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Reaktion auf Urteil gegen Pell «Die Verjährung bei Missbrauch muss abgeschafft werden»

Legende: Audio Pells Verteidigung: «Es war abstossend, dies zu hören» abspielen. Laufzeit 03:06 Minuten.
03:06 min, aus SRF 4 News aktuell vom 13.03.2019.

Der australische Kardinal George Pell muss für sechs Jahre hinter Gitter. Der frühere Finanzminister des Vatikans ist der bisher ranghöchste katholische Geistliche, der wegen Kindsmissbrauchs verurteilt wurde. Was löst dieses Urteil bei den Betroffenen aus? Jean-Marie Fürbringer von der Opferhilfe-Gruppe Sapec hofft, dass der Fall auch Auswirkungen auf die Schweiz hat.

Jean-Marie Fürbringer

Jean-Marie Fürbringer

Vorstandsmitglied Sapec

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Jean-Marie Fürbringer ist im Vorstand der Westschweizer Opferhilfe-Gruppe Sapec, Link öffnet in einem neuen Fenster. Er ist als Kind selbst Opfer von sexuellem Missbrauch innerhalb der katholischen Kirche geworden.

SRF News: Wie haben Sie auf die Meldung von Pells Verurteilung reagiert?

Jean-Marie Fürbringer: Seit Jahren belangen die Opfer George Pell gerichtlich. Es war Zeit für einen Prozess. Seine Verteidiger sagen, es handle sich um alte Geschichten. Es ist abstossend, das zu hören, und dass der Angeklagte auf Zeit spielt – insbesondere nachdem die Opfer so lange für Gerechtigkeit gekämpft haben. Natürlich hat jeder das Recht, sich zu verteidigen. Aber Pell scheint zu allem bereit zu sein, auch dazu, die Kirche mitzureissen. Es handelt sich bei ihm immerhin um die ehemalige Nummer 3 in der katholischen Kirche.

Was wird dieses Urteil über die Grenzen von Australien hinaus bewirken?

Die Zukunft vorauszusagen, ist immer schwierig. Aber ich glaube, es hat Auswirkungen. Derzeit verfolgen die Opfer zwei Strategien, um Gerechtigkeit zu erlangen. Einerseits, dass alle Fälle verfolgt werden, andererseits, dass Menschen zur Verantwortung gezogen werden, die Missbrauchsfälle vertuscht haben. Im Fall Pell handelte es sich um eine hochrangige Kirchenperson, die beschuldigt wird.

Pell scheint zu allem bereit zu sein, auch dazu, die Kirche mitzureissen.

Es ist schwer zu sagen, wie es weitergeht. Es gab schon so viele abstossende Fälle, beispielsweise der in den vergangenen Monaten bekannt gewordene Missbrauch von Nonnen. Alle diese Fälle hätten bereits eine Veränderung auslösen sollen, was aber nicht geschehen ist. Ich wünsche mir, dass der aktuelle Fall Auswirkungen hat.

Was muss nun bei der Aufarbeitung von Sexualdelikten in der katholischen Kirche passieren? Was sind Ihre konkreten Forderungen?

Die Opfer müssen immer ernst genommen werden, so wie ich das auch erlebt habe. Was sich schon etwas verbessert hat, ist die Diskussion um die Wiedergutmachung. Darüber muss noch deutlicher gesprochen werden. Was sich im Allgemeinen verändern muss, ist die Verjährung. Die Opfer sprechen oft erst Jahre nach einer Tat darüber, was geschehen ist. Die Verjährung schützt derzeit zu oft die Täter. Sie muss abgeschafft werden.

Das Gespräch führte Kevin Capellini.

Legende: Video Kardinal George Pell wegen sexuellem Missbrauch verurteilt abspielen. Laufzeit 01:18 Minuten.
Aus Tagesschau vom 13.03.2019.

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20 Kommentare

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  • Kommentar von guido bachmann (talasi)
    Die Berichte über gravierende Dissonanzen innerhalb der röm.-kath. Kirche erinnern mich an das Bild des OUROBOROS, einer Schlange, die sich in den eigenen Schwanz beisst und so mit ihrem Körper einen geschlossenen Kreis bildet.
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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Ich finde die Hexenjagd auf die Grossen nicht sehr gut! Aber selbstverständlich dürfen auch bei uns Sexueller Missbrauch niemals verjähren und immer in den Papieren der Täter aufgeführt sein. Ich habe auch einen Fall vor die Schule gebracht und wurde bei Gesprächen von der "Kirchen-Frau" abgesägt. Sie fand, dass ich jemand sei, der den Täter einfach nur schlecht machen wolle. Am Schluss hat die Schule +Gemeindepolitiker den Fall irgendwie abgewürgt. Man hat dem Opfer die Opfernhilfe empfohlen.
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    1. Antwort von Dölf Meier (Meier Dölf)
      Warum haben Sie keine Anzeige bei der Polizei gemacht?
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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    Es gibt kene "Verjährung, kein Vergessen" für die lebenslang traumatisierten Opfer! Sexueller Missbrauch ist psychischer Mord!! Keine Verjährung für die skrupellosen Täter und vor allem endlich "lebenslange Verwahrung", damit es garantiert zu keinen weiteren Opfern durch den jeweiligen Täter kommen kann!!
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    1. Antwort von Daniel Bucher (DE)
      Wenn man sieht, wie viele falschen Vorwürfe im Zusammenhang mit "me too" geäussert wurden, merkt man, dass eine Unverjährbarkeit solcher Taten keine Lösung ist. Im Laufe der Jahre werden frühere Erlebnisse völlig unterschiedlich bewertet und damit immer ungenauer.
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    2. Antwort von Dölf Meier (Meier Dölf)
      In welchem paradiesischem Land möchten Sie leben. Würden alle Täter eingesperrt, egal welches ihr Verbrechen ist, würden nur Gefängnisse die Landschaft zieren. Wer soll das bezahlen?
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