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Legende: Audio Corina Gredig – eines der neuen Gesichter der GLP abspielen. Laufzeit 04:53 Minuten.
04:53 min, aus Echo der Zeit vom 06.04.2019.
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Plötzlich hip Grünliberale im Aufwind

Die Grünliberalen sind im Hoch und können gestärkt in den nationalen Wahlkampf einsteigen. Vor vier Jahren sah es ganz anders aus: Bei den Wahlen im Jahr 2015 stürzte die Partei regelrecht ab. Sie galt als kalt und herzlos. Die Politiker wurden als Technokraten bezeichnet, die das Wahlvolk nicht erreichten.

Der «Excel-Politiker», ein Kalkulator wurde der ehemalige Parteipräsident Martin Bäumle genannt. Eine «blutleere» Partei , sagte der Politbeobachter Michael Hermann vor fünf Jahren. Seither hat sich einiges verändert.

Von den Nerds zu den Hipstern

Im Jahre 2019 ist alles anders: Die GLP gewinnt wieder Wahlen, ist plötzlich hip bei Jungen und bei den Frauen. Corina Gredig ist eines dieser jungen, weiblichen Gesichter der GLP. Die 31-Jährige ist seit Ende letzten Jahres Co-Präsidentin der Grünliberalen im Kanton Zürich.

Sie will die Art, wie die GLP Politik macht, ändern: «Vielleicht hat man vor zehn Jahren einfach einen Vorstoss eingereicht. Damit hatte es sich. Heute reichen wir nicht nur einen Vorstoss ein, sondern denken uns einen guten Tweet aus, produzieren vielleicht noch ein Video und rufen zu Spenden auf, damit wir möglichst viele Menschen erreichen.»

Corina Gredig leitet auch das so genannte GLP Lab, ein Ideenlabor, offen auch für Nicht-Parteimitglieder. Das Lab soll jenen eine politische Karriere ermöglichen, die keine traditionelle Ochsentour durch die Partei machen wollen. Vorbild sind Bewegungen wie die Operation Libero oder der aussenpolitische Think-Tank Foraus.

Mit diesen Organisationen will sich die GLP in Zukunft verstärkt vernetzen. Auch die Art des Politisierens soll sich ändern. Die Politik soll «erzählen». Nicht mehr nur harte Fakten und kalte Excel-Listen zählen, sondern auch Geschichten.

Gerne Technokrat

Einer, der lieber mit Grafiken und Statistiken argumentiert, ist Nationalrat Thomas Weibel. Er gehört zur Gründergeneration der Grünliberalen. Der 64-jährige Forstingenieur tritt nach zwölf Jahren im Nationalrat ab. Dass man ihn als Technokraten bezeichnete, das störe ihn nicht. «Als naturwissenschaftlich ausgebildeter Ingenieur war das für mich eher ein Lob,» sagt Weibel.

Dass die Partei als kalt und herzlos gilt, könnte auch mit ihren politischen Positionen zu tun haben. Beispiel Sozialhilfe: Da forderte die Zürcher Kantonalpartei, dass der Kanton Zürich aus der der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe Skos aussteige. Bei Corina Gredig klingt das heute anders. Für sie sei ein Austritt kein Thema.

Ein Links-Rutsch?

Vielleicht sind das bloss Nuancen. Doch auch migrationspolitisch könnte es Justierungen geben: Bei Asylthemen stimmten die Grünliberalen oft mit der SVP und der FDP. Hier könnten sich die jungen und urbanen Mitglieder anders positionieren wollen. Doch für Nationalrat Weibel braucht es keine politischen Änderungen.

Zürcher Co-Präsidentin Gredig zeigt sich da offener: «Die nächste Generation übernimmt die Arbeit. Wir sind eine Generation, die sehr digital und mobil ist. Da bringen wir andere Hintergründe mit.» In ökologischen und gesellschaftspolitischen Fragen stimmen die Grünliberalen meist mit den linken Parteien. Aus der Partei wird keine linke Partei. Aber sie könnte sich in einzelnen Sachfragen etwas nach links bewegen.

Und vor allem werden die Grünliberalen Geschichten erzählen wollen: Von einer Partei, die nicht mehr herzlos ist. Die Wählenden werden sich im Herbst überzeugen lassen. Oder auch nicht.

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40 Kommentare

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  • Kommentar von Dieter Sprenger (Dieter)
    Grundsätzlich dient der Umweltschutz allen und sollte nicht nur den linken Kräften überlassen werden. Allerdings hege ich an der GLP und deren Wählerschaft einige Zweifel ob diese sich auch Umweltfreundlich verhalten. Auf Grund von deren Gesellschaftlichem Niveau und gut situierter Stellung besitzen nicht wenige nebst dem EFH und SUV noch eine oder mehrere Ferienhäuser oder Wohnungen im Ausland, fahren oder fliegen mehrmals im Jahr dorthin ! Zudem ist die GLP eine der sozial kältesten Partei .
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  • Kommentar von Alex Bauert (A. Bauert)
    Die GLP war sogar nach dem Rückzieher der SVP noch für 500 CHF Franchise! Sie ist asozialer als SVP und FDP und hat nichts mit «liberal», sondern nur mit asozial zu tun. Man lese die WoZ (Wochenzeitung). Die haben das Abstimmungsverhalten der GLP im Nationalrat analysiert. Wer sozial UND grün ist, wählt die Grüne Partei.
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    1. Antwort von Janusz Kaltenbacher (anti_sozialist)
      Sie übertreiben leicht Herr Bauert, wenn man das Abstimmugsverhalten der GLP im Zürcher Kantonsrat betrachtet, dann stimmt die GLP mehr mit den Linken als mit den Rechten. Gleich im Luzerner Kantonsrat. Nicht ohne Grund denken Grüne und GLP über eine Fusion.
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  • Kommentar von werner zuercher (Werner Zuercher)
    Eine echte Umweltpartei täte Not. Es gäbe viel zu tun! Umweltverschmutzung, Plastik im Meer, Konsumwahnsinn, Geburtenkontrolle dritte Welt! Gegen Ausbeutung durch Globalisierung. Moderner Sklavenhandel durch Migration! 5G! Gegen Kriege, etc.! Aber leider sind Grüne, Grün Liberale nur Steinzeitsozialisten die sich ein grünes Mäntelchen überstreifen! Lieber von den echten Umwelt-Problemen Ablenken am natürlichen, notwendigen und Stabilen CO2 Knochen nagen, im Wissen, das es unnötiges nagen ist.
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