Es ist Freitagabend, in einer Turnhalle, in der Nähe des Basler Schützenmattparks. Zehn Personen wärmen sich auf. Unter ihnen auch der 21-jährige Dion Syla aus Olten. Er möchte unbedingt zur Polizei: «Es ist mein Traumberuf.» Nach dem Hindernisparcours muss Syla einen 12-Minuten-Lauf absolvieren und genügend sogenannte Tiger-Liegestützen in einer bestimmen Zeit machen.
Das Bootcamp sei in erster Linie dazu da, Interessierte auf die Polizeischule vorzubereiten, sagt Dimitri Perrin, Co-Leiter bei der Rekrutierung der Basler Polizei: «Der Sport ist einer unserer ersten und grössten Filter. Bei den meisten, die beim Rekrutierungsprozess rausfliegen, ist der Sport der Grund dafür.» Wer hingegen das Bootcamp absolviert habe, sei besser auf die Polizeischule vorbereitet.
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Bild 1 von 3. Zum Bootcamp bei der Basler Polizei gehört ein Hindernislauf. Bildquelle: SRF.
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Bild 2 von 3. Innerhalb kurzer Zeit müssen verschiedene Hindernisse überwunden werden. Bildquelle: SRF.
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Bild 3 von 3. Männer müssen innert 90 Sekunden mindestens 25 Tiger-Liegestützen machen, Frauen 20. Bildquelle: SRF.
Sicherheitsdirektorin Stephanie Eymann ist von den Bootcamps überzeugt: «Diese Bootcamps sollen die Angst nehmen vor der Prüfung. Sie sind aber auch eine Vorbereitung, um zu zeigen, was auf die Leute zukommt.» Das dritte solche Bootcamp ist gerade dieses Wochenende über die Bühne gegangen.
Die Basler Kantonspolizei hat besonders Bedarf, neue Talente zu rekrutieren. Aktuell sind 120 Stellen beim Korps nicht besetzt, zahlreiche Angestellte haben viele Überstunden. Mit Plakaten und Social-Media-Videos wirbt die Polizei deshalb für sich.
Berufsverband fordert höheren Lohn
Die Bootcamps seien ein Mosaikstein, um mehr Leute für den Polizeiberuf zu rekrutieren, sagt Harald Zsedényi, Vizepräsident des Basler Polizeibeamtenverbands: «Das ist eine gute Sache, ein guter Schritt. Aber wir müssen noch viel mehr machen – sehr wichtig sind etwa die Löhne.» Aktuell laufen politische Verhandlungen, um die Löhne im Polizeikorps zu heben.
Die Polizei in Basel-Stadt hat stürmische Zeiten hinter sich. Ein externer Bericht brachte grosse Missstände ans Licht, von Rassismus, Sexismus und einer Angstkultur war die Rede. Der Polizeikommandant und verschiedene Kaderstellen wurden seither ausgewechselt. Geändert hat sich aber etwa auch die Art und Weise, wie Schichten geplant werden.
Freundlicher Umgangston ist wichtig
Das reiche aber nicht, sagt die zuständige Regierungsrätin Stephanie Eymann: «Der Umgangston ist ganz wichtig. Wer in die Polizei will, tut das, weil er oder sie Menschen helfen will. Diese Menschen müssen wir freundlich bei uns begrüssen.» Die Zeiten des Anbrüllens seien bei der Polizei vorbei.
Insgesamt habe sie aber das Gefühl, dass der Wind langsam drehe bei der Basler Polizei. Das Interesse für die Ausbildung steige: «Wir haben jetzt das zweite Mal in Folge eine volle Polizeischule. Das ist ein tolles Signal.»
Zurück in der Turnhalle trocknet sich Aspirant Dion Syla den Schweiss von der Stirn. Das Bootcamp sei eine Herausforderung gewesen, speziell die Tiger-Liegestützen. Syla hat den Sporttest im Bootcamp aber bestanden und weiss jetzt, wo er sich noch verbessern muss: «Vielleicht etwas mehr joggen gehen und weniger rauchen in meiner Freizeit.»