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Korruptionsprozess in Genf
Aus Rendez-vous vom 11.01.2021.
abspielen. Laufzeit 03:28 Minuten.
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Prozess gegen Beny Steinmetz Einflussreicher Rohstoffhändler vor Gericht – darum geht es

Der Rohstoffhändler Beny Steinmetz muss sich in Genf wegen Bestechung verantworten. Die wichtigsten Fragen zum Prozess.

Wer ist Beny Steinmetz? Der 64-jährige Steinmetz ist ein wichtiger Rohstoffhändler und gilt als einer der reichsten Menschen Israels. Er besitzt auch den französischen Pass. Steinmetz machte sein Vermögen zunächst mit Diamanten, handelte später aber mit diversen Rohstoffen. Er verhält sich sehr diskret und präsentiert sich auf seiner Internetseite als Geschäftsmann und Philanthrop.

Wie lauten die Vorwürfe? Die Genfer Staatsanwaltschaft wirft Beny Steinmetz und zwei ehemaligen Mitarbeitenden vor, Schmiergelder an Mamadie Touré überwiesen zu haben. Mamadie Touré war die vierte Frau des früheren Präsidenten von Guinea, Lansana Conté.

In der Anklageschrift sind mindestens Geldströme von 8.5 Millionen Dollar im Detail dokumentiert, die über komplizierte Konstrukte zur Präsidentenfamilie des westafrikanischen Landes gelangt sein sollen. Steinmetz ist wegen Bestechung fremder Amtsträger und wegen Urkundenfälschung angeklagt.

Welchem Zweck dienten die mutmasslichen Schmiergeld-Zahlungen? Der Bergbaukonzern Beny Steinmetz Group Resources (BSGR) soll im Gegenzug Minenrechte am Eisenerzvorkommen am Berg Simandou in Guinea erhalten haben. Simandou gilt als eines der grössten Eisenerzvorkommen weltweit.

Die BSGR verkaufte einen Teil der Lizenzen an den brasilianischen Bergbaukonzern Vale, um zusammen das Eisenerz zu fördern. Nach dem Tod von Lansana Conté und einem Machtwechsel kam es in Guinea zu Untersuchungen wegen des Verdachts auf Korruption. Der Firma von Beny Steinmetz wurde die Lizenz für Simandou daraufhin entzogen.

Warum findet der Prozess in Genf statt? Weil Beny Steinmetz bis 2016 in Genf wohnte und in Genf auch die Schaltzentrale seiner Aktivitäten in der Rohstoffbranche beheimatet war. Heute wohnt Steinmetz in Israel. Als die Genfer Staatsanwaltschaft das Strafverfahren eröffnet hatte, war auch die Republik Guinea als Klägerin beteiligt. Inzwischen hat Guinea diese Rolle aber aufgegeben, weil sich das Land und Steinmetz 2019 einigten und alle gegenseitigen Anschuldigungen fallen gelassen wurden.

Was sind die Knackpunkte im Prozess gegen Steinmetz? Vor Gericht ist der Zusammenhang zwischen Steinmetz und der BSGR zu beweisen. Das ist nicht einfach, da Beny Steinmetz lediglich Begünstigter der Stiftung hinter der BSGR war und offiziell nie einen Posten in der Firma innehatte. Dennoch sei er der wahre Direktor dieser Firma gewesen, heisst es in der Anklageschrift. Umstritten ist auch, ob die frühere Präsidentengattin Mamadie Touré Einfluss auf die Staatsgeschäfte hatte. Laut Anklage war dieser Einfluss gross. Das Verfahren ist ausserordentlich umfangreich und umfasst 250 Bundesordner.

Was sagt die Verteidigung von Beny Steinmetz? Beny Steinmetz wird vom Genfer Anwalt Marc Bonnant verteidigt, einem der bekanntesten Anwälte der Calvinstadt. Er hat bereits angekündigt, auf Freispruch zu plädieren. Steinmetz sei nie Chef der BSGR gewesen und Mamadie Touré habe nie auch nur den geringsten Einfluss auf die Minenrechte in Guinea gehabt, liess sich Bonnant in der Zeitung «Le Temps» zitieren. Die Verteidigung der beiden Komplizen wird ebenfalls Freisprüche verlangen.

Rendez-vous, 11.01.21, 12:30 Uhr

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    In Genf hatte er das Privileg, dass er nach seinem Lebensaufwand, nicht nach seinem Einkommen, besteuert wurde. Die Pauschalbesteuerung kam dem damals 55-Jährigen gelegen. Er hatte längst Milliarden verdient. Die Justiz liess sein Büro, seine Wohnung und Privatjet durchsuchen. Alpha Condé, 2010 als PM Guineas ins Amt gewählt, bezichtigte ihn der Korruption. Staatsanwälte in den USA und Guinea führten Verfahren und baten die Schweiz um Rechtshilfe. Er hat ein Vermögen 6 bis 7 Milliarden Franken.
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    1. Antwort von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
      Interessant, und nun wollen sie ihn als Nichtschweizerstaatsbürger belangen - gegen eine Horde von teuren Anwälten, die die Anklageschrift in Stücke reissen? Ich wünsche viel Vergnügen, wieso bemüht man nicht seinen Wohnstaat Israel oder wenigsten Frankreich?
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  • Kommentar von Stefan Huwiler  (huwist)
    Soso, die Madame hatte keinen Einfluss auf die Rechtevergabe. Die 8.5 Mio sind also im Rahmen der Philantrophie Tätigkeit geflossen.
    Es ist zu hoffen, dass irgendwann die Rechtsvertreter aussterben, die sich trauen solchen realitätsfremden Unsinn vor Gericht vorzubringen.
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    1. Antwort von Michele Balotelli  (Balo)
      Ein Rechtsstaat ist auf Strafverteidiger angewiesen.
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  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Dem israelischen Milliardär Beny Steinmetz droht eine Anklage wegen Bestechung.Er soll über seine Genfer Firmen dubiose Gelder nach Guinea geschleust haben. Die mutmasslichen Bestechungsgelder wurden zu einem wesentlichen Teil von der Schweiz aus orchestriert. Er wollte sich durch Mittelsmänner die Schürfrechte an den Eisenerzminen von Simandou im Süden Guineas sichern. Die Minen sind viele Milliarden Dollar wert. Superreiche bereichern sich durch krumme Geschäfte immer mehr. Kriegen nie genug.
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    1. Antwort von Bruno Hochuli  (Bruno Hochuli)
      Leider haben diese Leute noch Anwälte, welche man gut und gerne als Rechtsverdreher betiteln könnte. Es gewinnt immer, wer Reich genug ist.
      Recht ist schon lange nicht mehr Recht.
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