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«Vor dem 21. Mai sehen wir gar nicht, wenn irgendwas falsch läuft»
Aus 10vor10 vom 08.05.2020.
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Professorin zu den Lockerungen «Ich habe ein mulmiges Gefühl»

Ab dem 11. Mai lockert der Bund die Corona-Massnahmen weiter. So öffnen beispielsweise die obligatorischen Schulen wieder und auch Restaurants können mit einem Schutzkonzept ihre Türen öffnen. Tanja Stadler, Professorin am Departement für Biosysteme an der ETH, sieht diesen Lockerungen mit Skepsis entgegen.

Tanja Stadler

Tanja Stadler

ETH-Professorin am Departement für Biosysteme

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Die Mathematikerin Tanja Stadler ist Professorin am Departement für Biosystems Science und Engineering an der ETH. Sie entwickelt Methoden, um die Ausbreitung von Virus-Epidemien zu berechnen.

SRF News: Als Mathematikerin wissen Sie, wie man Zahlen und Daten zur Verbreitung des Virus liest. Mit welchem Gefühl schauen Sie als Wissenschaftlerin auf den nächsten Montag?

Tanja Stadler: Ich habe da ein mulmiges Gefühl. Es ist natürlich sehr erfreulich, dass wir basierend auf den Fallzahlen nun Schritte in eine neue Normalität wagen können. Aber wir können da natürlich eine zweite epidemiologische Welle heraufbeschwören.

Was ist für Sie die grösste Gefahr?

Mit den ganzen Lockerungen – und das sind ja sehr viele auf einmal – kann es natürlich passieren, dass wir wieder enorm viele Neuinfektionen haben. Und das Problem ist, dass wir die nicht am 11. Mai und auch nicht am 12. Mai sehen.

Vor dem 21. Mai sehen wir gar nicht, wenn irgendwas falsch läuft.

Wenn sich eine Person am 11. Mai ansteckt, sehen wir diese Infektion ungefähr am 21. Mai, denn die Person wird dann erst als positiv bestätigt. Der Fall wird erst dann statistisch erhoben. Vor dem 21. Mai sehen wir gar nicht, wenn irgendwas falsch läuft und können auch nicht einschreiten. Sondern erst einige Tage danach.

Welche Rolle spielt Social Distancing bei der Eindämmung des Virus?

Wir wissen, dass das Social Distancing enorm wichtig ist, um die Pandemie zu kontrollieren. In unseren Berechnungen haben wir gesehen, dass Social Distancing zusammen mit den Hygienemassnahmen und auch der Absage von Grossveranstaltungen schon bewirkt hat, dass eine Person nur noch die Hälfte an Neuansteckungen erzeugt. Jeder einzelne von uns hat sehr viel dazu beigetragen, dass wir jetzt so erfreuliche Zahlen haben.

Was Tanja Stadler hier anspricht, ist die Reproduktionszahl R. Was es mit dieser Zahl auf sich hat, ist in folgendem Video erklärt:

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Was bedeutet die Reproduktionszahl R?
Aus 10vor10 vom 08.05.2020.
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Frau Stadler, warum ist diese Limite 1 bei der Reproduktionszahl so wichtig?

Dazu kann ich gerne ein Beispiel machen: Eine Reproduktionszahl von 2 steckt zwei Personen an, diese zwei Personen stecken vier an, diese dann acht, sechzehn und so weiter. Wir haben also ein exponentielles Wachstum. Wenn wir unter dieser Schwelle von 1 sind, heisst das, dass die Pandemie abnimmt. Bei der Zahl 1 handelt es sich um einen Schwellenwert zwischen exponentiellem Wachstum und Abnahme der Pandemie.

Sollte dieser Schwellenwert ab dem 11. Mai wieder überschritten werden, sehen Sie die Gefahr, dass wir mit den Massnahmen wieder strenger werden müssen?

Die Gefahr ist tatsächlich da. Wir lockern jetzt die Massnahmen. Das bedeutet, dass wir mehr neue Ansteckungen haben. Jetzt brauchen wir ein Gegensteuern. Also spezifische Massnahmen, viele Tests, damit wir die Personen, die tatsächlich positiv sind. Diese müssen wir dann isolieren und die Kontakte nachverfolgen. Und so wäre meine Hoffnung, dass wir unter 1 bleiben können, obwohl wir lockern.

Das Gespräch führte Urs Gredig.

Coiffeure, Kosmetik-und Massagesalonsambulante BehandlungenSpitäler, Arztpraxen, PhysiotherapieBeerdigungenim grösserenKreisSeit 27. April wieder geöffnet oder erlaubtGartenbedarf, Blumenläden &BaumärkteQuelle: Ausstiegsfahrplan des Bundesrats Das Abstandhalten und die Hygienemassnahmen müssen nach wie vor eingehalten werden. Alle Betriebe brauchen ein Schutzkonzept.Quelle: Bundesrat, 29.04.20Noch unklarVerbot vonGrossveranstaltungen mit unter 1000 PersonenBis Ende AugustVerbot vonGrossveranstaltungen mit mehr als 1000 Personenobligatorische Schulen (Kantone entscheiden)kompletterDetailhandelAb 11. Mai wieder geöffnet oder erlaubtGastronomiefür 4er-GruppenöffentlicherVerkehrSporttrainings imBreiten- und LeistungssportReisebürosschrittweiseLockerung derEinreisebeschränkungAb 8. Juni wieder geöffnet oder erlaubtweitere Schulen,AusbildungsstättenMuseen, BibliothekenZoos, botanische Gärten, SchwimmbäderTheater, Kinos,GottesdiensteBergbahnenTreffen von mehr als 5 PersonenGeisterspiele in denProfiligen(def. Entscheid am 27.5.)

10vor10, 08.05.20;

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135 Kommentare

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  • Kommentar von Laurenz Hüsler  (Laurenz Hüsler)
    Grossereignisse weg, etwas Social Distancing, und Superspreaders ... auch weg, weil sie geheilt oder übern Jordan sind.

    Die Superspreaders sind extrem mobil und haben extrem viele Kontakte, persönlich und beruflich.

    Die Veränderung des Ausbreitungsmusters durch den Wegfall der Superspreaders wird von den Epidemiologen m.E. nicht berücksichtigt.

    Wir sind eher allzu vorsichtig.
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  • Kommentar von Patrick Sifneos  (Trickpa)
    Cuomo sagt, es sei "schockierend", dass die meisten neuen Krankenhausaufenthalte Menschen sind, die zu Hause geblieben sind.

    https://www.cnbc.com/2020/05/06/ny-gov-cuomo-says-its-shocking-most-new-coronavirus-hospitalizations-are-people-staying-home.html
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  • Kommentar von Remo Tschanz  (remotschanz)
    Es gibt ja eine Studie, die in einem deutschen Podcast erwähnt wurde, nach der eine App genau gleich effektiv sein kann wie ein Lockdown... vielleicht sollte das mal berücksichtigt werden. Ansonsten stelle ich wieder mal die Frage, sollen es keine Ansteckungen um jeden Preis sein? In Schweden sind es ca. 400 bis 700 neue Infektionen pro Tag; kein exponentielles Wachstum. Anders formuliert: sind ohne App bis zu ca. 12'000 bzw. 28'000 Fälle pro Monat tragbar für das Gesundheitssystem?
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