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Eine Wahl-App soll Junge für Politik interessieren
Aus 10 vor 10 vom 09.10.2020.
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Politologin im Interview Kann man mit Wahl-Apps Junge für Politik begeistern?

Die App CH+ will mehr junge Menschen für Politik begeistern. Für die Regierungs- und Parlamentswahlen in Basel kommt die App zum ersten richtigen Einsatz. Die Politologin Stefanie Bailer von der Universität Basel erklärt, was junge Wählerinnen und Wähler von der Urne fernhält und wo Chancen und Grenzen von digitalen Tools liegen.

Stefanie Bailer

Stefanie Bailer

Politologin

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Prof. Dr. Stefanie Bailer ist seit 2015 Professorin für Politikwissenschaft an der Universität Basel. Zuvor arbeitete sie an der ETH Zürich sowie der Universität Zürich.

SRF News: Die Jungen unter 30 Jahren beteiligen sich an Wahlen und Abstimmungen deutlich weniger als ältere Menschen. Warum?

Stefanie Bailer: Den Jungen fehlt in diesem Alter noch die Gewohnheit, wählen zu gehen. Sie sind mit anderen grossen Themen beschäftigt, wie Job- und Partnersuche. Da fehlt manchmal auch die Zeit, sich über politische Themen zu orientieren. In diesem Alter ist man auch noch nicht so umgeben von anderen Menschen, die regelmässig wählen und darüber sprechen. Diese Gewohnheit muss sich erst entwickeln.

Ist das aus Ihrer Sicht schade?

Es wäre schon wünschenswert. Wenn mehr Junge wählen, sind auch ihre Interessen besser vertreten. Stichwort Brexit: Bei diesem Referendum sind viele Junge nicht an die Urne gegangen, während viele Ältere aber für den Brexit gestimmt haben. Die Konsequenzen aber müssen die Jungen tragen.

Die App CH+

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Design-Absolventin Sophie Walker von der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) möchte mit ihrer Web-App mehr junge Menschen für Politik begeistern. Die App beinhaltet die spielerische Funktion des Swipens, wie auf einer Dating-App. So soll man Politikerinnen und Politiker auf dem Smartphone nach rechts (like) oder links (dislike) wischen können. Das so lange, bis man sich durch alle Kandidierenden «gewischt» hat. Danach kann die Liste der gelikten Personen bearbeitet werden.

Es gibt viele Projekte und Initiativen, um die Jungen an die Urne zu bringen. Es gibt Apps, die das auf dem elektronischen Weg versuchen. Hilft dieser Ansatz, um den Zugang zu erleichtern?

Ja, das ist auf jeden Fall geeignet. Das ist für die Jungen der Zugang. Man weiss inzwischen auch, dass mit solchen Tools das Interesse und die politische Informiertheit steigen. Und das sind zwei wichtige Faktoren. Das Spannende ist aber, jene jungen Menschen zu erwischen, die politisch gar nicht interessiert sind. Diese müsste man dazu bringen, sich mit so einem Tool auseinander zu setzen. Am besten in der Schule, dort erwischt man gleich alle auf einmal. Auch jene, die kein oder wenig politisches Interesse haben und in einem Umfeld sind, wo nicht über Politik geredet wird.

Junge Männer und Frauen sitzen in Reihen an Tischen
Legende: Sie sind politisch interessiert – auch ohne App: Delegiertenversammlung der Juso 2015. Keystone

Sie haben die CH+-App getestet. Was ist Ihr Eindruck?

Sie ist gut gemacht. Die Fragen, die man beantworten muss, sind nahe an jenen Themen, die in Basel diskutiert werden. Natürlich könnte man das spielerische Element noch stärker gewichten. Aber dann entfernt man sich unter Umständen wieder von den politischen (Basler) Inhalten. Das ist ja immer ein Gegensatz. Es ist ein guter erster Schritt. Die Herausforderung bleibt immer, die Beschäftigung mit einer solchen App oder einem Spiel in ein langfristiges politisches Interesse umzuwandeln.

Das Gespräch führte Philippe Chappuis.

10vor10, 09.10.20, 21:50 Uhr

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Felix Schwaibold  (Felix Schwaibold)
    mann sollte das Stimmrechtsalter 16 einführen damit jeder Schweizer Bürgerinnen und Bürger die im Zeitraum jahren 2004,2003,2002 geboren sind auch das vollen stimm und Wahlrecht bekommen und selber frei über ihre eigene Zukunft entscheiden können
  • Kommentar von Krebs Alfred  (A.Santiago)
    Ich habe die acht Kommentare mit Interesse gelesen. Viele meinen, dass man in der Politik und der Arbeitswelt nur mit viel Erfahrung meistern kann. Ich glaube, dass man die nachfolgend Generation auch eine Chance geben sollte. Wenn sich die junge Generation halt anders informiert ist das ihre Sache. Wenn ihnen die Entscheidungsfindung der schweizer Politik zu langsam ist, muss ich als Rentner manchmal zustimmen. Die Jungen müssen auch ihre Fehler machen können, wie wir sie auch machten.
  • Kommentar von Hans Maag  (Maag Hans)
    Die digitalen Medien können durchaus einen grossen Einfluss ausüben. Einen gefährlichen, wie mir scheint, weil damit zwar mehr Junge an Abstimmungen und Wahlen teilnehmen, allerdings ohne sich gross über die Inhalte bzw. Kandidaten zu informieren. Eine gewisse Manipulation seitens weniger tatsächlich politisch engagierter VertreterInnen Ihrer Generation ist jedenfalls nicht auszuschliessen.