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Pestizid-Cocktails in Schweizer Wein
Aus Kassensturz vom 08.12.2020.
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Rebbau Pestizid-Cocktails in Schweizer Wein

Von 15 Schweizer Weinen im «Kassensturz»-Test enthalten die Hälfte fünf oder mehr Pestizide.

In der Stichprobe sind beliebte Schweizer Weine aus dem Detailhandel: Fünf Weisse, ein Rosé und vor allem Rotweine aus den grossen Schweizer Anbaugebieten, hergestellt mit den typischen Rebsorten Pinot Noir (Blauburgunder) oder Merlot. Beim Weisswein dominiert Chasselas. Diese Sorten gelten als pestizidintensiv. Die Weine kosten zwischen 7.50 und 22 Franken.

Testtabelle

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Die detaillierten Testresultate finden Sie hier.

Bis zu neun verschiedene Pestizide

Ein renommiertes Labor untersuchte die anonymisierten Weinproben. Die Resultate lassen aufhorchen: In den Schweizer Rebbergen wird offenbar so viel gespritzt, dass Pestizide sogar im Wein noch nachweisbar sind. Das Labor fand wahre Cocktails. Für den Biochemiker Max Eichenberger ist das problematisch: «Die verschiedene Substanzen können sich gegenseitig verstärken. Diese Wechselwirkung ist sehr schlecht untersucht.»

Piwis – Pilzwiderstandsfähige Rebsorten

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«Cabernet Jura», «Solaris», «Divico» oder «Sauvignac»; solche neugezüchteten Sorten sind weniger anfällig auf Pilzbefall und Schädlinge. Die sogenannten Piwis brauchen deshalb keine Pestizide wie Fungizide oder Insektizide. Winzer Roland Lenz aus Uesslingen TG setzt seit 15 Jahren auf die pilzwiderstandsfähigen Sorten: «Das Geheimnis sind die dicken Beerenhäute. Das hält die Kirschessigfliege davon ab, Schaden anzurichten.»

Die robusten Sorten werden nicht in Monokulturen, sondern zusammen mit anderen Pflanzen und Bäumen in Ökosystemen angebaut. Freiflächen schaffen Lebensraum für Nützlinge, welche Schädlingen das Leben schwer machen.

Noch ist das Piwi-Angebot auf dem Schweizer Weinmarkt überschaubar: Coop führt aktuell drei reine Piwis, und «Mövenpick» hat je einen roten und weissen Piwi im Sortiment.

Ganze neun verschiedene Pestizide findet das Labor im beliebten Merlot «Selezione d'Ottobre», gekauft bei Coop. Und auch im «Ticino Merlot» von Denner stecken Rückstände von sieben verschiedenen Pestiziden, wie auch im Bündner Pinot Noir «Fläsch» von Volg.

Zwei verbotene Pestizide gefunden

In zwei Rotweinen stecken Rückstände von Carbendazim. Die Verwendung dieses Fungizids ist seit 2018 verboten. Betroffen sind der Pinot «PN» von Aldi und der «Maienfelder» von Denner. Denner schreibt, im «Maienfelder» habe es auch kleine Weinmengen vom Vorjahr. Damals war das sehr toxische Pestizid noch zugelassen.

Laut Aldi sind die Spuren von Carbendazim möglicherweise auf «Altlasten» im Boden zurückzuführen. Aldi und Denner erwähnen beide eine weitere Option, wie das Carbendazim in Wein gelangt sein könnte: Aus dem ebenfalls nachgewiesenen Pestizid Thiophanate-methyl kann Carbendazim als Abbauprodukt entstehen. Thiophanate-methyl ist aktuell in der Schweiz zugelassen, in der EU seit Oktober 2020 verboten.

Bei sämtlichen analysierten Weinen liegen die nachgewiesenen Pestizide unterhalb des gesetzlichen Höchstwertes. Den langjährigen Traubenzüchter und Winzer Valentin Blattner erstaunt das nicht: «Die Gärung baut die Spritzmittel ab.» Das sei aber kein Grund zur Entwarnung: «Das grosse Problem ist nicht unbedingt im Wein. Sondern im Boden oder Wasser.»

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Winzer Valentin Blattner: «Der Wein ist wie eine Kläranlage.»
Aus Kassensturz vom 08.12.2020.
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Dass es im Rebberg allerdings auch mit weniger oder gar keinen Pestiziden geht, beweisen mehrere Tropfen aus der Romandie und ein Trio von Bioweinen. Bei diesem fand das Labor überhaupt keine chemischen Pestizide.

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Interview mit Robin Haug, Branchenverband Deutschschweizer Weine und Winzer in Weiningen ZH
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Kassensturz, 08.12.2020, 21.05 Uhr

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45 Kommentare

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  • Kommentar von Jürg Mosimann  (JuMo)
    Mir fehlt der Vergleich der Menge Gift.
    Konkret wie viele Liter Trinkwasser aus einer verseuchten Quelle im Seeland müsste ich trinken, bis ich sovil Gift in mir habe wie mit einer Flasche Durchschnittswein?

    Kann das mir jemand sagen?
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  • Kommentar von Ernst Röthlisberger  (roeE)
    Denn erwähnten roten Cabernet Jura kenne ich vom Keller der Alpinen Weinkultur Spiez. Er ist mit und ohne Barrique-Ausbau einer meiner Lieblingsweine geworden, und er kann sich meiner Meinung nach mit Schweizer Spitzenweinen messen. Ausserdem hilft er mit, den durch die Klimaerwärmung problematisch gewordenen Pinot noir zu ersetzen, im Rebberg, aber auch im Glas.
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  • Kommentar von Fredy Buholzer  (F. Buholzer)
    Im Angebot für Bio-Weine ist die Schweiz stark untervertreten, das ist sehr schade. Ich kaufe mehrheitlich Bio-Weine und habe gute Produkte gefunden, z.B. von Herrn Lenz. Entgegen der Aussage im Kassensturz bin ich überzeugt, dass sich viele Weinkonsumenten mehr für gute, spritzmittelfreie Weine als für traditionelle Traubensorten interessieren.
    @Kassensturz: Um ein abgerundetes Bild zu erhalten, wäre ein analoger Test über Weine aus dem Ausland interessant.
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