Am 6. Juni hat das Warten ein Ende. Ab dann fahren im Halbstundentakt wieder Züge durch den Weissensteintunnel, auf der Strecke Solothurn-Moutier. Beim nördlichen Portal in Gänsbrunnen werden aktuell die letzten Schienen verlegt, danach wird die Fahrleitung montiert.
Ab Juni ist man aus der Region Thal wieder in 20 Minuten in der Kantonshauptstadt. Jetzt braucht man mit dem Bus noch rund eine Stunde. Bis im April sollen die Arbeiten am Tunnel abgeschlossen sein, sagt Christian Petzold, stellvertretender Baustellenchef. Dann werden die Signale eingebaut und die Strecke getestet.
Unterdessen fährt die Bahn bereits von Solothurn bis Oberdorf. Direkt nach dem Bahnhof beginnt dort der 3.7 Kilometer lange Weissensteintunnel. Ab Oberdorf verkehrt auch die Gondelbahn auf den Solothurner Hausberg.
Es windet im Tunnel
Die Arbeitsbedingungen für die Mineure waren hart. Der eingleisige Tunnel ist eng, was den Einsatz von Maschinen und Lastwagen erschwert. Zudem weht oft ein kalter Wind, ausgelöst durch die unterschiedlichen Luftdrücke am nördlichen und südlichen Portal.
Nun ist der Tunnel trocken. Es tropft weniger Wasser auf die Schienen wie vor der Sanierung. Die alte Entwässerungsanlage sei marode gewesen, erklärt Petzold. Beim Bau habe sich herausgestellt, dass viel mehr Wasser anfalle als vorausgesagt. Das habe die Betonierung des Untergrundes erschwert.
Nur in kleinen Schritten vorwärts
Die Mauern an den felsigen Tunnelwänden waren vor der Erneuerung bröckelig – nach 100 Jahren Betrieb. Dies war der Hauptgrund für die Sanierung. Bei diesen Arbeiten mussten die Mineure vorsichtig vorgehen. Christian Petzold: «Wenn man das Mauerwerk wegnimmt, kann es sein, dass die Spannung nicht mehr hält und sich der Fels löst.»
Im Laufe der Jahre habe sich das Gestein mit Wasser vollgesogen und sei aufgequollen. Das habe den Druck auf die Tunneldecke erhöht und diese teilweise aufgesprengt.
Um die Gefahr zu mindern, wurden die Tunnelwände in kleinen Abschnitten saniert. Gutes Mauerwerk wurde an der Tunnelwand belassen, anderes mit Spritzbeton gesichert oder komplett neu gebaut. «Abschlagen, sichern, weitermachen» sei das Vorgehen gewesen, erklärt der stellvertretende Baustellenchef. Anstatt fünf Meter ging es so nur einen Meter aufs Mal vorwärts.
Zweimal verschoben – nun soll es klappen
Der Einbau der Bahntechnik sei erfahrungsgemäss «entspannter» als die Arbeiten am Tunnel, sagt Alex Veigl, der das Projekt seitens BLS leitet. Dabei gebe es meistens wenig Überraschungen. Zur Ausrüstung gehörten aber auch Computeranlagen – und da wisse man nie.
Der Eröffnungstermin wurde bereits zweimal nach hinten verschoben. Auf den 6. Juni soll es nun aber klappen. Nach 27 Monaten Bauzeit könnten dann die Züge wieder fahren. Es habe Rückmeldungen aus der Bevölkerung gegeben, so Veigl – positive wie auch kritische. Positiv sei die Kommunikation erwähnt worden, negativ die lange Schliessung des Tunnels. «Es war eine grosse Belastung für die Leute. Sie mussten einen grossen Umweg machen, um vor und wieder hinter den Weissenstein zu kommen.»
Die BLS könne nun aber garantieren, dass der Weissensteintunnel die nächsten 25 Jahre sicher betrieben werden könne. Am 30. Mai soll die Wiedereröffnung am Bahnhof Oberdorf gefeiert werden.