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Es riecht nach «Gras»: In Ried hat man sich an den Geruch gewöhnt
Aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 23.09.2020.
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Ried bei Kerzers (FR) So lebt es sich im Hanfdorf

Im Freiburger Seeland baut ein Bauer CBD-Hanf im grossen Stil an. Das freut nicht alle.

Alte Bauernhäuser, ein Landmaschinen-Geschäft und eine Dorfbäckerei: Ried bei Kerzers ist ein typisches Bauerndorf. Nur reicht es hier nicht etwa nach Saustall oder Misthaufen, sondern nach Hanf.

Seit vier Jahren wächst auf dem Hof von Biobauer Manfred Wolf Cannabis. Ganz legal. Es handelt sich nämlich um CBD-Hanf. CBD-Hanf hat einen tiefen THC-Wert, macht also nicht high. Wie kam es dazu?

Der Hanfpionier

Porträt Lucien Pête
Legende: SRF

Lucien Pête beschäftigt sich schon länger mit Cannabis. Als 2016 der Bund den Verkauf von CBD-Hanfprodukten in der Schweiz erlaubte, sah er seine Stunde gekommen. «Für mich war klar, dass ich Bio-Hanf anbauen will», so Pête. Deshalb machte er sich auf die Suche nach einem Mitstreiter.

Der Hanfbauer

Porträt
Legende: SRF

Manfred Wolf führt seit über 25 Jahren einen Bio-Gemüsebetrieb in Ried bei Kerzers und er ist Gemeinderat. «Lucien und ich haben per Handschlag vereinbart, dass ich einen Teil seines Gewächshauses übernehme.» Daraus wurde bald mehr.

Was ist CBD-Hanf genau?

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Kiffen ist in der Schweiz weiterhin illegal. Legal ist jedoch seit ein paar Jahren der Konsum von sogenanntem CBD-Hanf, der aufgrund seines niedrigen THC-Gehalts nicht «high» macht, also nicht in einen Rausch versetzt. Dafür enthalten die Blüten möglichst viel CBD: Cannabidiol. Dieses soll beruhigend wirken.

Ob im Supermarkt, am Kiosk oder in der Apotheke: Cannabidiol-Produkte sind in unterschiedlichsten Formen und Varianten fast überall zu finden.

Doch Nachweise für diese Effekte gibt es kaum, denn das Forschungswissen über die Wirkungen des CBDs ist relativ jung. Aus juristischer Perspektive ist CBD in der Schweiz mit einem THC-Gehalt von unter einem Prozent legal.

22'000 Pflanzen befinden sich heute im Gewächshaus. Dazu kommen 15 Hektaren Hanfplanzen, die draussen auf Feldern gezüchtet werden.

Die Plantage

Das Gewächshaus.
Legende: Leonie Marti/SRF

Aufgrund der warmen Septembertage ist die Ernte früher als geplant. Mehrere Frauen schneiden Hanfblüten ab und legen sie in ein Kistli. Der kleinere Teil kommt in den Grosshandel – dort entstehen aus dem Rieder Hanf CBD-Zigaretten. Der grösste Teil wird auf dem Hof weiterverarbeitet, z.B. zu Hanföl. Dieses Öl ist auf der ganzen Welt gefragt, sogar aus Medellin in Kolumbien gab es einmal eine Bestellung.

Jetzt haben es alle begriffen, dass es nur CBD-Hanf ist.
Autor: Manfred WolfHanfbauer

Die Plantage habe nix mit Kiffen zu tun: «Wir sind ein zertifizierter Betrieb, der Medizinalpflanzen anbaut.» Die Pflanzen sehen den «richtigen» Hanfplanzen, die high machen, zum Verwechseln ähnlich. Immer wieder wollten Leute einbrechen und Pflanzen stehlen: «Jetzt haben es alle begriffen, dass es nur CBD-Hanf ist.»

Die Nachbarinnen

Zwei ältere Frauen
Legende: SRF

Den Hanf riecht man im ganzen Dorf. «Bis jetzt störte es mich nicht», sagt die eine der Frauen, die in der Nähe des Betriebes wohnen. Sie rieche es manchmal schon gar nicht mehr, sie habe sich wohl daran gewöhnt. Die andere sagt: «Wir holen uns jeweils auch von den Hanf-Tropfen, die sie herstellen.» Sie sind also sogar Kundinnen.

Andere Menschen aus dem Dorf sind weniger glücklich mit der Plantage. Zur Erntezeit sei das Sitzen auf dem Balkon unmöglich. Die Idee einer Petition gegen die Plantage wurde allerdings schnell wieder verworfen – die Hanfbauern geniessen im Dorf einen grossen Rückhalt.

Der Gemeindepräsident

Porträt älterer Mann mit Brille
Legende: SRF

Gemeindepräsident Heinz Etter-Heggli kennt die Sorgen der Menschen im Dorf, er kennt aber auch Hanfbauer Manfred Wolf, schliesslich sind sie beide zusammen im Rieder Gemeinderat. Er betont: «Wir sind ein Bauerndorf und bleiben ein Bauerndorf.» Hier werde halt Hanf angebaut anstelle von Lauch. Aber das sei nun halt so.

Die Zukunft

Die beiden Hanfbauern.
Legende: Leonie Marti/SRF

«Das Ziel ist eine rote Null», so der Hanf-Pionier. Man komme grad so durch. Eine Goldgrube sei der CBD-Hanf (noch) nicht. Dennoch wollen die beiden Bauern ihre Plantage erweitern: Ein neues Gebäude, um das Hanföl zu verarbeiten, ist fast fertig gebaut. Und in zwei Jahren soll es ein zusätzliches Gewächshaus geben. Ried bei Kerzers bleibt ein Hanfdorf.

Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 23.9.2020, 17:30 Uhr

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Vicky Pridal  (Ego)
    Wenn ich manchmal zu meiner Mutter fahre komme ich durch Ried. Dieser Hanf Geruch ist so penetrant,dass es mir nur vom Durchfahren schlecht wird. Für mich wäre dies ein Grund aus Ried wegzuziehen. Leute die das auch so empfinden und ev dort vor einigen Jahren eun Haus gebaut haben tuen mir echt leid! Es riecht im ganzen Dorf nach Hanf. Ich bin froh, dass ich nicht dort leben muss. Auch wenn CBD Hanf wirklich helfen kann!
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  • Kommentar von Bewohnerin Ried  (Riederin)
    Viele Einwohner stört der Geruch, nur will keiner etwas zu sagen, weil wie im Interview selbst gesagt wurde, ist der Hanfbauer selbst Mitglied des Gemeinderates.

    Die Aussage, dass die Bewohner wussten was auf sie zukommt, wenn sie nach Ried ziehen, stimmt nicht. Denn der Neubau von dem sie sprechen wurde vor 4 Jahren gebaut. Damals gab es noch keine Hanfplantage, sondern nur ein Peperonis und feines Gemüse aus der Region. ;)
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  • Kommentar von Paul Graber  (PG)
    CBD-Produkte sind für viele Anwendungen (Schlafmittel, Schmerzen und nervösen Zuckungen) durchaus sinnvoll. Darum find ich es richtig, dass wir hier in der Schweiz CBD in guter Qualität herstellen. Es mag auch an einigen Tagen riechen, aber das machen diverse Ställe auch. Von Chemiefabriken mal ganz abgesehen. Ich glaub das ist eher ein Problem, dass immer noch manch ein Mitbewohner glaubt, den Geruch einer verpönten Droge zu riechen. Ich freue mich über jeden innovativen Bauer in der Schweiz.
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