Seit einem Jahr trägt die Transportpolizei Bodycams in den Eisenbahnzügen mit sich. Für die SBB bewährt sich das als sinnvolles Mittel zur Entschärfung von Konflikten und zur Sicherung von Beweisen. Die Bodycam am Transportpolizisten funktioniert also.
Und was gut ist, soll ausgebaut werden. Die Bodycam könnte nun auch bei Zugbegleiterinnen und Zugbegleitern zum Einsatz kommen. Diese seien jeden Tag Aggressionen ausgesetzt, verbal oder körperlich, sagt Mara Zenhäusern, Mediensprecherin bei der SBB: «Wir prüfen deshalb, ob wir auch bei Zugbegleitenden die Bodycams einsetzen könnten. Auf freiwilliger Basis, natürlich.»
Die SBB möchte mit einem Pilotprojekt Erfahrungen sammeln. «Wir sind noch ganz am Anfang. Bevor wir dieses Vorhaben konkretisieren können, sind noch rechtliche und datenschutzrechtliche Fragen offen», so Zenhäusern. Offene Fragen gibt es deshalb, weil Zugbegleitende kein Sicherheitsdienst sind.
Bodycams seien kein unbedingter Wunsch des Personals, so René Zürcher von der Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV. Dagegen sei die Gewerkschaft aber nicht. Das Tragen einer Kamera müsse freiwillig sein und dürfe nicht als Argument dienen, weniger Zugpersonal auf den Strecken zu haben.
Zürcher spricht einen Fall an, wo ein Zugbegleiter Anfang September schwer verprügelt wurde: «Wenn sie zu zweit gewesen wären auf diesem Zug, wäre dies vielleicht nicht passiert. Es braucht mehr Personal. Auch Bodycams könnten ein Mittel sein.»
Die Bodycam ist ein Mittel, welches die Transportpolizei auf ihren Patrouillen seit einem Jahr erfolgreich einsetzt. Sandro Zumstein, Chef Region Mitte der Transportpolizei, bestätigt die gute Bilanz. Der Einsatz der Bodycams habe Wirkung gezeigt, sie hätten ihn jedoch erst erlernen müssen.
SBB will Videoüberwachung ausbauen
So seien die Kameras zu Beginn oft ungewollt eingeschaltet worden: «Oder wir haben Fälle, wo unsere Leute vergessen hatten, am Anfang die Bodycam einzuschalten. Das ist ein Prozess, der jetzt weiter fortgeschritten ist. Die Leute haben gelernt, damit umzugehen.» Probleme, gebe es keine mehr, so Zumstein weiter.
Nebst einem weiteren Einsatz von Bodycams auf ihren Zügen will die SBB auch die Videoüberwachung in den Wagons und Bahnhöfen ausbauen. Bereits heute fahren 26'000 Kameras in den Zügen mit, 2500 überwachen die Bahnhöfe und es werden noch mehr.