Zum Inhalt springen

Header

Navigation

Legende: Video «Vor dem Hintergrund der Gleichberechtigung müsste es bei den Frauen auch klappen.» abspielen. Laufzeit 00:26 Minuten.
Aus News-Clip vom 28.08.2019.
Inhalt

Politikerinnen unter Druck Kann man als junge Mutter Parlamentarierin sein?

Für Parlamentarierinnen ist die Vereinbarkeit von Politik und Familie ein Kraftakt. Kleine Kinder haben die wenigsten.

Es ist das Jahr der Frauen. Noch nie kandidierten so viele für das eidgenössische Parlament wie im Wahljahr 2019. Doch wie steht es um die Frauen in National- und Ständerat? Und als wie gut beurteilen sie die Vereinbarkeit des politischen Mandats mit Beruf und Familie?

Die «Rundschau» hat alle Parlamentarierinnen dazu befragt. 60 der 69 National- und Ständerätinnen haben teilgenommen. Die Umfrage zeigt: Die Vereinbarkeit ist für viele schwierig. Und linke Politikerinnen empfinden sie als schwieriger als bürgerliche.

Kinderlos oder erwachsene Kinder

75 Prozent aller befragten Frauen im Parlament haben erwachsene Kinder oder sind kinderlos. Mit 25 Prozent in der Minderheit sind Frauen mit minderjährigen Kindern. Noch seltener sind Kinder im Vorschulalter. Und die Kinder sind ungleichmässig verteilt:

Die grosse Mehrheit (86 Prozent) der bürgerlichen Frauen (alle Parteien ausser SP und Grüne) sind kinderlos oder haben erwachsene Kinder. Minderjährige Kinder haben lediglich 14 Prozent. Bei den Linken dagegen haben 40 Prozent minderjährige Kinder.

Bürgerliche: Politik kommt nach der Familie

Politikerin sein ist kein Vollzeitjob. Bedingt durch das Milizsystem gehen viele Frauen nebst dem politischen Mandat zusätzlich einer Erwerbstätigkeit nach. Doch die «Rundschau»-Umfrage zeigt, gerade Frauen aus dem linken Lager empfinden es als schwierig, neben Familie und Politik noch einem Beruf nachzugehen.

Frauen im Parlament

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Frauen sind im nationalen Parlament in der Minderheit. Im Nationalrat beträgt ihr Anteil 31 Prozent. Im Ständerat 13 Prozent. Bei den nationalen Wahlen vom 20. Oktober soll der Frauenanteil erhöht werden. Aus der Forschung ist bekannt: «Mehr Frauen auf den Listen führen zu mehr Frauen in der Politik», sagt Politologin Cloé Jans. Die höchsten Frauenanteile haben SP und Grüne mit 50, bzw. 58 Prozent. Bei SP und Grünen gilt für Wahllisten das Prinzip der Parität (geschlechter-ausgeglichene Wahllisten). Die FDP hat von den grossen Parteien mit insgesamt 15.5 Prozent den kleinsten Frauenanteil im eidgenössischen Parlament.

Während bei den Bürgerlichen über 80 Prozent der Frauen berufstätig sind, sind es bei SP und Grünen nur 45 Prozent. Auffallend ist: Frauen aus beiden Lagern arbeiten selten mehr als 50 Prozent.

Wie gut gelingt es den Parlamentarierinnen die einzelnen Lebensbereiche unter einen Hut zu bringen? Auch hier sind die Frauen nach politischen Lagern gespalten. Insgesamt geben 60 Prozent der befragten Frauen an, die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Politik funktioniere gut.

Die Vereinbarkeitsfrage wird jedoch von den bürgerlichen Frauen positiver bewertet als bei den Linken. Bei SP und Grünen sagen nur 45 Prozent, es funktioniere gut. Zudem zeigt sich bei den Volksvertreterinnen aller Parteien: Ohne flexible Arbeitszeiten durch den Arbeitgeber könnten sie nicht zusätzlich auch ein politisches Mandat ausüben.

Gescheiterte Vereinbarkeit?

Die Anforderungen der Parlamentarierinnen im Schweizer Milizsystem sind für viele eine Herausforderung. So sagt eine Nationalrätin: «Heute sind meine Kinder erwachsen. Jetzt funktioniert es gut! Bis es aber so weit war, war die intensive Dreifachbelastung praktisch ein Ding der Unmöglichkeit.»

Eine weitere hält fest: «Es ist eine kleine Zumutung um ehrlich zu sein.» Als Herausforderungen werden Abendtermine, lange Sitzungen, keine Vertretung bei Mutterschutz, die Erreichbarkeit für Medien an Abenden und Wochenenden und unregelmässige Sessions-Zeiten genannt.

Auch Frauen aus dem bürgerlichen Lager bestätigen die grosse Belastung. So sagt eine Vertreterin der FDP: «Die zeitliche Beanspruchung in der Politik ist gross, weshalb die Vereinbarkeit nur bei einer grösstmöglichen Flexibilität des Umfelds – familiär und beruflich – funktioniert.»

Neue Rezepte gefragt?

Für die Präsidentinnen der FDP und CVP Frauen, Doris Fiala und Babette Sigg, sind die Resultate der Umfrage eindeutig. Beide sind der Meinung, dass es eine Illusion sei, Familie, berufliche Karriere und Politik unter einen Hut bringen zu können.

Es brauche neue Rezepte zur Frauenförderung, so Nationalrätin (FDP/ZH) Fiala. «Wir Frauen sind es, die die Kinder gebären und stillen. Wir müssen einmal ehrlich sein.»

