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Berset zum Shutdown
Aus Tagesschau am Vorabend vom 13.01.2021.
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Schärfere Corona-Massnahmen Warum dieser Strategiewechsel, Herr Berset?

Der Bundesrat hat am Mittwoch schärfere Massnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus beschlossen. Beispielsweise bleiben Restaurants sowie Kultur-, Sport- und Freizeitanlagen bis Ende Februar geschlossen, Einkaufsläden und Märkte werden geschlossen.

Gesundheitsminister Alain Berset über die Notwendigkeit der Massnahmen und warum die Schweiz mit diesen für eine dritte Welle gewappnet sein könnte.

Alain Berset

Alain Berset

Bundesrat

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Der 48-jährige Sozialdemokrat leitet seit 2012 das Departement des Innern (EDI) und war 2018 Bundespräsident. Zuvor war er für den Kanton Freiburg im Ständerat und übte dort 2008/2009 das Amt des Ständeratspräsidenten aus.

SRF News: Wir haben heute den Tag mit den wenigsten Ansteckungen und den wenigsten Todesfällen seit langer Zeit. Sie verkünden aber gleichzeitig die schärfsten Massnahmen seit langer Zeit. Warum?

Alain Berset: Weil wir wissen, was auf uns zukommt. Das ist ein Riesenvorteil gegenüber der ersten und zweiten Welle. Wir sehen nun, dass diese Variante, die aus Grossbritannien kommt, viel ansteckender ist. Wir haben aktuell in der Schweiz genau diejenige Situation, welche Grossbritannien Anfang Dezember hatte. Und dieser Wissensvorsprung sollte es uns erlauben, eine dritte Welle im Griff zu haben.

Bisher gibt es in der Schweiz aber erst ungefähr 150 oder 200 Fälle von der neuen Variante.

Wir haben bereits mehr, und die Anzahl verdoppelt sich jede Woche. Die Frage ist nicht, ob wir Massnahmen treffen sollten. Die Frage ist nur, wann. Eher jetzt mit weniger grossen Konsequenzen, oder später in der Eile mit viel gravierenderen Konsequenzen? Niemand ist schuld an dieser Situation. Die Restaurants nicht, die Läden nicht, auch die Kultur und die Freizeit nicht. Aber wir müssen die Kontakte reduzieren. Und deswegen haben wir gleichzeitig eine sehr starke Erweiterung der unterstützenden Massnahmen für die Wirtschaft beschlossen.

Die Kantone haben sich aber gegen die Homeoffice-Pflicht und gegen die Ladenschliessungen ausgesprochen.

Die Entwicklung der letzten Tage war im Moment der Vernehmlassung noch nicht bekannt. Die Situation ändert sich jeden Tag. Der Bundesrat ist da, um Entscheide zu treffen, um das Land zu schützen, und um den Schaden für die Wirtschaft, die Gesellschaft und für die Gesundheit zu minimieren.

Diese neue ansteckendere Virus-Variante ist für uns eine Gefahr.

Wir sind der tiefen Überzeugung, dass jetzt der richtige Moment ist zum Handeln. Was würden Sie sagen, wenn wir in sechs Wochen sehen: Okay, jetzt ist eine brutale dritte Welle da?

Bisher hat der Bundesrat immer erst gehandelt, wenn die Notwendigkeit absolut unbestritten war. Jetzt, und das ist ein Strategiewechsel, reagieren Sie, bevor die Notwendigkeit ganz offensichtlich ist.

Wir haben zum ersten Mal in dieser Pandemie einen Informationsvorsprung, der uns erlaubt, im richtigen Moment zu handeln. Diese neue ansteckendere Variante ist für uns eine Gefahr. Man sieht in Grossbritannien, in Irland, in Spanien und in Portugal, was sie auslösen kann. Die Zahlen explodieren, das können wir uns auf diesem Niveau nicht erlauben. Es würde auch die Impfkampagne in Gefahr bringen.

Was ist der Unterschied von dem, was wir ab nächsten Montag erleben, und einem Shutdown wie im Frühling?

Die Schweiz funktioniert weiter. Man kann weiter im Homeoffice arbeiten. Man kann weiterhin den ÖV benutzen, aber bitte nur, wenn es notwendig ist. Man kann nicht mehr so viele Leute treffen. Die Reduktion auf fünf Personen ist bereits eine einschneidende Massnahme.

