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Eine Reportage über Tier, Recht und Moral
Aus Rundschau vom 24.06.2020.
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Radikale Tierschützer Einbruch mit Kamera

  • Tierschützerinnen wollen mit heimlichen Aufnahmen aus einer Trutenfarm zeigen, dass die Tiere dort schlecht gehalten würden.
  • Die Bilder zeigen enge Platzverhältnisse, kranke und verletzte Tiere.
  • Allerdings: Der Bauer hält alle Vorschriften ein. Aus Sicht der Kantonstierärztin gibt es keinen Grund zur Beanstandung.

Es ist Mitternacht, als ein Auto mit zwei Tierrechtsaktivistinnen auf einem dunklen Parkplatz im Aargau vorfährt. Die beiden Frauen wollen in einen Trutenstall eindringen und die Tiere filmen. Die Videos lassen sie danach anonym anderen Organisationen zukommen.

Der «Rundschau» ist es gelungen, die zwei Tierschützerinnen zu treffen. Die Frauen wollen anonym bleiben, denn mit dem Eindringen in die Ställe begehen sie Hausfriedensbruch. Das ist strafbar.

Jedes zwanzigste Tier stirbt

Die beiden jungen Frauen klettern über einen Zaun. Im Wintergarten entdecken sie eine Krankenstation. Einige Tiere haben gebrochene Flügel, einen Kropf oder Verletzungen am Kopf. Andere liegen tot auf dem Boden, die gesunden Tiere steigen über die kranken hinweg.

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«Ich denke mal, es wurde zertreten»
Aus News-Clip vom 23.06.2020.
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Der Bauer, in dessen Trutenstall die Aktivistinnen eindringen, arbeitet für den Geflügelproduzenten Frifag. Franz Renggli leitet den Bereich Tiergesundheit bei der Frifag. Er sagt: «Wir haben eine Überlebensrate von 95 Prozent.» Das heisst: Jedes zwanzigste Tier im Stall stirbt.

Alle Vorschriften eingehalten

Für die Aargauer Kantonstierärztin Barbara Thür ist das kein Grund zur Besorgnis. «Wir haben den Bauern mehrmals kontrolliert, es gab nie Grund zur Beanstandung», versichert sie. Der Trutenhof hat sogar das Label «IP Suisse». Dieses verspricht eine tiergerechte Produktion.

Genau das prangern die Tieraktivisten an. «Wir suchen keine aussergewöhnlichen Missstände», sagen sie. «Wir wollen zeigen, was sich hinter einem solchen Label versteckt.» IP Suisse sagt, der Bauer halte alle Vorschriften von IP Suisse ein.

Kamera als Waffe

Die Aktivistinnen haben einen neuen Verein gegründet. Er heisst «Individuum» und stellt heimlich gedrehte Videos aus Schweizer Tierställen online. Wer dahintersteckt, soll nicht ersichtlich sein. Ziel sei es aufzuzeigen, dass der legale Standard nicht tiergerecht sei. «Wir sind grundsätzlich gewaltfrei», sagt eine der Aktivistinnen. «Unsere Waffe ist die Kamera, mit der wir die Realität wiedergeben.»

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«In der Nacht sollte man Truten nicht stören. Das kann sie erschrecken.»
Aus News-Clip vom 23.06.2020.
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Skeptisch steht Kantonstierärztin Thür solchen Aktionen gegenüber. «Jeder Tierhalter achtet darauf, dass er nachts nicht in den Stall geht», sagt sie. «Das bringt eine Aufregung in die Herde. Stressempfindliche Tiere können Probleme bekommen.»

Klage wegen Hausfriedensbruch

Noch gereizter reagiert Franz Renggli von der Frifag. «Für uns ist das nächtliche Eindringen in einen Stall ganz klar eine kriminelle Aktivität», sagt er. Eine Anzeige wegen Hausfriedensbruchs habe der betroffene Bauer bereits eingereicht.

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«Eindringen ist immer kriminell»
Aus News-Clip vom 23.06.2020.
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Die Tierrechtsaktivistinnen lassen sich davon nicht beeindrucken. Für kommenden Monat sind schon neue Aktionen geplant. Sie seien bereits in mehreren Trutenställen in drei Kantonen gewesen – das Bild, das sie angetroffen hätten, sei überall ähnlich gewesen. Die Aktivistinnen prangern nicht einzelne Bauern an – sondern die Massentierhaltung als System.

«Rundschau», 24.06.2020

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28 Kommentare

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  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Haarsträubende Aussagen und Ausreden von Trutenhalter Renggli. Diese Truten geht es schlecht. Die Aktivistinnen prangern mit Recht diese Massentierhaltung an. Tierquälerei für die Wirtschaftlichkeit? Ein Hohn. Auch den Hühnern von Frifag-Lieferanten geht es schlecht. Bis zu 18.000 Hühnern werden pro Quadratmeter 17 Tiere eingepfercht. Im Namen des Profits wird das Huhn zur Ware degradiert. Mit verheerenden Folgen: Täglich sterben Hühner in Mastanlagen an den Folgen der Hochleistungszucht.
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  • Kommentar von Marc Bühlmann  (Goerk3)
    zusammengepfercht. Antibiotika. Stickige Luft. Und eine Lebenserwartung von....
    Soviel zu Massentierhaltung.
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  • Kommentar von Patrik Müller  (P.Müller)
    Ja, die Kantonstierärzte: Kontrolle im Betrieb nur nach Voranmeldung. In der Nacht wird nicht gearbeitet und bei tausenden von Hennen kann ja nicht jedes kranke oder verletzte Tier sofort entdeckt werden...
    Ich vermute es ist eher das Problem der Ämter, gesetzeswidrige Umstände aufzudecken und nicht das Problem der Tierschützer. Leider.
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