Legende: Video «Wenn wir ehrlich sind, sind berufliche Karriere, Parlament und Kinder fast nicht unter einen Hut zu bringen» abspielen. Laufzeit 00:38 Minuten.
Aus News-Clip vom 28.08.2019.

Fiala sagt, sie wolle keine Frauen ausschliessen. Sie sei aber der Meinung, eine politische Karriere müsse nicht zwingend mit 25 beginnen. Sie schlägt deshalb vor, insbesondere ältere Frauen für die Politik zu gewinnen. «Wenn wir ganz ehrlich sind, ist der Dreiklang, berufliche Karriere – oder einfach einen Beruf haben – im Parlament sein und noch Kinder aufziehen, fast nicht unter einen Hut zu bringen.»

Ein «Affront» für die Linken

Für die Linken zeigt die Umfrage, dass viel mehr die Rahmenbedingungen angepasst werden müssten, damit die Vereinbarkeit in Zukunft besser gelinge. Die Zürcher Nationalrätin und Geschäftsleitungsmitglied der SP Frauen Schweiz, Min Li Marti, sagt, das Parlament und dessen Organisation basiere auf Strukturen des 19. Jahrhunderts und trage den heutigen gesellschaftlichen Bedingungen keine Rechnung.

Legende: Video «Bürgerliche Männer können ja auch Kinder haben und Politik machen» abspielen. Laufzeit 00:26 Minuten.
Aus News-Clip vom 28.08.2019.

Zum Vorschlag von Doris Fiala sagt sie. «Ich bin etwas entsetzt, dass eine Frauenpräsidentin dies sagt. Das wäre völlig gegen unser Milizsystem.» Die Co-Präsidentin der SP-Frauen, Natascha Wey ergänzt: «Bürgerliche Männer können ja auch Kinder haben und Politik machen. Und ich bin der Meinung, es ist die Aufgabe der Politik dafür zu sorgen, dass Frauen mit Kindern – egal ob links oder rechts – Politik machen können.» Die Haltung der Bürgerlichen sei ein Affront gegenüber all jenen Frauen, die heute auf nationaler, kantonaler und kommunaler Ebene Politik, Beruf und Familie unter einen Hut brächten.

Vor dem Hintergrund der Gleichberechtigung müsste es bei den Frauen auch klappen.
Autor: Cloé JansPolitologin, GFS Bern

Politologin Cloé Jans vom GFS Bern will die Rezepte der Parteien zur Frauenförderung nicht kommentieren. Doch aus der Forschung sei bekannt, dass nur eine politische Kultur, die Frauen explizit fördere, zu mehr Frauen in politischen Ämtern führe. Und zum Anspruch der Linken, die Vereinbarkeit müsse auch für Frauen mit kleinen Kindern und beruflicher Karriere möglich sein, sagt Jans: «Wenn man die Rezepte vor dem Hintergrund der Gleichberechtigung misst, müsste man sagen, wenn es die Männer können, dann müsste es bei den Frauen auch klappen.»

Die «Rundschau»-Umfrage

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Die «Rundschau» hat zwischen dem 14. Juli und 14. August eine Online-Umfrage bei allen Parlamentarierinnen von National- und Ständerat durchgeführt. 60 der 69 amtierenden Volksvertreterinnen haben an der Umfrage teilgenommen (87 Prozent). Ziel der Umfrage war ein Realitätscheck: Als wie gut beurteilen die Parlamentarierinnen die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Politik?

«Rundschau»

«Rundschau»

Mehr zum Thema in der «Rundschau» um 20.05 Uhr auf SRF 1.

Schliessen

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

5 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von David Huser  (Dave21)
    «Bürgerliche Männer können ja auch Kinder haben und Politik machen. Und ich bin der Meinung, es ist die Aufgabe der Politik dafür zu sorgen, dass Frauen mit Kindern – egal ob links oder rechts – Politik machen können.»

    NEIN ist es nicht.

    Es ist die Aufgabe der Eltern und zwar beider Elternteile eine Lösung zu finden die der ganzen Familie dient.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Irene Dirren  (Rugi64)
    Kinderbetreuung ist in erster Linie Sache der Eltern. Sobald das Kind nicht mehr gestillt wird, sind beide für das Kind verantwortlich. Wenn die Frau Karriere macht, muss eben der Mann die Kinderbetreuung übernehmen oder umgekehrt. Das muss aber das Paar selber entscheiden und nicht der Staat. Wenn beide Karriere machen möchten, wäre es besser auf Kinder zu verzichten, oder man hat mit Freunden, Grosseltern etc. eine gute Lösung. Es kann nicht sein, dass der Staat die Kinderbetreuung übernimmt!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Markus Hausammann  (Markus Hausammann)
      Mit den allermeisten Punkten in Ihrem Statement bin ich sehr einverstanden. Gleichstellung bedeutet auch, dass nach dem Stillen von keinem Elternteil mehr oder weniger erwartet wird, was die Kinderbetreuung angeht! Jede Familie muss ihre Lösung finden und grundsätzlich müssen beide Elternteile dieselben Chancen haben auf Karriere! Ich denke jedoch, dass der Staat durchaus ein Interesse daran haben könnte, Kinderbetreuung zu unterstützen. Vor allem auch dann, wenn ein einkommen nicht mehr reicht!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Markus Hausammann  (Markus Hausammann)
    Kann man als junger Vater Parlamentarier sein?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen