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Precision Farming Digitaler Gemüseanbau spart Pflanzenschutzmittel, aber...

Ein Versuch in den Kantonen Aargau, Thurgau und Zürich zeigt: Die Landwirtschaft käme mit weniger Spritzmitteln aus.

Kann man dank digitaler Landwirtschaft den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln verringern? Dieser Frage ging ein mehrjähriges Projekt in den Kantonen Aargau, Thurgau und Zürich nach. Das Fazit: Im Schnitt können Landwirtschaftsbetriebe bis zu einem Viertel «Gift» einsparen. Allerdings ist der Aufwand sehr gross. Das hätte auch Auswirkungen auf die Lebensmittelpreise.

Traktor pflügt Gemüsefeld mit Salatpflanzen.
Legende: Salatköpfe auf einem Feld in Birrhard AG. Hier wurde Precision Farming ausprobiert – mit Erfolg. SRF/Alex Moser

Beim Versuch, der vom Kompetenzzentrum des Bundes für landwirtschaftliche Forschung Agroscope begleitet wurde, wurden Felder punktgenau bewirtschaftet – mit sogenanntem Precision Farming. Dank digitaler Technik ist diese Anbaumethode sehr präzise.

4-Millionen-Franken-Projekt

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Das Projekt dauerte von 2019 bis 2026. Gekostet hat es rund 4,1 Millionen Franken. «Der Grossteil davon kam den Betrieben direkt oder indirekt zugute: 45 Prozent in Form von Abgeltungen für die Massnahmenumsetzung und 33 Prozent in Form von Beratung, Wissenstransfer sowie finanzieller Unterstützung für Prognose- und Monitoringsysteme», heisst es in der Mitteilung der Projektverantwortlichen.

Auf einem Gemüsefeld in Birrhard AG, nahe der Autobahn A1, sitzt Gemüsebauer Thomas Käser im Traktor. Mit seinem Anhänger kann er seine Salatköpfe punktgenau mit Pflanzenschutzmittel besprühen. Ohne die digitalen Hilfen würde er das ganze Feld grosszügig spritzen. Sein Betrieb ist einer von 58, die beim Projekt mitgemacht haben.

Precision Farming in Birrhard AG

Auch beim Unkraut hat Käser digitale Hilfe. Die am Traktor montierte Maschine weiss genau, wo in der Erde sich die Salatköpfe befinden. Mithilfe eines «Hackroboters» wird das Unkraut zwischen den Salatreihen und um jeden Salatkopf herum ausgerissen.

Für Gemüsebauer Thomas Käser ein grosser Fortschritt. Früher war das Ausreissen von Unkraut mühsame Handarbeit.

Traktor fährt mithilfe von Satellit

Gemüsebauer Thomas Käser verlässt seinen Traktor immer wieder. Der Traktor fährt automatisch dank Satellitennavigation mit einer Abweichung von höchstens zwei Zentimetern auf hundert Meter.

Mann steigt aus grünem Traktor.
Legende: Gemüsebauer Thomas Käser kann seinen Traktor während der Fahrt verlassen. Er wird mittels Satellit gesteuert. SRF/Alex Moser

Der Bauer kontrolliert vor allem die vielen digitalen Instrumente im Innern des Traktors. «Wir können hier gleichzeitig hacken und auch noch Pflanzenschutz betreiben. Wir sparen bei dieser Art von Behandlung 80 Prozent Pflanzenschutzmittel», erklärt Thomas Käser.

Fazit des Versuchs im Detail

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Finger tippt auf landwirtschaftliches GPS-Gerät in Traktor.
Legende: Computer, künstliche Intelligenz, Satellitenhilfe: Digitale Landwirtschaft soll helfen, Pflanzenschutzmittel einzusparen. SRF

Die Zuständigen ziehen aus dem Projekt in vier Bereichen ihre Lehren, schreiben sie in einer Mitteilung.

Reduktionspotenzial: Je nach Kultur, Witterungsverlauf und zur Verfügung stehenden Precision-Farming-Technologien ist eine Pflanzenschutzmittel-Reduktion in der Summe aller Massnahmen um 25 Prozent möglich.

Akzeptanz: Bei ausreichender Praxisreife, einfacher Handhabung und nachvollziehbarem positivem Kosten-Nutzen-Verhältnis werden die Technologien heute eingesetzt. Die Entwicklung heute noch nicht praxisreifer Technologien schreitet rasch voran, unter anderem durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz.

Wirtschaftlichkeit: Ein Teil der Technologien ist bei entsprechender Auslastung finanziell selbsttragend, für andere braucht es eine Förderung, unter anderem via Direktzahlungen.

Beratung: Im Bereich der Prognose- und Monitoringsysteme braucht es unterstützendes Know-how und den Lead der landwirtschaftlichen Beratungszentren, damit die Technologien in der Praxis Wirkung entfalten.

Für das Versuchsprojekt wurden verschiedenste Technologien ausprobiert: satellitenbasierte Lenksysteme, Prognosesysteme, Pflanzenschutzdrohnen. «Das Ziel des Projekts war es, den Pflanzenschutzmittel-Einsatz um 25 Prozent zu reduzieren. Das haben wir erreicht», sagt Andreas Distel vom Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg im Aargau.

Nicht alle profitieren

Während Thomas Käser für seinen Salat bis zu 80 Prozent weniger Herbizid verwenden konnte, waren es bei den Ackerkulturen anderer Betriebe nur 5 Prozent.

Obwohl die Technologie bereits in vielen Bereichen sehr gut funktioniert, gibt es noch Optimierungspotenzial. «Besonders im Obst- und Rebbau sind die verfügbaren Technologien noch nicht vollends marktreif», sagen die Projektverantwortlichen.

Höhere Kosten

Wenn Landwirtschaftsbetriebe auf digitales Precision Farming setzen, müssen sie in Technik investieren – und das kostet. Rein finanziell sei es schwierig, gibt Gemüsebauer Thomas Käser zu bedenken: «Das Gerät müsste uralt werden, damit es mit der Einsparung von Pflanzenschutzmitteln abbezahlt werden könnte. Wir wollen in diesem Thema selbst besser werden. Es muss ein Bestreben von jedem sein.»

ETH-Experte spricht von einem «ersten Schritt»

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Mann in blauem Sakko spricht in einem Büro.
Legende: Für den ETH-Experten Robert Finger ist der mehrjährige Versuch ein erster Schritt. Es sei aber noch mehr möglich. SRF

Robert Finger ist Agrarökonom bei der ETH Zürich. Er bewertet das Resultat des Versuchs als positiv. Allerdings sei dies ein erster Schritt: «Im Moment liegt der Fokus darauf, die Dinge effizienter zu machen. Weniger anzuwenden, aber den gleichen Ertrag zu haben. Ich glaube, der grosse Wurf für die Zukunft gelingt nur, wenn man über diese Effizienz hinaus diese Technik auch nutzt, um an gewissen Stellen ganz auf Pflanzenschutzmittel zu verzichten.»

Landwirtinnen und Landwirte sind bereit, weniger «Gift» zu spritzen. Sie erwarten aber im Gegenzug, dass der Mehraufwand bezahlt wird. Das trifft dann wohl auch die Konsumentinnen und Konsumenten, die für den umweltfreundlicheren Salat mehr bezahlen müssten.

Regionaljournal Aargau Solothurn, 5.5.2026, 17:30 Uhr ; 

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