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Neuer Vorschlag zum Thema Altersvorsorge
Aus Rendez-vous vom 30.09.2020.
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Rente nach Lebensarbeitszeit Centre Patronal: Wer früher arbeitet, soll früher aufhören dürfen

Beitragsjahre zählen: Die Renten-Idee der Westschweizer Arbeitgeber für Lebensarbeitszeit missfällt den Gewerkschaften.

Martin Kuonen, Berner Direktor der Westschweizer Arbeitgeberorganisation Centre Patronal, spricht von einem Paradigmenwechsel. Er will ein flexibles Rentenalter. Die Pensionierung wäre nach 40 bis 48 Beitragsjahren möglich. Entscheidend wäre jedoch nicht das Alter, sondern die eingezahlten Jahre.

Das sei fairer, sagt Kuonen und betont: «Das ist keine versteckte Erhöhung des Rentenalters. Wir gehen auf einen individuellen Ansatz: Wer früher ins Erwerbsleben einsteigt, kann auch früher in Rente gehen.»

Das ist fairer und keine versteckte Erhöhung des Rentenalters.
Autor: Martin KuonenCentre Patronal

So soll beispielsweise ein Maurer, der mit 18 Jahren zu arbeiten begonnen hat, mit 62 Jahren bei voller Rente in Pension gehen können. Wer länger in Ausbildung ist, also beispielsweise noch studiert, muss laut dem Modell von Centre Patronal dann entsprechend länger arbeiten.

Oder privat vorsorgen: «Wir machen Vorschläge für das Obligatorium von AHV und BVG. Für das Überobligatorische mit den vielen Leuten, die später in den Arbeitsprozess eintreten, machen wir überhaupt keine Vorschläge.»

SGB: Hauptproblem wird nicht gelöst

Aus gewerkschaftlicher Sicht bringe der vorliegende Vorschlag keine Vorteile, sagt Gabriela Medici, Verantwortliche für Sozialversicherungen beim Gewerkschaftsbund SGB: «Solche Modelle wurden in den letzten 20 Jahren immer wieder diskutiert – und verworfen. Für die Gewerkschaften sind sie nicht akzeptabel. Denn sie führen zu einem real höheren Rentenalter, verhindern soziale Frühpensionierungen und sind für Frauen sowie Migrantinnen und Migranten häufig mit grossen Verschlechterungen verbunden.»

Das führt zu einem real höheren Rentenalter, verhindert soziale Frühpensionierungen und ist häufig nachteilig für Frauen.

Zudem löse es nicht das Hauptproblem, dass die obligatorische Rente nicht reiche, um davon zu leben, sagt Medici: Und es sei im Moment der falsche Zeitpunkt, um darüber zu diskutieren, wenn nun im eidgenössischen Parlament die AHV-21-Reform besprochen werde.

Umfrage zeigt Sympathien für Lebensarbeitszeit

Das sagt auch der Arbeitgeberverband. Dort befürwortet man grundsätzlich aber eine Flexibilisierung des Rentenalters. Der vorliegende Vorschlag soll zum gegebenen Zeitpunkt im Detail geprüft werden. Centre Patronal sagt auch, dass dieser Vorschlag nach AHV-21 diskutiert werden soll – und rechnet sich gute Chancen aus.

In einer repräsentativen Umfrage der Forschungsstelle Sotomo konnten sich 61 Prozent der Befragten ein Lebensarbeitszeitmodell vorstellen, wie Politologe Michael Hermann sagt: «Es ist viel populärer als etwa eine generelle Erhöhung des Rentenalters. Das hat damit zu tun, dass eher Leute, die keine tertiäre Bildung haben und in der Mehrheit sind, das positiv finden. Sie halten es für gerecht, dass Leute mit einer längeren Ausbildung auch etwas länger arbeiten sollen.

Es ist viel populärer als etwa eine generelle Erhöhung des Rentenalters.
Autor: Michael HermannPolitologe

Ob das Modell von Centre Patronal wirklich mehrheitsfähig ist, wird sich in der politischen Diskussion zeigen. Die dreht sich zuerst aber einmal um die AHV-Reform 21.

Rendez-vous, 30.09.2020, 12:30 Uhr

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54 Kommentare

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  • Kommentar von Besser Wisser  (ah.schlau)
    Da die meisten Studenten sowieso ein Nebenjob besitzen, zahlen sie auch schon während des Studiums AHV-Beiträge und der Vorschlag würde nur für die wenigen Studenten, die ausschliesslich von ihren Eltern finanziert werden, einen Unterschied machen.
    1. Antwort von Damian Derungs  (Domino)
      Ja aber nicht voll, muss auch dementsprechend gewertet weden.
  • Kommentar von Jacqueline Bisaz  (Grosi Jaquie)
    Ich habe eine minimale Kürzung der AHV-Rente, weil ich die letzten Jahre nur noch 60% gearbeitet habe (nach einem arbeitsreichen Leben als Alleinerziehende). Habe dann via 3. Säule etwas gespart und habe heute eigene Wohnung. Das geht sogar als Frau!
  • Kommentar von Ramon Lopez  (Lopi)
    Ein Medizinstudent/in beendet sein Studium mit ca. 28 Jahren. Danach muss man für ca. 5 Jahre in die Assistenz und arbeitet 60 und mehr Stunden pro Woche, hat eine enorme Verantwortung. Je nach geleisteten Stunden fällt er auf die Mindestlohngrenze etlicher Kantone. Es bleiben ihm/ihr noch ca. 32 Jahre Zeit, für seine Pension zu sorgen. Nach diesem Modell soll er/sie bis 72 Jahre arbeiten? Jahre, könne wohl kaum der Messfaktor sein!
    1. Antwort von Damian Derungs  (Domino)
      Ja schön for den artzt, dafür wird er nie dreckige hände oder rückenschmerzen vom arbeiten kriegen, dazu verdienen die so viel, dass sie die jahre die sie früher gehen wollen locker mitbezahlen können. Arbeiten sie mal 30 jahre auf dem bau oder einer werkstatt, dann erfahren sie vielleicht auch warum man in gewissen jobs ohne weiteres länger srbeiten kann und in anderen nicht