kommentar von Adi Lieberherr  (1978)
    Weden von den Behörden genug Kontrollen für die Umsetzung der Kontrollen gemacht. Das wäre sehr wichtig. Ich weiss z.b von einem Bergrestaurant, wo die Maskenpflicht nicht eingehalten wierd. Nicht einmal der Wirt der sogar noch Serviert hatte eine Maske an.
    Adi Lieberherr Goldau
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  • Kommentar von Stefan Furger  (Stefan sixtytwo)
    Ich verstehe die Hysterie nicht.
    Heute auf einer Wanderung auf den Napf gewesen. Meine Mitbürger halten sich weder an Hygiene- Abstandsregeln und durchseuchen selber da musst der BR nichts machen geht von selbst. Töff- und Velogruppen in zahlreicher Zahl unterwegs, Durchseuchung auch gut und am Montag zur Arbeit und dort geht's weiter.auf
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  • Kommentar von Daniel Ast  (kona2022)
    Welchen Umgang wünscht sich eigentlich die Gesamtbevölkerung? Wieviele Spitalbetten oder Intensivpflegestationen würden wir bereithalten - im Wissen vom März 2020 und jetzt? Wie würden wir entscheiden, wenn es Dezember 2019 wäre? Ich würde weniger testen und hätte von Anfang an transparent und nachvollziehbar kommuniziert. Die Ziele müssen SMART definiert sein. Massnahmen müssen Sinn machen. Das Vertrauen fehlt in vielen Bereichen. Darum leidet der Support. Vielen Dank ans Pflegepersonal.
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