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Legende: Audio Streit um den Pannenzug: Schlechte Karten für die SBB abspielen. Laufzeit 02:36 Minuten.
Aus Echo der Zeit vom 05.03.2019.
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Pannenzug «Dosto» Bombardier treibt die «kleine» SBB vor sich her

SBB und Bombardier begegnen sich nicht auf Augenhöhe: Hier der schweizerische Bundesbetrieb, da der kanadische Flugzeug- und Schienenfahrzeugbauer, börsenkotiert. Für die SBB geht es um die grösste Beschaffung ihrer Geschichte. Für den Weltkonzern Bombardier ist der Auftrag nicht unbedeutend, aber doch einer unter vielen.

So unterschiedlich sie sind, so unterschiedlich verhalten sich die beiden Partner: Die SBB eher konstruktiv und lösungsorientiert, Bombardier knallhart und kompromisslos Das zeigt die Lektüre zahlreicher interner Dokumente aus den ersten Jahren nach der Vergabe: Bombardier ist bestrebt, den eigenen finanziellen Schaden mit allen Mitteln zu begrenzen. Die Lieferantin streitet jeden Fehler ab.

Von Bombardier in die Ecke gedrängt

Sie versucht darüber hinaus, die SBB für alles verantwortlich zu machen. Sogar für einen Konstruktionsfehler, der in einem Bombardier-Werk begangen wurde. Nicht anders bei der Lieferverspätung: Die SBB und ihre vielen Änderungswünsche seien daran Schuld, teilte Bombardier ihrer Kundin in einem Brief vor sechs Jahren mit. Die SBB müsse sie dafür entschädigen.

Diese Abwehrstrategie zieht sich offenbar bis heute weiter: So findet Bombardier, die bisher gelieferten Züge seien funktionstüchtig genug für den schweizweiten Einsatz. Dies, obwohl bei jeder zehnten Fahrt der Zug zu spät ankommt oder gar nicht.

SBB in einer Position der Schwäche

Die SBB hat offenbar nicht rechtzeitig erkannt, was für ein Spiel da gespielt wird. Sie hätte früh dezidierter auftreten und Bombardier die Stirn bieten sollen. Zum Beispiel in dem Moment, als sie Ausstiegsszenarien prüfte.

Nun ist sie in der schwächeren Position, sie braucht die neuen Fernverkehrszüge dringend, um die steigende Zahl der Passagiere zu befördern. Wenn sich die Lieferung der neuen Züge noch weiter verspätet, drohen ihr ernsthafte Rollmaterial-Engpässe. Das weiss Bombardier - und wird es ausnützen.

Am Ende entscheiden wohl die Gerichte

Für die SBB sind das schlechte Voraussetzungen. SBB und Bombardier arbeiten nun gemeinsam mit Hochdruck daran, die pannenanfälligen Züge flott zu machen. Erst nachher werde abgerechnet, bekunden beide für einmal gleichlautend. Das ist der einzige Weg vorwärts, denn sonst droht das Projekt endgültig in einem juristischen Hickhack unterzugehen.

So aber verwickelt sich die SBB immer stärker in das Projekt. Was es für Bombardier ermöglicht, sie mitverantwortlich zu machen. Die Erfahrung der letzten Jahre lässt keinen anderen Schluss zu, als dass ein erbitterter Rechtsstreit bevorsteht, darüber, wer für die Kosten des verspäteten Fernverkehrszuges aufkommen muss. Das könnte die SBB teuer zu stehen kommen.

Priscilla Imboden

Priscilla Imboden

Bundeshausredaktorin, SRF

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Priscilla Imboden ist schweizerisch-amerikanische Doppelbürgerin und war vier Jahre lang als USA-Korrespondentin für SRF tätig, bevor sie zur Bundeshausredaktion von Radio SRF stiess. Davor arbeitete sie bereits während acht Jahren in der Wirtschaftsredaktion von Radio SRF in Bern.

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66 Kommentare

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  • Kommentar von M. Keller  (MK)
    Warum sollte es zwischen einem Schweizer - und einem Ausländischen Partner anders verlaufen als in vielen anderen Fällen zuvor? Zu nennen sind hier z.B. unsere Banken, das Hickhack mit der EU, insbesondere Brüssel und dem Herrn Junker, usw. Am Anfang sind wir (angeblich) immer auf 'Augenhöhe', was sich dann aber relativ schnell ändert. Und da wird uns Schweizern halt das allseits 'gut glauben' jedes mal wieder zum Verhängnis.
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    1. Antwort von Peter Isler  (SchweizerQualität)
      Naiv ist, zu glauben, dass dies auch nur im Ansatz mit schweizerisch oder nicht schweizerisch zu tun hat.
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  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey  (Jean-Philippe Ducrey)
    Ob Stadler die Angelegenheit mit der Wankkompensation oder der Türsteuerung besser im Griff gehabt hätte, sei einmal dahingestellt. Was aber sicher ist, dass auch Stadler mit den SBB dieselben Diskussionen betreffend den nachträglichen Änderungen und den daraus folgenden Lieferverzögerungen hätte. Vielleicht werde ich hier nun ungespitzt in den Boden gebasht, wenn ich behaupte, dass die IV-Verbände da mit ihren Forderungen da doch etwas arg übertrieben haben und unnötige Kosten verursacht haben.
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    1. Antwort von Max Wyss  (Pdfguru)
      Sie können sicher sein, ich haue Sie NICHT ungespitzt in den Boden; ich halte einen Schild zum Schutz. Es ist oft so bei "Interessenverbänden", dass die Interessen der Betroffenen nicht im Vordergrund stehen, sondern ein Geltungsbedürfnis der Mitglieder deren Vorstands. (und nun muss ich wohl einen Schild hochfahren…).
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    2. Antwort von Roger Stahn  (jazz)
      Eigentlich wäre es einfach, wenn auf allen Seiten professionell gearbeitet worden wäre. Alles was nicht im Pflichtenheft oder Lastenheft akribisch aufgeführt ist, jedoch zusätzlich gewünscht wird, kostet zusätzlich und schiebt die Lieferfrist nach hinten. Wird die Lieferfrist nicht eingehalten, so gilt die abgemachte Konventionalstrafe. Fehlen Leistungen, die jedoch im Pflichtumfang ausgeführt sind, müssen diese ohne Zusatzkosten nachgeliefert werden. Ansonsten, Übung abbrechen und vor Gericht..
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  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey  (Jean-Philippe Ducrey)
    Man sollte das Thema differenzieren: 1. Die Wankkompensation, die nicht immer funktioniert und deshalb für die Passagiere unangenehm ist und im Betrieb Verspätungen/Kosten verursacht. Hier liegt der Ball bei Bombardier. 2. Die nachträglichen Änderungswünsche, die aufgrund von juristischen Verfahren (Klagen von Behindertenverbänden) eingebracht werden mussten. Das verursacht massive Mehrkosten und Lieferverzögerungen. Hier liegt der Ball bei den SBB.
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    1. Antwort von Max Wyss  (Pdfguru)
      Das wurde ja auch 2013/14 in den Abmachungen zwischen SBB und Bombardier abgegolten (Bombardier liefert 3 zusätzliche Züge). Was nachher passierte, wird Gegenstand weiterer Verhandlungen (eventuell halt vor Gericht).
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