Kann man dank digitaler Landwirtschaft den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln verringern? Dieser Frage ging ein mehrjähriges Projekt in den Kantonen Aargau, Thurgau und Zürich nach. Das Fazit: Im Schnitt können Landwirtschaftsbetriebe bis zu einem Viertel «Gift» einsparen. Allerdings ist der Aufwand sehr gross. Das hätte auch Auswirkungen auf die Lebensmittelpreise.
Beim Versuch, der vom Kompetenzzentrum des Bundes für landwirtschaftliche Forschung Agroscope begleitet wurde, wurden Felder punktgenau bewirtschaftet – mit sogenanntem Precision Farming. Dank digitaler Technik ist diese Anbaumethode sehr präzise.
Auf einem Gemüsefeld in Birrhard AG, nahe der Autobahn A1, sitzt Gemüsebauer Thomas Käser im Traktor. Mit seinem Anhänger kann er seine Salatköpfe punktgenau mit Pflanzenschutzmittel besprühen. Ohne die digitalen Hilfen würde er das ganze Feld grosszügig spritzen. Sein Betrieb ist einer von 58, die beim Projekt mitgemacht haben.
Precision Farming in Birrhard AG
-
Bild 1 von 4. Digitale Landwirtschaft als Forschungsprojekt. Bildquelle: SRF/Alex Moser.
-
Bild 2 von 4. Der Hackroboter im Einsatz. Punktgenau kann er Unkraut ausreissen. Bildquelle: SRF/Alex Moser.
-
Bild 3 von 4. Das Gerät kann nicht nur hacken, sondern auch punktgenau Salatköpfe mit Pflanzenschutzmittel besprühen. Bildquelle: SRF/Alex Moser.
-
Bild 4 von 4. Gemüselandwirt Thomas Käser auf dem Feld im Aargau. Er ist von Displays umgeben, die alles präzise anzeigen. Bildquelle: SRF.
Auch beim Unkraut hat Käser digitale Hilfe. Die am Traktor montierte Maschine weiss genau, wo in der Erde sich die Salatköpfe befinden. Mithilfe eines «Hackroboters» wird das Unkraut zwischen den Salatreihen und um jeden Salatkopf herum ausgerissen.
Für Gemüsebauer Thomas Käser ein grosser Fortschritt. Früher war das Ausreissen von Unkraut mühsame Handarbeit.
Traktor fährt mithilfe von Satellit
Gemüsebauer Thomas Käser verlässt seinen Traktor immer wieder. Der Traktor fährt automatisch dank Satellitennavigation mit einer Abweichung von höchstens zwei Zentimetern auf hundert Meter.
Der Bauer kontrolliert vor allem die vielen digitalen Instrumente im Innern des Traktors. «Wir können hier gleichzeitig hacken und auch noch Pflanzenschutz betreiben. Wir sparen bei dieser Art von Behandlung 80 Prozent Pflanzenschutzmittel», erklärt Thomas Käser.
Für das Versuchsprojekt wurden verschiedenste Technologien ausprobiert: satellitenbasierte Lenksysteme, Prognosesysteme, Pflanzenschutzdrohnen. «Das Ziel des Projekts war es, den Pflanzenschutzmittel-Einsatz um 25 Prozent zu reduzieren. Das haben wir erreicht», sagt Andreas Distel vom Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg im Aargau.
Nicht alle profitieren
Während Thomas Käser für seinen Salat bis zu 80 Prozent weniger Herbizid verwenden konnte, waren es bei den Ackerkulturen anderer Betriebe nur 5 Prozent.
Obwohl die Technologie bereits in vielen Bereichen sehr gut funktioniert, gibt es noch Optimierungspotenzial. «Besonders im Obst- und Rebbau sind die verfügbaren Technologien noch nicht vollends marktreif», sagen die Projektverantwortlichen.
Höhere Kosten
Wenn Landwirtschaftsbetriebe auf digitales Precision Farming setzen, müssen sie in Technik investieren – und das kostet. Rein finanziell sei es schwierig, gibt Gemüsebauer Thomas Käser zu bedenken: «Das Gerät müsste uralt werden, damit es mit der Einsparung von Pflanzenschutzmitteln abbezahlt werden könnte. Wir wollen in diesem Thema selbst besser werden. Es muss ein Bestreben von jedem sein.»
Landwirtinnen und Landwirte sind bereit, weniger «Gift» zu spritzen. Sie erwarten aber im Gegenzug, dass der Mehraufwand bezahlt wird. Das trifft dann wohl auch die Konsumentinnen und Konsumenten, die für den umweltfreundlicheren Salat mehr bezahlen müssten.