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SBB prüft Pilotprojekt Bodycams nun auch für Zugbegleiterinnen und Zugbegleiter?

Seit einem Jahr trägt die Transportpolizei Bodycams in den Eisenbahnzügen mit sich. Für die SBB bewährt sich das als sinnvolles Mittel zur Entschärfung von Konflikten und zur Sicherung von Beweisen. Die Bodycam am Transportpolizisten funktioniert also.

Bodycams – SBB zieht positive Bilanz

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Bodycams haben sich nach Einschätzung der SBB als sinnvolles Einsatzmittel zur Entschärfung von Konflikten und zur Beweissicherung bewährt. Dies ist das Fazit nach einem guten Jahr des landesweiten Einsatzes der Kameras an den Uniformwesten der Transportpolizei. Die Zahl der Tätlichkeiten gegen Polizisten und Polizistinnen ging im Vergleich zur Vorjahresperiode um 11 Prozent zurück.

Und was gut ist, soll ausgebaut werden. Die Bodycam könnte nun auch bei Zugbegleiterinnen und Zugbegleitern zum Einsatz kommen. Diese seien jeden Tag Aggressionen ausgesetzt, verbal oder körperlich, sagt Mara Zenhäusern, Mediensprecherin bei der SBB: «Wir prüfen deshalb, ob wir auch bei Zugbegleitenden die Bodycams einsetzen könnten. Auf freiwilliger Basis, natürlich.»

Die SBB möchte mit einem Pilotprojekt Erfahrungen sammeln. «Wir sind noch ganz am Anfang. Bevor wir dieses Vorhaben konkretisieren können, sind noch rechtliche und datenschutzrechtliche Fragen offen», so Zenhäusern. Offene Fragen gibt es deshalb, weil Zugbegleitende kein Sicherheitsdienst sind.

Beamte der Transportpolizei im Einsatz.
Legende: Bodycams könnten in Zukunft nicht nur bei der Transportpolizei, sondern auch bei den Zugbegleitenden zum Einsatz kommen. Keystone / Michael Buholzer

Bodycams seien kein unbedingter Wunsch des Personals, so René Zürcher von der Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV. Dagegen sei die Gewerkschaft aber nicht. Das Tragen einer Kamera müsse freiwillig sein und dürfe nicht als Argument dienen, weniger Zugpersonal auf den Strecken zu haben.

Zugbegleitende bei der Ticketkontrolle.
Legende: Die Sicherheit sei für das Personal zentral, so die Gewerkschaft SEV. Keystone / Christian Beutler (Archiv)

Zürcher spricht einen Fall an, wo ein Zugbegleiter Anfang September schwer verprügelt wurde: «Wenn sie zu zweit gewesen wären auf diesem Zug, wäre dies vielleicht nicht passiert. Es braucht mehr Personal. Auch Bodycams könnten ein Mittel sein.»

Expertin über Verhältnismässigkeit von Bodycams

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Bild der Expertin für Datenschutz
Legende: Ursula Uttinger, Datenschutzexpertin und Dozentin an der HSLU Bildquelle: Hochschule Luzern

SRF News: Wäre die Einführung von Bodycams bei Zugbegleitenden verhältnismässig?

Ursula Uttinger: Ich halte es für einen relativ starken Eingriff in die Persönlichkeit der betroffenen Kundinnen und Kunden. Bereits heute ist der grösste Teil der Fahrzeuge mit einer Videokamera ausgestattet und auch die Transportpolizei trägt Bodycams. Wir gehen in Richtung eines Überwachungsstaates, wenn auch noch die Kundenbetreuerinnen und -betreuer dazu kommen.

Klar kann man damit auch deeskalierend wirken. Aber gibt es eine gesetzliche Grundlage, die den Einsatz von Bodycams regelt? Das steht für mich auf sehr schwachen Füssen. Es stellt sich die Frage, ob man das nicht mit weniger in die Persönlichkeitsrechte eingreifenden Mitteln erreichen könnte.

Die Bodycam ist ein Mittel, welches die Transportpolizei auf ihren Patrouillen seit einem Jahr erfolgreich einsetzt. Sandro Zumstein, Chef Region Mitte der Transportpolizei, bestätigt die gute Bilanz. Der Einsatz der Bodycams habe Wirkung gezeigt, sie hätten ihn jedoch erst erlernen müssen.

SBB will Videoüberwachung ausbauen

So seien die Kameras zu Beginn oft ungewollt eingeschaltet worden: «Oder wir haben Fälle, wo unsere Leute vergessen hatten, am Anfang die Bodycam einzuschalten. Das ist ein Prozess, der jetzt weiter fortgeschritten ist. Die Leute haben gelernt, damit umzugehen.» Probleme, gebe es keine mehr, so Zumstein weiter.

Nebst einem weiteren Einsatz von Bodycams auf ihren Zügen will die SBB auch die Videoüberwachung in den Wagons und Bahnhöfen ausbauen. Bereits heute fahren 26'000 Kameras in den Zügen mit, 2500 überwachen die Bahnhöfe und es werden noch mehr.

Heute Morgen, 04.11.2025, 06:00 Uhr

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