Die SVP hat geschrieben: «Berset will mit dem zweiten Lockdown vom eigenen Versagen ablenken.» Was sagen Sie dazu?

Der Bundesrat entscheidet als Gremium. Wir regieren die Schweiz. Wir versuchen das mit unserem Gewissen, mit unserer Erfahrung zu tun. Wir machen das als Team. Wir wollen einen guten Weg finden, mit einer guten Impfung, und wollen nicht zögern, um dann allenfalls schwerwiegende Folgen zu haben.

Das Gespräch führte Urs Leuthard.

Das hat der Bundesrat am 13. Januar kommuniziert Öffentliche VeranstaltungenMassnahmenverlängerungKulturbetriebeFreizeiteinrichtungenRestaurantsSportanlagenBleiben geschlossen:Maskenpflicht am Arbeitsplatz bei mehr als einer Person im gleichen RaumTreffen im öffentlichen Raum mit max. 5 PersonenMassnahmenverschärfung ab 18. JanuarHomeoffice-Pflicht wo möglich und mit verhältnismässigem Aufwand umsetzbarLäden mit Waren des nicht-täglichen Bedarfs werden geschlossenErhöhter Schutz besonders gefährdeter Personen(Recht auf Homeoffice, gleichwertigenSchutz oder Beurlaubung)Private Treffen mit max. 5 Personen (inkl. Kinder) Empfehlung: aus max. 2 HaushaltenQuelle: Bundesrat, 13.01.21
Weiterhin giltVerbot Veranstaltungen > 100 PersonenEinführung Schengen-GrenzkontrollenEinreise aus Italien mit Ausnahmen verboten10 Mrd. Fr. Soforthilfe Kein Unterricht an SchulenMax. 50 Personen in Restaurants, Bars, Diskotheken Quelle: Bundesrat, 13.01.21Empfehlung: zu Hause bleibenFernunterricht an HochschulenVerbot von VeranstaltungenGeschlossen:Discos und TanzlokaleMaximal 5 Personen bei Sport und KulturAusnahmen für unter 16-Jährige (Sport/Kultur)!Ausgedehnte MaskenpflichtRegeln für SkigebieteGemeinsamer Gesang nur in Familie und Schule

Tagesschau, 13.1.2020, 18:00 Uhr;

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216 Kommentare

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  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Es ist defizit, dass die Schweizer Regierung endlich wieder definitive, klare "gesamtschweizerische" Massnahmen erlässt, solange das Corona-Virus und Mutationen aktiv sind! Dass dies dringend notwendig ist, zeigen die Ansteckungszahlen, die überbelasteten Spitäler klar und deutlich!
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  • Kommentar von Hanspeter Burri  (HPABRRBU)
    Ich weiss, dass ich mit meinem Kommentar auf wenig Gegenliebe
    stossen werde. Wenn wirklich etwas getan werden kann, um den
    Covid-19 wirkungsvoll zu bekämpfen, dann muss der öffentliche
    Verkehr eingestellt werden und die Schulen geschlossen. Die andern
    verschärften Massnahen sind eine Farce- und beruhigen nur das
    Gewissen der Behörden. Wenn es eine Möglichkeit geben würde
    Masken anzufertigen die wirklichen Schutz bieten würden, konnte man
    auf alle Massnahmen verzichten.
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  • Kommentar von Ursula Gröflin  (Unwohl)
    Die Zahlen gehen runter und die Massnahmen werden verstärkt. Da hält man sich an Regeln (ein Teil der Bevölkerung) und wird bestraft! Homeoffice geht ja noch, aber das Gewerbe zu schliessen mit so Fadenscheinigen Argumenten, einfach unglaublich! Bin auch überzeugt, das dem Druck nachgegeben wurde.
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    1. Antwort von Stefan Pfister  (Stefan Pfister)
      Regieren heisst Vorausschauen. Die neue Mutation hat die Zahlen in Wengen buchstäblich über Nacht explodieren lassen. Wollen Sie eine Verdopplung jede Woche? Denn die bekommen Sie mit der neuen Mutation ohne Gegenmassnahmen. Die gestern verkündeten Massnahmen sind ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Weniger Kontakte, mehr Betriebe zu, bessere Ausfinanzierung der wirtschaftlichen Einbussen. Wobei Letzteres mMn grosszügiger sein dürfte, aber wenigstens die Richtung stimmt.
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