Zum Inhalt springen

Header

Audio
Knappe Medikamente lassen die Kosten explodieren
Aus HeuteMorgen vom 30.10.2019.
abspielen. Laufzeit 02:01 Minuten.
Inhalt

Problem verschärft sich Höhere Kosten wegen knapper Medikamente

Lieferengpässe bei Medikamenten sind bereits seit einigen Jahren ein Thema, doch die Situation spitzt sich jetzt zu.

Derzeit gibt es in der Schweiz bei fast 600 Medikamenten Lieferengpässe. Enea Martinelli, Chef-Apotheker am Spital FMI in Interlaken, führt Buch darüber – und er schlägt Alarm. Denn fehlende Medikamente zu ersetzen, sei teuer.

Am Beispiel von Vitamin K, das wichtig für Operationen an Patienten mit Blutverdünnern ist, erklärt Martinelli: «Eine Ampulle Vitamin K kostet etwa 50 Rappen – es braucht etwa drei bis vier davon.» Wenn kein Vitamin K zur Verfügung stehe, «muss man auf Blutfaktoren ausweichen – das kostet für den gleichen Zweck etwa 1200 Franken.»

Ich rechne mit einigen zehn Millionen, wenn nicht über 100 Millionen Franken an Mehrkosten.
Autor: Enea MartinelliChef-Apotheker Spital FMI Interlaken

Wie knappe Medikamente die Gesundheitskosten nach oben treiben könnten, zeige dieses Beispiel. Um wie viel, kann Martinelli nur schätzen: «Ich rechne mit einigen zehn Millionen, wenn nicht über 100 Millionen Franken.»

Problem verschärft sich

Im milliardenschweren Gesundheitsmarkt klingt das nach wenig. Doch das Problem verschärfe sich, sagt Gesundheitsökonom Simon Wieser von der Zürcher Hochschule ZHAW: «Sie haben sicher höhere Kosten für Ärztinnen und Ärzte, auch vor allem für die Spitalapotheken, die laufend nach neuen Lösungen suchen müssen.»

Und eventuell würden bei den Patienten auch zusätzliche Komplikationen auftreten. Hinzu kommt: In den letzten Jahren habe sich die Zahl der knappen Medikamente verdoppelt.

Der Bund ist sich der Problematik bewusst und hält wichtige Medikamente in Pflichtlagern. Die Kostenfrage aber bleibt offen: Die zuständigen Bundesämter können auf Anfrage nicht sagen, wie teuer die Medikamentenengpässe sind.

Neue Erkenntnisse erhofft

Nicht zufrieden damit ist Gesundheitsökonom Stefan Felder von der Universität Basel. In Zeiten von steigenden Gesundheitskosten wünscht er sich Transparenz, weshalb er eine eigene Untersuchung starten will.

«Uns interessiert, was passiert, wenn bei einem Patienten das Arzneimittel ausgewechselt wird», so Felder, «darüber wissen wir im Moment noch nichts, aber wir beabsichtigen, das zu untersuchen.» Neue Erkenntnisse könnten auch Wege aufzeigen, um Kosten zu senken.

(SRF 4 News, Heute Morgen, 6:00 Uhr)

Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

12 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Werner Gerber  (Emmentaler1)
    das wird von der pharma industrie künstlich gesteuert, damit zb. generika medikamente nicht mehr erhältlich sind, und auf teurere zugegriffen werden muss. unser bundesrat hat hat das überhaupt nicht im griff
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Franz NANNI  (igwena ndlovu)
      Was fuer ein Unsinn!!! Die Industrie, die Generika herstellt ist sehr wohl interessiert den Umsatz zu steigern.. aber es ist wie im PnP, wenn nicht beizeiten nachbestellt wird, mangels Organisation, gibt es halt Engpaesse!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Simon Gfeller  (Simon Gfeller)
    Und welches sind dir Gründe für die Lieferengpässe? Bei mir war plötzlich ein Generikum nicht mehr verfügbar und ich musste auf das Originalprodukt wechseln mit höherem Selbstbehalt (20%), obwohl das Generikum gemäss Internet in Deutschland verfügbar war.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Edi Steinlin  (Chäsli)
      Unser Bundesrat, der angeblich für das Volk da ist, soll endlich die Krankenkassen anweisen, ärztlich verordnete Medis zu bezahlen, wo immer sie gekauft wurden.
      Ich glaube aber, dass weiter nicht viel geschieht, es ist doch einfacher der Pharma-Industrie nach zu geben und sich mit billigen Sprüchen auszureden.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Andreas Meier  (Epikur)
    Da sieht man mal, dass der "Markt" eben doch nicht alles regelt. Wenn alles nach Fernost u. Indien auisgelagert wird, muss man sich nicht wundern, wenn die heimische Versorgung leidet. Ein Vorgeschmack hinsichtlich anderer Geschäftsfelder, bei denen die heimische Eignerschaft an ausländische Investoren verkauft, oder Produktionen streicht. Notfalls müsste der Bund selber Medikamente produzieren für den allgemeinen Bedarf. Eine Art Swisscom für Pharma-Produkte, wenn die Grossen nicht wollen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Franz NANNI  (igwena ndlovu)
      Wenn alles nach Fernost u. Indien auisgelagert wird....nun, die sind billiger in der Produktion, da verdient "man" mehr.. viel mehr!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen