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«Klimapapst» Knutti sprach vor der versammelten Strombranche
Aus HeuteMorgen vom 17.01.2020.
abspielen. Laufzeit 03:13 Minuten.
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Reto Knutti am Stromkongress Der Klimapapst stösst auf offene Ohren

Klimaforscher Reto Knutti war Hauptredner am Stromkongress. Er redete der versammelten Strombranche ins Gewissen.

Der ETH-Wissenschaftler Reto Knutti, einer der führenden Experten für den Klimawandel, ist der letzte Redner am ersten Tag des Stromkongresses. Es wird die mit Abstand engagierteste Rede. «Hören Sie nicht nur als Vertreter der Strombranche zu. Hören Sie zu als Vater, als Mutter, als Bürger!», fordert er die versammelten Entscheidungsträger der Strombranche auf.

Die Politik ist dem Eis egal

Dann zeigt Knutti mit bestechenden Bildern und Grafiken, warum es immer wärmer wird, wie sich das auf die Umwelt auswirkt und was laut dem Stand der Forschung der Mensch damit zu tun hat. «Das Eis schmilzt, wenn es zu warm wird», sagt er. Und er fährt fort: «Es ist egal, ob Sie SVP oder Grüne wählen: Das Eis schmilzt immer zum gleichen Zeitpunkt.»

Rhonegletscher und Abdedckungen im Sommer.
Legende: Der Rhonegletscher schmilzt weg – da nützen auch Abdeckungen nicht mehr viel. Keystone

Deshalb hat der Bundesrat als Ziel null CO2-Emissionen in der Schweiz ab dem Jahr 2050 definiert. «Lassen Sie diese Zahl auf sich wirken», fordert Knutti sein Publikum auf. Denn bei Emission null kommt die Strombranche ins Spiel.

Viel Mut und Willen ist jetzt gefragt

Fahren Autos nicht mehr mit Benzin, sollen sie mit Strom fahren. Wird im Mehrfamilienhaus statt mit Öl via Wärmepumpe geheizt, braucht das auch Strom. Darum muss die Branche viel mehr Ökostrom wie Sonnenergie produzieren.

Ob das rechtzeitig zu schaffen ist, zusätzlich zum Atomausstieg? «Man muss wollen», sagt Knutti. «Wir brauchen den Mut, selber anzupacken, Lösungen und eine Vision zu entwickeln. Und es braucht den Willen, diese auch umzusetzen.»

Knutti erhält grossen Applaus. Spontane Glückwünsche gibt es vom Mitarbeiter eines Rohstoffkonzerns oder einem Vertreter eines Stadtwerks. Dieser meint zu Knutti bloss: «Hammer». Solche Reaktionen hat sich Michael Wider erhofft. Der Präsident des Strom-Dachverbandes hat den Kongress organisiert und sagt: «Die Rede ist hier jedem – zumindest als Bürger – eingefahren.»

Der Erkenntnis müssen Taten folgen

Auch Knutti glaubt im Prinzip an die Wirkung seiner Worte. Die Dringlichkeit des Themas sei inzwischen bei den Menschen wohl angekommen, sagt er. «Doch ich vermisse noch die entsprechenden Handlungen, damit die nötigen Massnahmen umgesetzt werden.»

SVP-Nationalrat Roger Köppel nannte Klimaforscher Knutti einst «Klimaalarmist» und benutzte dabei auch das Wort «Aberglaube». Doch Knutti, der ETH-Professor, ist nicht der Typ, der sich von so etwas beirren lässt. Er macht weiter mit seinen Auftritten – in der Hoffnung, dass der Erkenntnis auch Taten folgen.

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35 Kommentare

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  • Kommentar von Franz Giger  (fjg)
    Der allwissende Knutti sollte uns besser erklären, woher der Strom zukünftig kommen soll, wird der Energiebedarf doch durch Digitalisierung, Elektrifizierung bis in die Zehenspitzen explosionsartig ansteigen. Ein Blick nach Deutschland würde genügen, wo man Sämtliches und Sonderes hurtig stilllegen will was Strom erzeugt.
    1. Antwort von Thomas Bünzli  (Tumasch)
      Haben Sie eine Ahnung, woran die Forschung derzeit arbeitet? Es sind so viele tolle Projekte in der Pipeline, womit man Strom erzeugen kann und womit der Energiebedarf klar gedeckt werden kann. Wenn man hingegen nicht über den Tellerrand hinausschaut, wird es wirklich schwierig!
    2. Antwort von N. Schmid  (Schmid)
      Deutschland exportiert mehr Strom als je zuvor und die Grosshandelsstrompreise in Deutschland sind tiefer als vor 10 Jahren.
    3. Antwort von Franz Giger  (fjg)
      Da kann etwas nicht stimmen N. Schmid. Die deutschen Haushalte zahlen Strompreise dass sich die Balken biegen.
    4. Antwort von Reto Camenisch  (Horatio)
      Und sie, ein Blick in Energiestrategie 2050:
      https://www.bfe.admin.ch/bfe/de/home/politik/energiestrategie-2050.html
    5. Antwort von Reto Camenisch  (Horatio)
      Knutti ist nicht allwissend, sondern wissend in seinem Gebiet, Klimatologie (Klimaphysik) in einem Team an der ETH Zürich, wie mehrere tausend Forscher weltweit.
    6. Antwort von N. Schmid  (Schmid)
      Herr Giger. Deutsche Haushalte zahlen auch nicht die Grosshandelsstrompreise sondern bezahlen hohe Stromsteuern.
      Die Deutsche Industrie zahlt allerdings weniger für den Strom als die Schweizer Industrie und ist entsprechend wettbewerbsfähiger.
  • Kommentar von Manfred Sommer  (FrediSommer)
    Es wäre doch an der Zeit die gemessenen Co2 Anteile in der Luft bekanntzugeben. Nur mit diesen Fakten sind Veränderungen möglich und auch gewollt!
    1. Antwort von Reto Camenisch  (Horatio)
      Die CO2-Konzentration ist über 430 ppm, pro Jahr ca 2 ppm mehr. In den Eisbohrkernen sind über die letzten 900000Jahren gerade mal zwischen ca 250 und 300 ppm gefunden worden. Der einmalig schnelle Anstieg, und über 300 ppm wurde seit etw 120 Jahren festgestellt. (Oeschger Institut, Uni Bern, oder Alfred Wegener Institut Bremerhaven).
  • Kommentar von Bruno Bettoli  (Bruno Bettoli)
    Solange das Thema CO2 für die Klimaerwärmung wissenschaftlich nicht erhärtet ist und das IPCC vor allem politische Grundagen hat, ist die Glaubwürdigkeit der einseitig agierenden Forscher nicht nachvollziehbar.
    1. Antwort von Thomas Bünzli  (Tumasch)
      Es scheint für Sie nicht erhärtet zu sein; für über 95% aller Klimawissenschaftler ist es klar! Aber weiterhin alle Studien und wissenschaftlichen Arbeiten, die publiziert und gewertet werden, ignorieren, ist natürlich auch eine Strategie...
    2. Antwort von Reto Camenisch  (Horatio)
      Von wo haben sie diese Behauptungen?