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Konjunktur: Gewerkschaften sorgen sich um Kaufkraft
Aus Rendez-vous vom 06.07.2020.
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Reserven der Krankenkassen 500 Franken auf die Hand – für jeden in der Schweiz?

Der Gewerkschaftsbund sorgt sich wegen der Coronakrise um die Kaufkraft der Bevölkerung. Alle sollen unterstützt werden.

8.3 Milliarden Franken: So gross ist nach Angaben des Verbands Santésuisse derzeit der Reservetopf aller Krankenkassen. Es ist die eiserne Reserve der Kassen für Unvorhergesehenes. Sie sei viel zu gross, sagt der Präsident des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB), Pierre-Yves Maillard.

5 Milliarden davon könne man daher direkt an die Bevölkerung verteilen, sagt er. «Das könnte durchschnittlich ungefähr 500 Franken pro Person, also 2000 Franken für eine vierköpfige Familie, heissen. Das ist ein gutes Element zur Unterstützung der Bevölkerung und des Konsums.»

Interesse an Reservegeldern ist gross

Die Gewerkschaften sind nicht die ersten, bei denen die Reserven der Krankenkassen in der Krise Begehrlichkeiten geweckt haben. Auch die Spitäler zum Beispiel verlangten aus diesen Töpfen bereits eine Entschädigung für Ertragsausfälle im Lockdown, als sie nicht mehr operieren durften. Doch die Versicherer wehren sich. Schliesslich seien die Reserven gerade für eine Pandemie wie jetzt da, sagt Matthias Müller von Santésuisse.

«Sie haben in dieser Krise dafür garantiert, dass keine Prämienerhöhung wegen des Coronavirus notwendig wird. Das trifft sogar bei einer zweiten oder dritten Welle zu. Auch dann garantieren die Reserven, dass es wegen Corona keine Prämienerhöhung gibt», so Müller.

Von dieser Krise sind vor allem die Geringverdienerinnen und Geringverdiener betroffen.
Autor: Daniel LampartChefökonom SGB

Die Coronakrise sei ohnehin ganz anders als frühere Krisen wie etwa die Finanz- und Wirtschaftskrise, sagt Daniel Lampart, Chefökonom des SGB vor den Medien: «Diese Krise unterscheidet sich von anderen Krisen, indem vor allem die Geringverdienerinnen und Geringverdiener davon betroffen sind.»

Angestellte im Verkauf, im Gastgewerbe oder Coiffeure treffe die Krise besonders hart, weil ihre Löhne ohnehin schon sehr tief seien. Werden sie auf Kurzarbeit gesetzt, werden ihnen nur noch 80 Prozent des Lohns ausbezahlt.

Maillard (links), Lampart
Legende: Der SGB (im Bild: Maillard und Lampart) will seine Forderungen nun dem Bundesrat überreichen. Keystone

Menschen mit tiefen Einkommen bräuchten eine 100-prozentige Entschädigung, fordert SGB-Präsident Maillard. Sonst hätten sie Schwierigkeiten, Ende Monat alle Rechnungen zu bezahlen: «Das ist ein Problem für den Konsum, denn es ist nötig, dass sich die Wirtschaft weiterentwickelt, und dazu braucht es auch den Konsum.»

Arbeitgeber kritisieren falschen Anreiz

Die Kaufkraft stärken und so die Wirtschaft ankurbeln – dagegen haben im Prinzip auch die Arbeitgeber nichts. Nur nicht so, sagt der Chefökonom des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes, Simon Wey: «Weil das eine falsche Anreizwirkung entfalten würde. Es muss im System so sein, dass Arbeit ausserhalb von Kurzarbeitsentschädigungen höher entschädigt wird.»

Vollen Lohn auch bei Kurzarbeit: Im Parlament wird das noch zu reden geben. Mehrere Vorstösse von links mit dieser Forderung liegen auf dem Tisch. Der SGB wiederum will seine Forderungen nun dem Bundesrat überreichen.

Rendez-vous, 06. Juli 2020, 12:30 Uhr

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72 Kommentare

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  • Kommentar von Roland Brechbühl  (RoBre)
    Kein Giesskannenprinzip bitte, sondern solidarisches Handeln, indem die Grundversicherung günstiger wird. Oder die Kantone sollen Geld erhalten, um direkt die Prämienvergünstigungen erhöhen zu können für wenig Verdienende.
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  • Kommentar von Christa Wüstner  (Saleve2)
    Nicht jeder Schweizer benötigt 500 SFR. Gebt das Geld jenen, die jetzt an der
    Armutsgrenze stehen. Oder senkt die KK Prämien für das kommende Jahr.
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  • Kommentar von Werner Gürr  (FrMu)
    Wir wollen kein einmalige Auszahlung von ein paar Piepen, sondern wir wollen eine permanente starke Reduktion der KK Prämien. Sagen wir eine 50% Reduktion mit einem fixierten oberen Limit der Prämie, das nur durch einen Parlamentsbeschluss, der dem Referendum unterliegt, geändert werden kann. Die KK Prâmien sind eine Sauerei und das System schreit geradezu danach missbraucht zu werden.
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    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Werner Gürr: Wenn Sie die Prämie deckeln, dann bezahlt einfach der Staat den Rest. Günstiger wird's nicht, eher teurer, denn am Schluss fallen sämtliche Anreize weg, sparsam mit der Medizin umzugehen. Das Resultat kennen wir im UK. National Health Service (NHS): Alle gratis, Als Folge Warteschlangen und schlechter Service. Die Begüterten flüchten in die Privatkliniken in Frankreich.
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